Ein frühromanisches Elfenbeinrelief aus Köln

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Erzbischöfliches Diözesanmuseum Köln
Roncalliplatz 2
50667 Köln

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 72 (1994).
Kategorie:
Jahr: 1994
Gattung: Angewandte Kunst/Kunsthandwerk
Land: Nordrhein-Westfalen
Künstler: unbekannter Künstler

Beschreibung

Köln war ein Zentrum frühromanischer Elfenbeinkunst, wo in den Jahrzehnten um die Jahrtausendwende neben Meisterwerken der Großplastik und Buchmalerei Elfenbeinarbeiten von hohem Rang wohl in Verbindung mit Goldschmiedekunst entstanden. Mittelalterliche Prachteinbände schmückten – und schmücken bisweilen noch heute – kostbare Pergamenthandschriften. Im Zentrum solcher Einbände befindet sich häufig ein Elfenbeinrelief mit figürlichen oder szenischen Darstellungen. Auch bei dem Elfenbeinrelief, das für das Kölner Diözesanmuseum erworben werden konnte, dürfte es sich um den Mittelteil eines Bucheinbandes handeln. Es ist wahrscheinlich, daß diese kölnische Elfenbeinarbeit aus der Zeit Erzbischof Herimanns ehedem für den Einband eines Meßbuches hergestellt worden ist, das am ehesten ein Sakramentar gewesen sein wird. Die Tafel ist gerahmt von einem schönen, keineswegs monotonen Akanthus-Fries, der in karolingischer Tradition nicht in Form einer antiken durchlaufenden Ranke, sondern, intermittierend, im Nebeneinander leicht variierender Blattmotive gebildet wird. Das vielteilige Geschehen auf dem Relief, ein komplexes Bildprogramm christologischer Szenen, findet in drei Bildzonen übereinander statt. Dargestellt sind von unten nach oben: Kreuzigung Christi, Christi Himmelfahrt und der thronende Christus. Bereits Adolph Goldschmidt hat die Tafel in engstem Zusammenhang mit dem Elfenbein auf dem Einband des Theophanu-Evangeliars in Essen (Köln, um 1040-1050) gesehen und sie zusammen mit dem aus sieben Teilen gearbeiteten Kreuzigungsrelief auf dem Buchdeckel des Evangeliars aus St. Maria Lyskirchen in Köln (Köln, um 1050) demselben Meister zugeschrieben. Zusammen mit einem ungenannt bleiben wollenden Spender konnte das Elfenbeinrelief für das Erzbischöfliche Diözesanmuseum in Köln erworben werden.