Erwerbungsförderung

Von der Heydt-Museum Wuppertal erwirbt umfangreiches Konvolut von Jankel Adler

Das Von der Heydt-Museum in Wuppertal erwirbt 552 Werke von Jankel Adler (1895-1949). Das Konvolut stammt überwiegend aus dem Nachlass des polnisch-jüdischen Künstlers, der bereits 1933 nach Paris und später nach London emigriert war. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte der Werdegang Jankel Adlers im Wuppertaler Stadtteil Barmen begonnen, wo er von 1916-18 Schüler der Barmer Kunstgewerbeschule war. Adler war Mitglied des „Jungen Rheinland“ und gilt als einer seiner wichtigsten Vertreter. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Erwerb von neun Zeichnungen und Druckgraphiken aus dem Konvolut mit rund 20.000 Euro.

Dazu Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Es ist ein großer Verdienst des Von der Heydt-Museums in Wuppertal, den durch Flucht und NS-Verfolgung zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Künstler Jankel Adler einem breiten Publikum wieder bekannt zu machen. Wir freuen uns, dass wir einen Beitrag dazu leisten konnten, dass dieses Konvolut jetzt beforscht werden kann und bald schon in einer umfassenden Sammlung der Öffentlichkeit präsentiert wird.“

Jankel Adler, Der Besuch, um 1925, Radierung,  39,8 x 29,8 cm, Von der Heydt-Museum

 

Die Kulturstiftung der Länder fördert folgende neun Zeichnungen und Druckgraphiken von Jankel Adler aus dem Gesamtkonvolut: Mädchenbildnis (um 1928), Sitzende am Tisch (um 1928), Mädchen mit Katze (1924), Der Besuch (um 1925), Der Architekt (um 1928), Bärtiger Jude mit Mütze (um 1926), Heimkehr (1. Zustand, um 1938), Heimkehr (2. Zustand, um 1943), Sitzender Akt auf einem Stuhl (um 1935). Die Werke stammen einerseits aus dem Nachlass Jankel Adlers, der nach seinem Tod von seiner Tochter Nina Adler und seinem Nachlassverwalter Charles Aukin aufbewahrt wurde, andererseits von Dr. Matthias Rech, einem bekannten Sammler, der seine Werke von Adler selbst angekauft hatte.

Die ausgewählten Objekte vermitteln einen umfassenden und zusammenhängenden Eindruck des künstlerischen Schaffens Jankel Adlers und der großen Entwicklungen, die er von der Mitte der 1920er Jahre bis zur ersten Hälfte der 1940er Jahre vollzog. Sie zeigen, wie Adler sich mit verschiedenen Strömungen – wie zum Beispiel dem Realismus der 1920er Jahre – beschäftigte. Eine entscheidende Rolle spielte dabei seine Verbindung zum „Jungen Rheinland“ und seine Freundschaft zu Otto Dix (1891-1969). Nach seiner Ausbildung in Wuppertal und einem Zwischenaufenthalt in Polen hatte Adler sich dem „Jungen Rheinland“ in Düsseldorf angeschlossen und wurde von dort aus im Rheinland bekannt. Die Werke geben zudem einen Einblick in den ab den 1920er Jahren stärker werdenden Einfluss Picassos (1881-1973) auf Adlers Kunst.

In den 1920er Jahren hatte der Barmer Kunstverein bereits einige Werke Adlers erworben, darunter ein Bildnis von Else Lasker-Schüler (1869-1945). 25 von Adlers Arbeiten waren 1937 in nationalsozialistischen Aktion gegen „Entartete Kunst“ aus öffentlichen Sammlungen beschlagnahmt – so auch das Bildnis Lasker-Schülers – oder zerstört worden oder gelten bis heute als verschollen. 1933 floh Adler vor den Nationalsozialisten aus Deutschland. Die nun erworbene Radierung ‚Heimkehr‘ fertigte er 1938 in Paris und veränderte sie Jahre später in der Emigration in London. Die beiden Varianten lassen seine Zuwendung zu abstrakten, surrealistischen und experimentellen Tendenzen erkennen.

Im Von der Heydt-Museum wurde 1955 erstmals in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg wieder eine Ausstellung mit Arbeiten Adlers ausgerichtet. 2018 widmete das Museum dem Künstler erneut eine Ausstellung „Jankel Adler und die Avantgarde – Chagall ǀ Dix ǀ Klee ǀ Picasso“. Die nun erworbenen, von der Kulturstiftung der Länder geförderten Werke wurden im Zuge der Ausstellung bereits in Wuppertal präsentiert. In der Ausstellung stellte das Museum die bedeutende Rolle Adlers in der rheinischen Kunstszene heraus, die er als Mitglied des „Jungen Rheinlands“ und Vermittler zwischen östlichem Judentum und westlichen Avantgarde-Tendenzen innehatte.

Weitere Förderer der Erwerbung des Gesamtkonvoluts: Von der Heydt-Stiftung, Ministerium für Kultur und Wissenschaft Nordrhein-Westfalen und eine Spende.

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