Mohrenkopfpokal

30,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Bayerisches Nationalmuseum
Prinzregentenstraße 3
80538 München

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 215 (2002).
Kategorie:
Jahr: 2002
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Land: Bayern
Künstler: Jamnitzer; Christoph

Beschreibung

Der sogenannte Mohrenkopf, durch die Meistermarke C über dem Löwenhaupt für Christoph Jamnitzer (1563-1618) gesichert, gilt als Goldschmiedewerk von einzigartiger Bedeutung. Er stellt zweifellos ein Hauptwerk deutscher Goldschmiedekunst der Renaissance dar.Geschaffen wurde der ausdrucksvolle Mohrenkopf vermutlich 1615 als Geschenk der Florentiner Senatorenfamilie Strozzi an die der Pucci aus Anlass der Hochzeit von Maria Pucci mit Filippo Strozzi. Dies würde erklären, warum das eindeutig mit negroiden Zügen versehene Haupt dem Mohrenkopf-Wappen der Pucci entspricht.Die etwa 52 cm hohe Goldschmiedearbeit aus zweifarbig vergoldetem Silber ist als selbständiges Kunstwerk und zugleich als kostbares Trinkgerät konzipiert: Der obere Teil des Hauptes lässt sich als Deckel abnehmen, so dass der Kopf als Trinkgefäß und Tafelaufsatz zu dienen vermochte. Betont skulptural, verrät der deutlich von antiker Bildniskunst inspirierte gefasste Pokal dabei kaum seine praktische Bestimmung. Ähnlich einem kostbar gefassten Cameo ist das Mohrenhaupt mit feinem, kostbaren Ornamentschmuck versehen. Dabei dürfte der Mohrenkopfpokal, ein Hochzeitspokal, besonders unter dem damaligen Interesse an allen Exotischen und Fremden auch als Kunstkammerstück betrachtet worden sein.Der hinsichtlich Form und Typus singuläre Mohrenkopf ist eine jener seltenen großformatigen Goldschmiedearbeiten, die ebenso gut als Werk eines Bildhauers angesehen werden können. In der Tat bringt keine andere Arbeit Christoph Jamnitzers seine Doppelbegabung als Goldschmied und Bildhauer besser zum Ausdruck. Obwohl er unstrittig als der künstlerisch bedeutendste Goldschmied Nürnbergs um 1600 gilt, muss es erstaunen, dass im frühen 17. Jahrhundert ein solch prominenter Auftrag von Florenz aus an den Nürnberger Christoph Jamnitzer geht. Dieser Vorgang beleuchtet sowohl seine einmalige internationale Reputation als auch seine direkten Beziehungen zu Italien.Mit dem Erwerb des Mohrenkopfes aus dem Besitz des Hauses Wettin, den neben der Kulturstiftung der Länder der Freistaat Bayern, die Ernst von Siemens-Stiftung, der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien sowie die Bayerische Landesstiftung ermöglichten, konnte ein Kulturgut von nationaler Bedeutung vor dem endgültigen Verkauf ins Ausland bewahrt werden. Im Rahmen der Goldschmiedesammlung des Bayerischen Nationalmuseums stellt der Mohrenkopf heute einen absoluten Höhepunkt dar.