Mondrians Schwester

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Kunstsammlungen Chemnitz
Theaterplatz 1
09111 Chemnitz

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 261 (2003).
Kategorie:
Jahr: 2003
Künstler: Baselitz; Georg
Gattung: Plastik/Skulptur
Land: Sachsen

Beschreibung

Georg Baselitz beförderte in der Mitte der 1960er Jahre die Rückkehr zur Figuration und rückte den Menschen wieder in das Zentrum seines künstlerischen Interesses. Was anfangs noch als unzeitgemäß kritisiert wurde, weil es der vorherrschenden Entwicklung zur ungegenständlichen und konzeptuellen Kunst zuwiderlief, entpuppte sich jedoch alsbald als richtungweisend. Eingeladen, die Bundesrepublik Deutschland 1980 auf der Biennale von Venedig zu vertreten, trat der Maler Baselitz zur Überraschung vieler mit einer monumentalen Holzskulptur auf. Zwanzig Jahre später hatte er ein komplexes bildhauerisches Oeuvre geschaffen, das den Traditionsballast der volkstümlichen Bildschnitzerei überwunden hatte, um zu einer neuen, elementaren Form zu kommen. Gegenüber der traditionellen Holzbildhauerei wirken Baselitz‘ Figuren grob und unpersönlich bearbeitet, doch verleiht genau dies ihnen ihre urtümliche Wucht. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel solcher Bildfindungen ist die fast 2,80 m hohe Frauenskulptur Mondrians Schwester, die Baselitz 1997 schuf. Aus einem Eschenstamm geschlagen und locker bemalt, macht die Figur durch ihren kräftigen Körperbau, die ungelenke Stellung der Füße, die in die Hüfte gestemmte Rechte, das einfache Kleid und das Tuch im Haar einen fast bäuerlichen Eindruck. Das verschmitzte Lächeln, das ihr mit wenigen Schnitten in das runde Gesicht eingekerbt wurde, unterstreicht den Ausdruck frohgemuter Bodenständigkeit. Auf den zweiten Blick aber – wie durch den Titel nahegelegt, der an Johanna Christina, die ältere Schwester des niederländischen Malers Piet Mondrian, erinnert – erscheint die Skulptur im Licht ihrer künstlerischen Gestaltung. Die Sägespuren bilden ein Karo, das die Figur mit vielen kleinen Kreuzen umspielt, ähnlich denen, die in Mondrians Zee- oder Pier en Oceaan-Bildern von 1914 das Kräftespiel des Horizontalen und Vertikalen austragen. So steht die Figur durch Bemalung und Struktur zwischen Bildhauerei und Malerei, Gegenwart und Vergangenheit. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie der Stadt Chemnitz und der envia Mitteldeutsche Energie AG den Ankauf von Mondrians Schwester durch die Kunstsammlungen Chemnitz. Das Werk des gebürtigen Sachsen Baselitz wird den Mittelpunkt eines ihm gewidmeten Saales bilden.