Edvard Munch „Melancholie“

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Staatliche Museen zu Berlin – Neue Nationalgalerie
Potsdamer Straße 50
10785 Berlin

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 136 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Land: Berlin
Gattung: Malerei
Künstler: Munch; Edvard

Beschreibung

Der norwegische Maler Edvard Munch (1863-1944) ist einer der Mitbegründer des Expressionismus. Seine Malerei übt seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine immer noch wachsende Wirkung aus.Im Sommer 1906 beauftragte Max Reinhardt den Künstler für die Kammerspiele in Berlin einen Fries zu malen. Dieser erste große öffentliche Auftrag brachte Munch immer wieder an den Rand der Verzweiflung, da er es nicht gewohnt war, Bilder für eine bestimmte Stelle zu malen. Nach der Fertigstellung 1907 sagte er: Endlich ist diese schwere Arbeit so einigermaßen fertig. (… ) Es ist ein Fries, den ich in einem der Hauptsäle gemalt habe – er geht um alle vier Wände herum, und das Motiv stammt vom Strand vor meinem Haus in Aasgaardstrand Damen und Herren in einer Sommernacht.Der aus 12 Bildern bestehende Fries ist aus einem Guß gemalt und zeigt Munchs Tendenz zur Vereinfachung und Andeutung des Dargestellten. In seinem motivischen Gesamtkonzept geht dieser Wandfries auf den Lebensfries aus den 90er Jahren zurück, der bereits die Auseinandersetzung mit zentralen Themen wie Liebe, Eifersucht, Einsamkeit, Tod und Trauer aufzeigte. Der Fries für die Kammerspiele faßt die Symphonie des modernen Seelenlebens zu einem Zyklus zusammen. Das Gemälde Melancholie zeigt eine sitzende, in Schwermut versunkene weibliche Figur am Strand. Dabei steht das leuchtend helle Rot des Kleides im Gegensatz zu ihrer nachdenklich traurigen Haltung.Seit der Antike wird die Melancholie mit dem Gott Saturn verbunden, dem Planetenzeichen der Künstler. So ist auch dieser Darstellung ein Künstlerselbstbildnis eingeschrieben, zumal in der ersten Fassung des Themas aus dem Jahr 1891 eine männliche Figur am Strand saß. 1898 folgte der Farbholzschnitt Melancholie, der dann zum Vorbild des Frieses wurde. Das Gemälde bildet dramaturgisch und thematisch den Abschluß und somit den Höhepunkt des Frieses.Bereits 1912 wurde der zwölfteilige Fries auseinandergerissen. 1930/31 konnten zwei Tafeln, die Melancholie und die Verfolgung, für die Nationalgalerie erworben werden; sie waren bis 1936 im Kronprinzenpalais in Berlin ausgestellt, ehe sie 1937 als Entartete Kunst beschlagnahmt und verschleudert wurden. 1966 begann die Nationalgalerie mit dem Rückkauf; acht der zwölf Lebensfries-Tafeln konnten seither erworben werden. Nun bot sich die einmalige Möglichkeit, auch dieses Werk aus Privatbesitz zu erwerben. Ein Bild des Frieses steht als Leihgabe zur Verfügung, so daß die Nationalgalerie gegenwärtig zehn der insgesamt 12 Gemälde zeigen kann.Der Ankauf wurde mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder 1997 und gemeinsam mit der Ernst von Siemens-Stiftung realisiert.