Friedrich Nietzsche, 23 Briefe an Gustav Krug

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Goethe- und Schillerarchiv, Stiftung Weimarer Klassik
Hans-Wahl-Straße 4
99425 Weimar

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 57 (1992).
Kategorie:
Jahr: 1992
Gattung: Literatur
Künstler: Nietzsche; Friedrich
Land: Thüringen

Beschreibung

Der bedeutendste Wissenschaftlernachlaß im Goethe- und Schiller-Archiv Weimar – dem ältesten Literaturarchiv Deutschlands – ist ohne Zweifel der des Philosophen Friedrich Nietzsche. Am 2.2.1894 gründete Elisabeth Förster-Nietzsche, die Schwester des Philosophen, in Naumburg das Nietzsche Archiv, das sie nach Kontaktaufnahme zum Goethe- und Schiller-Archiv im September 1896 in die traditionsreiche Klassikerstadt Weimar verlegte. 1950 wurden die Bestände dem Goethe- und Schiller-Archiv eingegliedert. Die 23 Briefe Nietzsches an seinen Jugendfreund Gustav Clemens Felix Krug (1844-1902), die seit 1937 schon einmal als Depositum einen Bestandteil des Nachlasses gebildet hatten und die nach der Wiedervereinigung an die Erben zurückgegeben worden waren, konnten 1992 auf einer Auktion erworben werden. Nietzsches Beziehungen zu Gustav Krug waren von der gemeinsamen Begeisterung für die Musik geprägt. Als er mit ihm und dessen Vetter Wilhelm Pinder in den Sommerferien 1860 nach dem Vorbild der Väter die literarisch-musikalische Vereinigung Germania gründeten, war Richard Wagners Musik ein zentrales Thema. Noch als Student und später als Basler Professor für klassische Philologie traf Friedrich Nietzsche in den Semesterferien wiederholt in Naumburg mit den Jugendfreunden zusammen. Seine Freundschaft mit Richard und Cosima Wagner vertiefte gleichzeitig die Freundschaft zu dem musikbegeisterten Krug, der als Jurist Nietzsche allerdings kein Partner für sein philosophisches Werk sein konnte. Animiert durch Kompositionsversuche von Gustav Krug, begann Nietzsche im November 1871 selbst wieder zu komponieren. Die Freunde schickten sich ihre Musikstücke gegenseitig zu und rezensierten sie. Als Gustav Krug im Herbst 1887 die ihm übersandten philosophischen Werke und die Abkehr Nietzsches von Wagner mißbilligte, fand die bis dahin ungetrübte Beziehung gut ein Jahr vor dem geistigen Zusammenbruch des großen Denkers ein Ende.Die 23 Briefe Nietzsches konnten in Zusammenarbeit mit dem Land Thüringen und durch eine großzügige private Spende aus den USA endgültig für den Bestand des Goethe- und Schiller-Archivs in Weimar gesichert werden.