Otto Mueller „Zwei weibliche Halbakte“

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Museum Ludwig Köln
Bischofsgartenstraße 1
50667 Köln

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 191 (2001).
Kategorie:
Jahr: 2001
Gattung: Malerei
Künstler: Mueller; Otto
Land: Nordrhein-Westfalen

Beschreibung

Otto Mueller hat ein unverwechselbares Werk geschaffen, in dessen Mittelpunkt die Darstellung des Menschen in der Natur steht. Obwohl er zwischen 1910 und 1914 Mitglied der Künstlergemeinschaft Die Brücke war, blieb er eher ein Einzelgänger, der in einem thematisch eng gefassten Rahmen seinen künstlerischen Ausdruck suchte. Heute zählen seine Arbeiten zu den unverwechselbaren Werken des deutschen Expressionismus.Das um 1919 entstandene Gemälde gehört in jene Schaffensphase des Künstlers, in der er seinen persönlichen Stil letztgültig ausgebildet hatte. Anders als seine Künstlerkollegen Max Beckmann, Otto Dix oder George Grosz griff Mueller nach der Entlassung als Soldat aus dem Ersten Weltkrieg seine alte Motivwelt wieder auf. Während er in der Regel die Menschen im Bild ganzfigurig nackt dargestellt hat, zeigt er in diesem – vielbeachteten – Fall die beiden in der Natur befindlichen Frauen in der für ihn ungewöhnlichen Nahsicht eines Halbaktes.Das Arbeiten mit Leimfarbe auf Rupfen ist ein besonders Kennzeichen von Otto Mueller geworden, zumal er die Durchlässigkeit des groben Malgrundes ganz bewusst in seine Komposition mit einbezog. Da der Malauftrag die grobkörnige Fläche des Rupfens vielfach nicht vollständig überdeckt, entsteht der Eindruck, dass die Farbe vom Untergrund aufgesogen wird. Die in den Gemälden offensichtliche Schutzlosigkeit der Körper scheint so eine formale Entsprechung in der Maltechnik zu finden.Auch dieses Gemälde von Otto Mueller gehörte bis zu seiner Beschlagnahme durch die Gestapo 1935 zu der einzigartigen Modernesammlung des jüdischen Rechtsanwalts Dr. Ismar Littmann aus Breslau, wohin doch der Künstler im Jahre 1919 an die Akademie berufen worden war. 1937 noch in München auf der Ausstellung Entartete Kunst gezeigt, wurde das Bild 1939 erfolglos auf der Auktion Gemälde und Plastiken moderner Meister aus deutschen Museen der Galerie Fischer in Luzern aufgerufen. 1942 erwarb es der Kölner Sammler Dr. Josef Haubrich sodann im Kunsthandel, um 1946 mit der Stiftung der Sammlung in das damalige Wallraf-Richartz-Museum, das heutige Museum Ludwig der Stadt Köln zu gelangen. 1999 erfolgte die Rückgabe des ehemals beschlagnahmten Gemäldes an die Erben Dr. Littmanns. Der Rückerwerb für das Museum Ludwig im Jahre 2000 wurde erst möglich durch den Einsatz der Kulturstiftung der Länder, der Stadt Köln, der Stiftung Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen sowie durch einen generösen Spender.