Ernst Ludwig Kirchner „Potsdamer Platz“

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Neue Nationalgalerie, Staatliche Museen – Preußischer Kulturbesitz
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 185 (2000).
Kategorie:
Jahr: 2000
Land: Berlin
Künstler: Kirchner; Ernst Ludwig
Gattung: Malerei

Beschreibung

Schon durch das Format (200 x 150 cm) hebt sich das Gemälde Potsdamer Platz als ein Hauptwerk besonderer Güte von den übrigen Straßenbildern der Jahre 1913/14 ab, die Ernst Ludwig Kirchner (Aschaffenburg 1880 – 1938 Davos) ab. Es ist das größte und bedeutendste Berliner Straßenbild, das Kirchner schuf.Dargestellt sind zwei Kokotten auf einer Verkehrsinsel des Potsdamer Platzes, der einst der verkehrsreichste Platz Europas war. Hinter ihnen erkennt man die Fassade des Potsdamer Bahnhofs. Die annähernd lebensgroßen Frauen im Vordergrund stehen in einem auffälligen proportionalen Missverhältnis zu ihrer Umgebung, wobei ihre exponierte Stellung durch die elliptisch geformte Verkehrsinsel noch zusätzlich betont. Die Männer im Mittelgrund, die sich mit gespreizter Schrittstellung über Bürgersteige und Fahrbahn auf sie zu zu bewegen scheinen, schaffen dabei eine formale und inhaltliche Verbindung. Sie beziehen die Kokotten in ein Spannungsverhältnis zu ihrer Umgebung ein, von der sie diese jedoch abwenden. Die erotische Spannung kommt aber gerade durch diese deutliche Abwendung zustande. Kirchner fand in diesem Werk zu einer offensichtlichen Synthese. Er verband die Darstellung isolierter Einzelfiguren mit der atmosphärischen Spannung, die von der aggressiven Farbgebung noch gesteigert wird.Begonnen wurde das Bild vermutlich im Februar 1914, vollendet aber wohl erst nach Kirchners Rückkehr von der Ostseeinsel Fehmarn im August desselben Jahres. In einem rückblickenden Text auf die eigene Entwicklung, überschrieben Das Werk, äußerte sich Kirchner 1925 auch über seine Straßenbilder. Die Gefahr im Gegenständlichen hängen zu bleiben bestand für Kirchner nicht. Dafür dachte er zu malerisch. Am besten zeigen das die Grafiken und Bilder und Pastelle der Straßenscenen, wo rein bildnerisch, man möchte sagen gegenstandslos, Empfindungen gegeben sind.Die Chance, das Gemälde aus Privatbesitz endgültig für die Nationalgalerie zu erwerben, konnte nur im Zusammenwirken mit der Kulturstiftung der Länder, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, des Beauftragten der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien, des Ernst von Siemens-Kunstfonds und der Kulturstiftung der Deutschen Bank ergriffen werden. Als eines der Hauptwerk des deutschen Expressionismus und der Klassischen Modern des 20. Jahrhunderts krönt das Meisterwerk Ernst Ludwig Kirchners nun dauerhaft die außerordentliche Kollektion des Künstlers in der Nationalgalerie.