Julia, die Gattin des Pompeius, fällt in Ohnmacht . Cornelia, Mutter der Gracchen

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Kunstsammlungen zu Weimar
Burgplatz 4
99423 Weimar

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 90 (1995).
Kategorie:
Jahr: 1995
Künstler: Kauffmann; Angelika
Gattung: Malerei
Land: Thüringen

Beschreibung

Angelika Kauffmann (1741-1807) erlangte schon zu Lebzeiten einen hohen Bekanntheitsgrad und internationale Anerkennung. Sie war nicht nur eine gesuchte Porträtistin, sondern auch innovativ tätig auf dem Gebiet der Historienmalerei. Das Gemälde Julia, die Gemahlin des Pompejus, fällt in Ohnmacht, im Auftrag der Königin beider Sizilien und Neapel angefertigt, markiert einen Höhepunkt in Kauffmanns Schaffen und kann innerhalb der klassizistischen Historienmalerei als wegweisend bezeichnet werden. Das Pendant zu diesem Werk bildet das Gemälde Cornelia, die Mutter der Gracchen (s. u.). Als geradezu programmatisch für die Historienmalerei der Zeit muß die Wahl und Formulierung des Bildthemas bezeichnet werden. Im Rückgriff auf die römische Geschichte werden Leitbilder für Frauen, hier besonders für die Herrscherinnen der Aufklärung dargestellt. Julia steht für die liebende, in absoluter Treue ergebene Gattin. Das Gemälde versinnbildlicht die nach aufklärerischem Gedankengut wichtige weibliche Tugend, Treue, Fürsorge und Liebe zum Gatten. Die Kulturstiftung der Länder und das Thüringer Ministerium für Wissenschaft und Kunst erwarben das Gemälde für die Kunstsammlungen zu Weimar, die damit ein Hauptwerk der Goethezeit ausstellen können.
Als ein besonders glücklicher Umstand darf es gewertet werden, daß nach der Erwerbung des Gemäldes Julia, die Gemahlin des Pompejus, fällt in Ohnmacht nun auch das zugehörige Pendant von Angelika Kauffmann Cornelia, die Mutter der Gracchen für die Weimarer Kunstsammlungen erworben werden konnte und diese beiden Gemälde nach 200 Jahren vereint wieder an einem Ort gezeigt werden können. Die beiden Arbeiten stellen mit ihrer Thematik besonders typische und beliebte Inhalte des ausgehenden 18. Jahrhunderts dar. Von dem Gemälde Cornelia existieren insgesamt drei Fassungen, über deren dritte Goethe, der mit Angelika Kauffmann befreundet war, 1787 in seiner Italienischen Reise folgendes formulierte: Angelica malt jetzt ein Bild, das sehr glücken wird. Es ist eine natürliche und sehr glückliche Composition. Das Gemälde von Angelika Kauffmann, hier die zweite Fassung des Sujets, ist ein typisches Bild der von Goethe geschätzten Historienmalerei der 1780er Jahre. Dargestellt ist die Mutter der Gracchen, der von einer Freundin stolz ihr Schmuck präsentiert wird. Cornelia hingegen weist auf ihre Söhne, die ihren wertvollsten Besitz darstellen: Das ist mein größter Schatz. Cornelia steht exemplarisch für die Mutterliebe.Mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, des Bundesministerium des Innern und des Ernst von Siemens-Kunstfonds konnte dieses Gemälde, einst im Auftrag von Maria Carolina, Königin beider Sizilien und Neapel, gemalt, für die Weimarer Kunstsammlungen akquiriert werden und bereichert damit den Bestand an Arbeiten aus der Zeit Goethes.