Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg erwirbt ein Andachtsbild, das Papst Pius VI. (1717–1799) im Jahr 1786 der späteren bayerischen Herzogin Maria Anna von Pfalz-Zweibrücken (1753–1824) schenkte. Das als „Piusaltar“ bezeichnete Silberrelief ist vermutlich das letzte Werk des bedeutenden römischen Goldschmieds Luigi Valadier (1726–1785). Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 700.000 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Es ist ein großes Glück, dass dieses bisher der Wissenschaft wie der Öffentlichkeit unbekannte Meisterwerk der sakralen Kunst des 18. Jahrhunderts nun endlich gezeigt und erforscht werden kann. Neben seiner kunsthistorischen Bedeutung ist der Piusaltar vor allem ein materielles Zeugnis der bayerischen, deutschen und europäischen Kulturgeschichte. Als Geschenk eines Papstes an eine deutsche Adelige steht das Werk für die Verbindung von kirchlicher und weltlicher Macht im späten Heiligen Römischen Reich.“
Das über einen Meter hohe Silberrelief zeigt die Beweinung Christi (Pietà) und diente als Hausaltar. Es ist davon auszugehen, dass Papst Pius VI. Maria Anna dieses außergewöhnliche diplomatische Geschenk anlässlich der Geburt ihres Sohnes Pius August überbringen ließ, dessen Patenschaft er übernommen hatte.
Der Piusaltar ist aufgrund der Qualität seiner Ausführung ein herausragendes Werk der römischen Goldschmiedekunst des späten 18. Jahrhunderts. Luigi Valadier war einer der angesehensten Vertreter seiner Zunft in Europa. Die von ihm geleitete Familienwerkstatt erhielt Aufträge des Papstes und von hohen Würdenträgern der katholischen Kirche ebenso wie von Königshäusern und Adeligen aus ganz Europa. Das nun erworbene Silberrelief entstand kurz vor dem Tod des Meisters.
Valadiers Pietà wurde 2024 durch das Germanische Nationalmuseum aus Privatbesitz erworben. Das Relief wird vom 3. März bis 3. Mai 2026 in einer Sonderpräsentation, ab 2027 in der Dauerausstellung des Germanischen Nationalmuseums der Öffentlichkeit und ab sofort der Forschung zugänglich sein. Bislang gibt es keine wissenschaftliche Publikation zu dem Werk. Es wird seit 2025 im Rahmen eines transdisziplinären Drittmittelprojekts erforscht. Dabei sollen u. a. die historischen Hintergründe der Schenkung näher beleuchtet werden. Kunsttechnologische und restauratorische Untersuchungen gehen den Herstellungstechniken des überaus detailreich ausgearbeiteten Reliefs nach.
Weitere Förderer: Ernst von Siemens Kunststiftung, Rudolf-August Oetker-Stiftung, weitere private Stiftungen