Emil Nolde „Lichte See“

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Staatliche Galerie Moritzburg Halle
Friedemann-Bach-Straße 5
06108 Halle

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 259 (2003).
Kategorie:
Jahr: 2003
Gattung: Malerei
Künstler: Nolde; Emil
Land: Sachsen-Anhalt

Beschreibung

Das Meer nimmt im Schaffen Emil Noldes (1867-1956) einen besonderen Platz ein. Denn einen Großteil seines Lebens verbrachte der Maler im Holsteinischen Seebüll, an der Grenze zu Dänemark, inmitten einer weiten Marschlandschaft nahe der Nordsee. Immer wieder tauchen Seebilder im Werk des großen Expressionisten auf, der stets eine besondere Affinität zur Natur verspürte, außer zum Meer vor allem zur Welt der Blumen. Das Gemälde Lichte See von 1915 stammt aus einer außerordentlich produktiven Schaffensphase Noldes, die vor allem durch die Erlebnisse während einer mehrmonatigen Südseereise 1913/14 geprägt ist. In einer ganzen Reihe von Meerbildern verarbeitete der Maler Beobachtungen, die er auf Seefahrten durch das Gelbe und das Südchinesische Meer, den Pazifischen Ozean und während der langen Seefahrt zurück nach Europa in sich aufgenommen hatte. Lichte See ist mit nur wenigen, kühlen Farben gestaltet, fast monochrom und dennoch nuancenreich. Eine endlos weite, leuchtend blaue Wasserfläche mit fernem Horizont und ein ebenso intensiv blauer Himmel gehen in der Bildtiefe fast nahtlos ineinander über, ohne daß sich deutlich erkennbar eine Horizontlinie abzeichnet. Die weißen Wolken scheinen mit den Wellenkronen der bewegten See zu verschmelzen, durch die sich ein einsames, kleines Boot mit vollem, grünem Segel kämpft. Nolde, ein Meister der Farben, hat hier mit wenigen Mitteln Herausragendes geschaffen.Lichte See zählte zu den Spitzenstücken der Hallenser Moritzburg, die eine bedeutende Sammlung deutscher Expressionisten besaß und in ihren besten Zeiten insgesamt acht Gemälde von Emil Nolde ihr eigen nannte. Schon 1913 hatte der Museumsdirektor Max Sauerlandt mit dem Ankauf von Noldes Bildern begonnen und dadurch einen öffentlichen Streit mit dem Generaldirektor der Berliner Museen, Wilhelm von Bode, entfacht; eine Debatte, die in ganz Deutschland ein Echo fand und entscheidend für die Durchsetzung der neuen Sammlungen moderner Kunst war. Kaum 25 Jahre später gingen Halle alle Gemälde Emil Noldes durch den nationalsozialistischen Bildersturm verloren. Zusammen mit der Kulturstiftung der Länder, der Ostdeutschen Sparkassenstiftung im Land Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Stadt- und Saalkreissparkasse Halle sowie dem Land Sachsen-Anhalt konnte erstmalig ein wichtiges Werk des Künstlers zurückerworben werden. Zu sehen ist Lichte See im 2003 wiedereröffneten Kuppelsaal der Moritzburg, der mit Hilfe des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder renoviert und neu gestaltet wurde.