Ernst Ludwig Kirchner „Selbstbildnis als Kranker“

13,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Pinakothek der Moderne
Barer Straße 29
80799 München

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 246 (2003).
Kategorie:
Jahr: 2003
Land: Bayern
Künstler: Kirchner; Ernst Ludwig
Gattung: Malerei

Beschreibung

Das Erlebnis des Ersten Weltkriegs war auch für die junge, aufstrebende Künstlergeneration des frühen 20. Jahrhunderts traumatisch. August Macke und Franz Marc ließen ihr Leben auf dem Schlachtfeld; Max Beckmann brach schon 1915 physisch und psychisch zusammen, zwei Jahre später gefolgt von George Grosz, der große Teile seines Schaffens der Verarbeitung des Krieges und seiner Folgen widmete. Auch der Expressionist Ernst Ludwig Kirchner (1880-1938), Mitbegründer der Brücke, war durch den Krieg in eine tiefe Krise gestürzt, die bereits 1915 zur Entlassung aus dem Militärdienst geführt hatte. Kirchners Abhängigkeit von Nikotin und Veronal, gepaart mit panischer Angst vor einer Rückkehr in den Krieg, machte eine Reihe von Klinikaufenthalten notwendig, zu denen sich der Künstler 1917 in die Schweiz begab. Das Selbstbildnis als Kranker entstand in dieser Zeit. Es zeigt den Künstler bettlägerig in einer Bauernstube. Der Kopf ist rückwärts aus dem Bildraum, gleichsam einem imaginären Besucher zugewandt. Die rechte Hand wird in einer Geste des Erschreckens zum Mund geführt; das Gesicht ist buchstäblich grün vor Angst. Das Bild spiegelt nicht nur die persönliche Erschütterung, sondern auch das verlorengegangene expressionistische Lebensgefühl eines Mannes, der sich um seine Hoffnungen und Träume betrogen sah. Die Zäsur jedoch, die das Bild markiert, ist nicht nur eine biographische, sondern auch eine künstlerische. Denn das Gemälde, 1918 entstanden, wurde 1925 vom Künstler in einer Weise übermalt, die sein spätes Oeuvre bis zu seinem Selbstmord 1938 prägte: Zeigten Kirchners frühere Großstadtszenen eine erregte, spritzige Pinselführung, so gelangte er bei seinen Schweizer Landschaftsbildern zu einer neuen, flächigen Farbigkeit, die ihn in den späten 1920er Jahren der abstrahierenden französischen Malerei nahebrachte.Selbstbildnis als Kranker ist ein Schlüsselwerk für das Verständnis wie für die Vita Kirchners und konnte mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, des Ernst von Siemens Kunstfonds, der Bayerischen Landesstiftung, des Freistaats Bayern sowie des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien für die Bayerische Staatsgemäldesammlung erworben werden. Das Werk, seit Jahren als Leihgabe in München, wird fortan dauerhaft in der Pinakothek der Moderne zu sehen sein.