expressionistisches Blumengemälde
AKTUELLES

Müll in der Kunst, Geld und Musik-Streaming – Ausstellungsförderungen der Kulturstiftung der Länder

Die Kulturstiftung der Länder fördert 15 Ausstellungen mit insgesamt 500.000 Euro

Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat auf seiner jüngsten Sitzung rund 500.000 Euro für Ausstellungsförderungen bewilligt.

Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat auf seiner jüngsten Sitzung in Mainz beschlossen, 15 Ausstellungsvorhaben in 11 Ländern mit insgesamt rund 500.000 Euro zu unterstützen. Einen Schwerpunkt bilden globale Perspektiven und kulturelle Verflechtungen – dabei geht es u. a. um Abfallwirtschaft, Finanzgeschichte oder um den Einfluss der europäischen Moderne auf Schwarze Künstlerinnen und Künstler in den USA. Mehrere Ausstellungen verknüpfen historische, technologische und soziale Aspekte – von der Varusschlacht über die internationale Gartenschau in der DDR bis zur Geschichte der Tonträger. Vorsitzender des Stiftungsrats ist derzeit Alexander Schweitzer, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz.

Die Kulturstiftung der Länder fördert kunst- und kulturhistorische Ausstellungen, die von öffentlichen Einrichtungen konzipiert und temporär ausgerichtet werden. Die Ausstellungen sollen von den eigenen Beständen der jeweiligen Institution ausgehen, regional verankert und zugleich international bedeutsam sein. Die Kulturstiftung der Länder stellt seit 2009 jährlich Mittel für die Förderung von Ausstellungen bereit. Weitere Förderkriterien und Informationen zur Antragstellung finden Sie auf der Webseite der Kulturstiftung der Länder: https://www.kulturstiftung.de/ausstellungsfoerderung/


Übersicht der beschlossenen Ausstellungsförderungen

Bei den nachfolgenden Ausstellungstiteln handelt es sich teilweise noch um Arbeitstitel, auch die Ausstellungstermine können sich noch ändern.

Museum Ostwall im Dortmunder U
„Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls“
27. März – 26. Juli 2026

Müll als globales Phänomen ist das Thema der Ausstellung im Museum Ostwall, die sich ökologischen und postkolonialen Fragestellungen aus künstlerischer Sicht widmet. Seit den 1960er Jahren setzen sich Künstlerinnen und Künstler kritisch mit dem Material auseinander, das Gesellschaften als „nicht mehr verwertbar“ betrachten. Gezeigt werden rund 50 internationale Kunstwerke unterschiedlichster Medien, vertreten sind u. a. Arman, HA Schult, Nancy Holt, Chris Reinecke, Kristof Kintera, Ana Alenso und Francois Knoetze. Die Ausstellung untersucht einerseits die Verwendung von Müll als Material in der Kunst, andererseits die – teilweise auch aktivistische – Auseinandersetzung mit sozial-ökologischen Themen von der Nachkriegsmoderne bis in die Gegenwartskunst.

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg
„Foto: Hans Hansen“
17. April – 1. November 2026

Hans Hansen (* 1940) ist einer der bedeutendsten Vertreter der Objektfotografie der Nachkriegszeit in Deutschland. Seine charakteristische, sachlich-minimalistische Bildsprache war wegweisend für das Genre. Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MK&G) betreut das Archiv Hans Hansens als Vorlass und hat es in den letzten Jahren wissenschaftlich erfasst. Die umfassende Werkschau präsentiert rund 220 ikonische Fotografien aus über sechs Jahrzehnten, darunter Auftragsarbeiten für Firmen wie Lufthansa, Nikon und VW, freie künstlerischen Arbeiten, Publikationen, Skizzen, Archivmaterial sowie ausgewählte Objekte aus Hansens Privatsammlung.

Historisches Museum Frankfurt
„Die Welt im Geld. Globale Ereignisse im Spiegel Frankfurter Finanzobjekte“
30. April 2026 – 31. Januar 2027

Im Jahr 1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus. Seine Aschewolke verdeckte die Nordhalbkugel und verdarb die Ernten. Von diesem Ereignis zeugt in der Sammlung des Historischen Museums Frankfurt eine Frankfurter Teuerungsmedaille aus dem Jahr 1817, die die damaligen Preise für Getreide und andere Lebensmittel festhält. Objekte aus dem Finanzwesen veranschaulichen auf diese Weise Ereignisse der Weltgeschichte und ihre weitreichenden Auswirkungen. Die Ausstellung macht internationale und historische Verflechtungen greifbar, die Frankfurt als Knotenpunkt der Finanzwelt ausmachen.

Varusschlacht Museum und Park Kalkriese
„Verlorene Krieger – Germanen zwischen Macht und Mythos“
24. April 2026 – 30. April 2028

Im Varusschlacht Museum und Park Kalkriese werden erstmals über 1.600 archäologische Objekte aus Thorsberg und Nydam aus der Eisenzeit und frühen römischen Kaiserzeit gezeigt. Sie stammen aus der Sammlung des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum Schloss Gottorf, das wegen Umbau geschlossen ist. Die Objekte werden im Kontext der sogenannten Kriegsbeuteopferplätze präsentiert. An solchen Orten, häufig Moore oder Seen, wurden nach siegreichen Schlachten Waffen und Rüstungen als Opfergaben an die Götter versenkt. Die Funde aus Schleswig-Holstein werden denen aus Kalkriese zur Varusschlacht im Jahr 9. n. Chr. gegenübergestellt. Interaktive Stationen und haptische Modelle ergänzen die Präsentation.

Zeppelin Museum Friedrichshafen
„Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus“
22. Mai 2026 – 4. April 2027

Die Ausstellung arbeitet erstmals umfassend die Geschichte der Zeppelin-Luftschiffe während des Nationalsozialismus auf und hinterfragt Vorstellungen von unpolitischer Technik. „Gefühlte Wahrheiten“ zeigt, wie Konzern und NS-Staat zusammenarbeiteten und wie das Luftschiff Teil der NS-Propaganda wurde. So sollen verbreitete Theorien, Vorurteile und Narrative zu Zeppelinen und Nationalsozialismus korrigiert werden. Darüber hinaus werden gegenwartsbezogene Fragestellungen durch Formate der politischen und medienpädagogischen Bildung adressiert. Die Ausstellung macht so sichtbar, wie eng Technik, Macht und Propaganda bis heute miteinander verflochten sind.

Stiftung Deutsches Gartenbaumuseum Erfurt
„iga*61. Die DDR durch die Blume“
14. August 2026 – 13. Juni 2027

Im Mittelpunkt der kulturhistorischen Ausstellung steht die Internationale Gartenbauausstellung 1961 (iga) der sozialistischen Länder in Erfurt. Sie wird als politisches, gestalterisches und gesellschaftliches Ereignis für ein heutiges Publikum erfahrbar gemacht. Die Ausstellung untersucht, wie sich die DDR auf der iga durch Gestaltung, moderne Architektur und Raumplanung präsentierte, und fragt nach ihren Funktionen, da sie sowohl ein Ort staatlicher Selbstdarstellung als auch ein öffentlicher Erholungsraum war. Ein Vergleich mit westdeutschen Gartenschauen macht Konkurrenz- und Abgrenzungsverhältnisse sichtbar. Zugleich thematisiert die Ausstellung den heutigen Umgang mit dem Erbe der iga.

Staatliche Kunstsammlungen Dresden – Gemäldegalerie Alte Meister
„Correggio. Berührend menschlich“
19. September 2026 – 10. Januar 2027

Antonio Allegri (1489–1534), genannt Correggio, war mit seinem Werk in mehreren Bereichen bahnbrechend: seine illusionistische Deckenmalerei, sinnliche Aktdarstellungen oder die ausdrucksstarke Darstellung von Emotionen in religiösen Motiven gingen in die Kunstgeschichte ein. Heute sind sein Name und Werk einem breiteren Publikum kaum mehr geläufig. In deutschen Sammlungen befinden sich lediglich fünf Gemälde seines ohnehin recht kleinen Gesamtwerks – vier davon in Dresden. Die Gemäldegalerie zeigt die erste Überblicksausstellung zu Correggio außerhalb Italiens.

Ludwig Museum Köln
„Along the Color Line – eine Transatlantische Moderne“
3. Oktober 2026 – 7. März 2027

Das Museum Ludwig beleuchtet die Geschichte der (westlichen) modernen Kunst aus der Perspektive der internationalen Schwarzen Diaspora, insbesondere von Menschen, deren Vorfahren in Folge des Kolonialismus aus Afrika nach Nordamerika oder Europa gelangten. So haben afroamerikanische Künstlerinnen und Künstler der Bewegung der Harlem Renaissance oder die literarisch-philosophische Strömung der Négritude in Europa in den 1920er und 1930er Jahren die eurozentrische Moderne reflektiert, weiterentwickelt oder kritisch hinterfragt. Die Ausstellung thematisiert diese transatlantischen Verflechtungen und kulturellen Austauschprozesse. Sie ist interdisziplinär angelegt: Neben der Bildenden Kunst sind auch Werke der Literatur und Musik vertreten.

Weltkulturerbe Völklinger Hütte
„Erzengel und Sintersonne. Eine andere Geschichte der Völklinger Hütte“
4. Oktober 2026 – 8. August 2027

Die Geschichte des traditionsreichen Eisenwerks Völklinger Hütte im Saarland, heute UNESCO-Weltkulturerbe, wird erstmals in einer Ausstellung umfassend beleuchtet – von den Anfängen im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Sie spannt einen Bogen von der Schwerstarbeit der „Erzengel“ genannten Arbeiterinnen um 1900 über die Umweltbelastungen durch den sogenannten roten Sinterstaub bis hin zu den sozialen, wirtschaftlichen und globalen Verflechtungen des Hüttenwerks. Auch die Rolle der Völklinger Hütte als Teil der Rüstungs- und Schwerindustrie während der NS-Zeit, einschließlich des Einsatzes von Zwangsarbeitern, wird thematisiert.

Museum Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur / Paula Modersohn-Becker Museum, Bremen / Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München
„Die Blauen Reiterinnen“
23. Oktober 2026 – 21. Februar 2027 / 13. März – 29. August 2027 / 10. Oktober 2027 – 24. April 2028

Die Kooperationsausstellung rückt die Künstlerinnen im Umfeld der Künstlerbewegung „Der Blaue Reiter“ ins Zentrum. Der Titel der Schau ist angelehnt an ein Zitat der Dichterin Else Lasker-Schüler aus einem Brief an die Malerin Marianne von Werefkin, indem sie die eigentümliche Bezeichnung „Der blauen Reiterreiterin Freundin“ verwendete. Die drei beteiligten Ausstellungshäuser setzen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte, gemeinsam ist ihnen die Betrachtung der Netzwerke, Verkaufswege und Emanzipationsbestrebungen der Künstlerinnen, die bislang in Rezeption und Forschung wenig Beachtung fanden. Zu sehen sind u. a. Werke von Sonia Delaunay-Terk, Maria Franck-Marc, Natalia Gontscharowa, Gabriele Münter und Marianne von Werefkin.

 Staatliche Museen zu Berlin – Gemäldegalerie
„Porträts! Überraschende Begegnungen von Botticelli bis Lempicka“
26. Oktober 2026 – 14. März 2027

Wie sehen wir uns selbst – und wie wollten Menschen zu verschiedenen Zeiten gesehen werden? Die Berliner Gemäldegalerie zeigt Porträtmalerei aus fünf Jahrhunderten: Jeweils zwei Werke verschiedener Epochen, Regionen und Stilrichtungen treten in den Dialog miteinander und werfen Fragen zu Fremd- und Selbstwahrnehmung, Inszenierung, Status und Individualität auf. Albrecht Dürer und Giorgione, Peter Paul Rubens und Thomas Gainsborough, Tizian und Anna Dorothea Therbusch stehen einander gegenüber und offenbaren dabei verblüffende Gemeinsamkeiten.

Staatliches Institut für Musikforschung – Musikinstrumenten-Museum, Berlin
„Music on Demand. Schallplatten, Kassetten, Streaming!“
Dezember 2026 – Dezember 2027

Die erste Ausstellung zur Geschichte der Aufnahme- und Wiedergabe von Musik widmet sich den unterschiedlichen Tonträgern unter dem Aspekt von Klang und Wahrnehmung. Zu sehen – und zu hören – sind Objekte aus der Sammlung des Staatlichen Instituts für Musikforschung von 1764 bis in die 2000er Jahre. Thematisiert werden auch die gesellschaftlichen, ökologischen und wirtschaftlichen Folgen des Medienwandels. So geht es etwa um die Umweltkosten von Streaming, die Veränderungen unserer Hörgewohnheiten, die Auswirkungen von Datenkompression auf Klangqualität oder darum, wie Algorithmen den Musikgeschmack beeinflussen.

RELíGIO – Westfälisches Museum für religiöse Kultur, Telgte
„Chaim. Jüdische Lebenswelten“
Mai – September 2027

Die Ausstellung „Chaim. Jüdische Lebenswelten“ thematisiert die Geschichte, Gegenwart und Zukunft jüdischen Lebens in Nordrhein-Westfalen und Deutschland. „Chaim“ ist hebräisch und bedeutet „Leben“. Der Begriff wird auch in Segenswünschen und für einen beliebten Trinkspruch verwendet. Beleuchtet wird u. a. das Leben außerhalb der Metropolen, die jüdische Rückkehr nach Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg und die Neugründung von Gemeinden. Zugleich zeigt die Ausstellung die heutige Vielfalt jüdischen Lebens. Zu Wort kommen Menschen jüdischen Glaubens aus unterschiedlichen Lebensrealitäten und Generationen sowie Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur und Politik.

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