Würfelnde Kriegsknechte, 15. Jahrhundert

15,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Dom und Domschatz Halberstadt
Domplatz
38820 Halberstadt

vergriffen

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 349 (2010).
Kategorie:
Schlagwörter: 15. Jahrhundert, mitteldeutsch
Jahr: 2010
Gattung: Plastik/Skulptur
Land: Sachsen-Anhalt

Beschreibung

Eigentlich sollte der Würfel entscheiden: Doch die sechs aus Alabaster gearbeiteten Soldaten kneifen und knuffen, zerren sich an den Haaren und zücken die Messer – alle begehren das vor ihnen liegende Gewand Christi, das der Gottessohn vor seiner Kreuzigung ablegen musste. So hatte es der Evangelist Johannes einst beschrieben. (Joh. 19,23-25)Die wilde Szene der „Würfelnden Kriegsknechte“ bildet den mittleren Teil eines aus Alabaster geformten Reliefs, das zum Kalvarienberg des Halberstädter Doms gehört. In dem über zwei Meter hohen Altaraufsatz ist es direkt unter dem Kreuz Christi in eine hölzerne Felsformation eingelassen. Zu beiden Seiten wird es von zwei weiteren Reliefen mit aus Alabaster hergestellten und vergoldeten Gruppen von Reitern und Soldaten flankiert, über die sich ebenfalls zwei Kreuze erheben. Als Gesamtensemble ahmt der Kalvarienberg die sogenannte „Schädelstätte“ nach, den Hinrichtungsort Christi in Jerusalem. Das Relief der „Würfelnden Kriegsknechte“ entstand wahrscheinlich in einer mitteldeutschen Spezialwerkstatt in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Vor allem Magdeburg und Erfurt waren zu dieser Zeit Städte von einiger künstlerischer Bedeutung und Ausstrahlung. Möglicherweise wurde der verwendete Alabaster sogar im nahen Harz gebrochen. Neben dem Rimini-Altar im Frankfurter Liebieghaus ist der Halberstädtische Kalvarienberg der einzige vollständig überlieferte mittelalterliche Altaraufsatz aus Alabaster und damit ein seltenes Meisterwerk deutscher spätgotischer Alabasterskulptur.Von 1630 bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegs befand sich der vollständige Altaraufsatz sicher auf dem zentralen Kreuzaltar des gotischen Doms in Halberstadt, danach wurde er zum Schutz vor Kriegsschäden vermutlich in Gewölben darunter gelagert. Als die Domschätze Ende der 1950er Jahre wieder ans Licht gebracht wurden, waren die „Würfelnden Kriegsknechte“ verschwunden. Bis heute ist ungeklärt, wer sie damals entwendet hatte. Über Umwege gelangten sie in amerikanischen Privatbesitz und konnten schließlich im Jahr 2008 für den Dom und den Domschatz Halberstadt ersteigert werden. Nun schließt das Alabaster-Relief die klaffende Lücke im Kalvarienberg des Halberstädter Domschatzes und komplettiert damit einen der kostbarsten Kirchenschätze der Welt.