Die Cranach-Bibel

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Anschrift der geförderten Einrichtung:
Anhaltische Landesbücherei Dessau
Zerbststraße 10
06844 Dessau

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 130 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Künstler: Cranach der Ältere; Lucas
Gattung: Handschriften/Inkunabeln
Land: Sachsen-Anhalt

Beschreibung

Nach 50 Jahren ist glücklich die Cranach-Bibel an ihren rechtmäßigen, angestammten Ort, der Wissenschaftlichen Bibliothek der Anhaltischen Landesbibliothek Dessau zurückgekehrt, nachdem sie infolge der Wirren der Nachkriegszeit aus ihrem Auslagerungsort bei Zerbst entwendet worden war. Die Bibel gehört zu den wertvollen Schätzen der historischen Bestände der Anhaltischen Landesbücherei und gilt als wichtiges Zeugnis der anhaltischen Kultur des 16. Jahrhunderts. Gegründet 1922, schöpfte die Bücherei ihren größten Bestand aus der Herzöglichen Behördenbibliothek von 1876. Als zentrales Kulturinstitut Anhalts erfuhr sie in den Zwanziger Jahren Erweiterungen kulturgeschichtlich herausragender Sammlungen; darunter die sog. Georgsbibliothek, die in besonderem Maße mit der Geschichte der Cranach-Bibel verknüpft ist. Die Georgsbibliothek wurde begründet von Fürst Georg III. von Anhalt (1507-1553), der als glühender Anhänger der Reformation 1534 den neuen Glauben in Dessau einführte. Nach dem Erscheinen der ersten Bibelübersetzung Luthers 1522 ließ Hans Lufft, der bedeutende Drucker und Verleger Luthers in den nächsten Jahren mehrere Ausgaben folgen, bis 1541 unter Einschluß zahlreicher textlicher Verbesserungen eine neue großformatige Bibel, die sog. Median- Bibel in zwei Bänden erschien. Es ist dies die hier zu würdigende Wittenberger Prachtbibel von 1541, die mit einzigartigen historischen und bibliophilen Dokumenten aus der Zeit der Reformation, u.a. Holzschnitten des Meisters MS aus der Werkstatt Cranachs versehen ist. Exemplare dieser Auflage wurden vorwiegend von evangelischen Fürsten der umliegenden Länder erworben. An den Höfen stellte das Buch der Bücher als repräsentatives Dokument des neuen reformatorischen Geistes gleichsam ein zentrales symbolisches Zeichen der damit verbundenen fortschrittlichen Landespolitik dar.Fürst Georg von Anhalt ließ das wegen der stark auftragenden Pergamentblätter sehr voluminöse Dessauer Exemplar in drei Bände aufteilen und kostbar in Samt über Holzdeckel einbinden. Eine besondere Auszeichnung erfuhren die Bände 1544 durch eigenhändige Einzeichnungen der Reformatoren in Wittenberg. Alle drei Bände sind auf den Vorsatzblättern mit ganzseitigen schriftlichen Auslegungen (in deutscher, lateinischer oder griechischer Sprache) von Bibelzitaten und Fragen des Glaubens von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Johannes Bugenhagen und Casper Cruciger ausgestattet( Es war dies nicht nur Gefälligkeiten der Reformatoren dem Fürsten gegenüber zur Befriedigung von Sammlerwünschen; vielmehr läßt sich den Schriften noch heute ein missionarischer Geist entnehmen.) Die vorliegende Ausgabe enthält zudem eine besondere Kostbarkeit: ein ganzseitiges Portrait von Philipp Melanchthon, dem Reformer, dem sich Georg am meisten verbunden fühlte, in einem Rahmen mit dem anhaltischen Wappen. Der Künstler des in leuchtenden Farben in Gouachetechnik gemalten, auf 1544 datierten und mit dem Künstlersignet versehenen Bildes ist Lucas Cranach derÄltere.Nachdem dieses wunderbare Exemplar durch die Bemühungen und die Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Sachsen-Anhalt, der Stadt Dessau und des Bundesministeriums des Inneren dem dritten, in Dessau erhalten gebliebenen Band wieder beigefügt wurde, bleibt zu hoffen, daß auch der erste, als verschollen geltende Band wiederaufgefunden werden kann.