Das Brücke-Museum in Berlin zeigt die erste Gesamtbetrachtung der bislang wenig beachteten angewandten Kunst der expressionistischen Künstlergruppe Brücke. Die Ausstellung „Kunst Hand Werk Brücke“ ist vom 6. März bis zum 21. Juni 2026 zu sehen. Die Kulturstiftung der Länder fördert die Schau mit 70.300 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Das Brücke-Museum widmet sich mit dieser Ausstellung auf vorbildhafte Weise bisher kaum erforschten Teilen des eigenen Sammlungsbestands. Ich bin mir sicher, dass die Schau und der zugehörige Katalog Anstöße für etliche kunst- und designhistorische Neubewertungen und weitere Forschungen zum kunsthandwerklichen Schaffen der Brücke geben werden.“
Die Künstler der Brücke, insbesondere Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938), Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976), aber auch Max Pechstein (1881−1955) und Emil Nolde (1867–1956), der kurzzeitig Mitglied der Künstlervereinigung war, begeisterten sich für das Kunsthandwerk und schufen zahlreiche Werke der angewandten Kunst. Das Brücke-Museum, das die weltweit größte Sammlung der Brücke-Künstler beherbergt, widmet sich zum ersten Mal in einer überblickshaften Ausstellung diesem Kapitel der Kunstgeschichte. Als Ergebnis der wissenschaftlichen Erschließung der Objekte erscheint im April 2026 ein umfangreicher Katalog.
Die Schau gliedert sich nach den verwendeten Materialien. Holz war für die Künstler der Brücke ein wichtiger Werkstoff, unter den Objekten befinden sich Rahmen von Emil Nolde oder Möbel von Ernst Ludwig Kirchner. Aus Metall gestalteten wiederum Karl Schmidt-Rottluff, Erich Heckel (1883–1970), Emil Nolde und Max Pechstein zahlreiche Schmuckstücke und Alltagsgegenstände. Ein dritter Schwerpunkt liegt auf textilen Arbeiten. Gezeigt werden u. a. Bildteppiche der Schweizer Textilkünstlerin Lise Gujer (1893–1967), die sie nach Entwürfen von Kirchner anfertigte. Diese Werke werfen Fragestellungen zur Urheberschaft auf, die in der Ausstellung thematisiert werden. So waren die Brücke-Künstler im Bereich Textil auf die handwerklichen Fähigkeiten anderer Personen – häufig Frauen aus ihrem Umfeld – angewiesen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es verschiedene ästhetische Reformbewegungen in Europa, die sich dem Kunsthandwerk zuwandten. Eine Inspirationsquelle für die Brücke-Künstler war die britische Arts-and-Craft-Bewegung, die sich als Gegenpol zur industriellen Produktion von Alltagsgegenständen positionierte. Auch die Gründung des Deutschen Werkbunds 1907 und die Rezeption des Jugendstils spielten eine Rolle. Vor allem Schmidt-Rottluff setze sich ab den 1920er-Jahren auch mit den gestalterischen Ideen des Bauhauses auseinander. Heute ist die Brücke vor allem für ihre Gemälde, Grafiken und Skulpturen bekannt, während die angewandten Arbeiten bislang wesentlich schlechter dokumentiert und erschlossen sind.
Die Ausstellung wird vom 4. Oktober 2026 bis 7. März 2027 auch in den Kunstmuseen Krefeld – Haus Lange zu sehen sein.
Weitere Förderer: Hauptstadtkulturfonds, Ferdinand-Möller-Stiftung
Kunst Hand Werk Brücke
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Brücke-Museum
Bussardsteig 9, 14195 Berlin
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag 11–17 Uhr
https://www.bruecke-museum.de/