Freundeskreis

Schlösser, Gräften, Kunstdenkmäler: Unterwegs im Münsterland und am Niederrhein

von Juliane Kummer

Als Auftakt der diesjährigen Schlösserreise empfing der barocke Erbdrostenhof seine Besucher inmitten des charmanten Stadtpanoramas von Münster. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg gelang dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die Rekonstruktion des einstigen Adelspalais nach alten Plänen. Dr. David Gropp, Wissenschaftlicher Referent der LWL-Denkmalpflege, nahm die Freundeskreismitglieder mit auf eine Zeitreise durch den sonst nur zu Festveranstaltungen geöffneten Erbdrostenhof mit Geschichten von der Entstehung bis heute.

Die erste Reisestation, der barocke Erbdrostenhof in Münster

Die Reisenden verließen Münster anschließend in westliche Richtung zum Besuch des Wasserschlosses Haus Havixbeck. Die hufeisenförmige Anlage mit ihren niedrigen Anbauten veranschaulichte den Freundeskreismitgliedern den ländlichen Charme Westfalens. Nahe des kleinen Ortskerns gelegen, ist der heutige Bau bereits die dritte Schlossanlage. Durch Heirat gelangte Haus Havixbeck zu Beginn des 17. Jahrhunderts an die Familie Twickel, die die Gebäude noch immer bewirtschaftet und bewohnt.

Nach dem Spaziergang durch die Anlage Havixbeck erreichten die Reisenden nach kurzer Fahrt die nächste Reisestation: Professor Peter Funke, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, begrüßte die Freundeskreismitglieder auf Burg Hülshoff mit herzlichen Worten. So kenntnisreich wie kurzweilig führte anschließend Dr. Jochen Grywatsch von der Droste-Forschungsstelle des LWL durch die geschlossene Renaissanceanlage und begeisterte die Reisegruppe für das Leben und Werk der bekanntesten Bewohnerin der Burg, der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff (1797–1848).

Der Freitagabend klang bei einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen im Restaurant des Hotels SportSchloss Velen aus.

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Zu Beginn des zweiten Tages besuchten die Reisenden das Museum Kurhaus Kleve. Umringt von ausgedehnten Parkanlagen, wurde das einstige Kurhaus in der Blütezeit von „Bad Cleve“ 1845 begonnen und 1872 in einem zweiten Bauabschnitt vollendet. Nachdem es im zweiten Weltkrieg verfallen war, begann in den 1990er Jahren der Umbau zu einem Kunstmuseum mit spannungsreichem Gleichgewicht zwischen Alt und Neu – in der Architektur wie in den Sammlungen. Mit großer Leidenschaft für die Exponate von Mittelalter bis zur Gegenwart führte Museumsdirektor Professor Harald Kunde durch das Haus. Dabei stellte er namhafte Künstler wie den Rembrandt-Schüler Govaert Flinck und Joseph Beuys vor, dessen Atelierräume, in denen er zwischen 1957 und 1964 arbeitete, im Museum liegen.

Anschließend reiste die Gruppe am Vormittag weiter nach Kalkar, um die katholische Kirche St. Nicolai zu besichtigen. Die dreischiffige Halle gilt dank ihrer Ausstattung mit hochrangigen Kunstwerken als Schatzkammer spätmittelalterlicher Kunst. Der Kunsthistoriker Guido de Werd, ehemaliger Leiter der Klever Museen, nahm die Reisenden mit zu einer Führung durch die Kirche mit ihren um das Jahr 2000 neu ausgeführten Kirchenfenstern und ihren größtenteils im 15. und 16. Jahrhundert geschaffenen Altarretabeln. Bei einem Mittagessen unter backsteinernen Kreuzgewölben im Ratskeller stärkten sich die Reisenden danach mit regionalen Köstlichkeiten.

Gut verpflegt besichtigten die Freundeskreismitglieder daraufhin das Collegium Augustinianum Gaesdonck, ein katholisches Internatsgymnasium. Das ursprüngliche Klosterareal mit Klosterkirche und umliegenden Klostergebäuden, die nach ihrem Wiederaufbau nach dem Krieg heute für den Schulbetrieb genutzt werden, wird von einem Wassergraben eingefasst. Seit seiner Einrichtung 1849 ist das Collegium Augustinianum Gaesdonck mit seiner umfangreichen Klosterbibliothek ein Zeuge der regionalen Zeit-, Bildungs- und Kirchengeschichte.

Im Anschluss erreichte die Reisegruppe ein ganz besonderes Ziel: Emanuel Erbprinz zu Salm-Salm und dessen Frau Anna begrüßten die Reisenden in einem der größten Wasserschlösser des Münsterlands – der Wasserburg Anholt. Da eine breite Gräfte die wehrhafte Anlage mit charakteristischem Turmbau umschließt, entstehen malerische Spiegelungen von Himmel, Schloss und westfälischer Parklandschaft gleichermaßen. Auf Pfählen aus Eichenholz und einem soliden Holzgitter unter Steinfundament wurde die Kernburg im 14. Jahrhundert erweitert und später als Barockresidenz repräsentativ ausgeführt. Seit 1647 wird das Schloss als Wohnsitz der Fürsten zu Salm-Salm genutzt. Beim Besuch des Museums wandelten die Reisenden zwischen originalem Mobiliar auf fürstlichen Pfaden, wodurch sie Leben und Kultur des höfischen Anholt kennenlernten. Das Museum beinhaltet Gemälde bekannter niederländischer Maler – darunter Rembrandt, Jan van Goyen und Gerard ter Borch.

Bei einem stimmungsvollen Abendessen im Wasserpavillon, der direkt an die Vorburg der Wasserburg Anholt anschließt, gelegen inmitten des Schlossteichs, genossen die Freundeskreismitglieder den Abend.

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An ihrem letzten Reisetag erwartete die Reisenden im südlichen Münsterland ein besonderes Glanzstück: Die Barockanlage Schloss Nordkirchen mit ihrem großzügigen Park macht sich nach ihrem französischen Vorbild als „Westfälisches Versailles“ einen Namen. 1694 kaufte Friedrich Christian von Plettenberg, Fürstbischof von Münster, das Land samt einstiger Wasserburg und veranlasste den Umbau zu einer repräsentativen Gesamtanlage, die Johann Conrad Schlaun schließlich 30 Jahre später vollendete. Die komplett erhaltene Barockanlage, die von Gräften umringt ist, folgt einer strengen Symmetrie. Aus dem Ehrenhof konnten die Freundeskreismitglieder den ebenmäßigen Aufbau gut überblicken. Dr. Birgit Beisch führte die Reisegruppe unterhaltsam durch den öffentlichen Schlossbereich, wobei sie ein lebhaftes Bild davon vermittelte, wie der Adel des 18. Jahrhunderts in und mit dem Schloss lebte. Stuckdecken mit üppigen Malereien sowie barocke Stuckaturen ließen dabei erahnen, wie luxuriös das einstige Schlossleben war. Im Schlossrestaurant, bei regionalen Delikatessen, beendeten die Freundeskreismitglieder die ereignisreiche Schlösserreise nach Westfalen in geselliger Stimmung.

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Durch die fachkundige Unterstützung bei der Gestaltung des Programms durch die Mitglieder des Freundeskreises Professor Dr. Jan Hegemann, Georg Kulenkampff und Dr. Manfred Scholle und die kenntnisreichen Führerinnen und Führer vor Ort gelang ein unvergesslicher Ausflug zu herrlichen Schlössern inmitten einmaliger Landschaft.

Juliane Kummer

ist Kunsthistorikerin in Berlin und u. a. als ehrenamtliche Redakteurin für die Kulturstiftung der Länder und ihren Freundeskreis tätig.