Das Camerarius-Florilegium

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg
Universitätsstraße 4
91051 Erlangen

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 61 (1993).
Kategorie:
Jahr: 1993
Land: Bayern
Gattung: Handschriften/Inkunabeln

Beschreibung

Die kolorierten Zeichnungen des Pflanzenbuches aus dem Nürnberger Raum haben den Bestand an botanisch herausragenden Werken der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg um ein weiteres bedeutendes Exemplar vermehrt. Es wird mit dem Herausgeber botanischer Bücher und Nürnberger Arzt Joachim Camerarius dem Jüngeren (1539-1598) in Verbindung gebracht. Camerarius studierte in Wittenberg, Leipzig, Padua und Bologna Medizin. 1562 wurde er promoviert. 1564 ließ er sich als Arzt in seiner Heimatstadt Nürnberg nieder, wo er bis zu seinem Tode blieb. Der Ruf des Camerarius als Arzt und Botaniker drang weit über Nürnberg hinaus. Das sogenannte Camerarius-Florilegium enthält auf 193 Blättern 469 Pflanzenbilder. Bei neun Pflanzen sind zusätzlich reife Schoten, Samen und Früchte abgebildet. Die ursprünglich lose aufbewahrten Einzelblätter wurden im 18. Jahrhundert montiert und in einem braunen Kalbsledereinband mit Goldprägung auf dem Rücken zusammengebunden. Zu allen Pflanzen finden sich, von vier Ausnahmen abgesehen, lateinische Bezeichnungen in einer Humanistenkursive des 16. Jahrhunderts. Von derselben Hand sind bei den meisten Pflanzen auch die deutschen Namen angegeben. Unter den 469 Pflanzendarstellungen befinden sich allein 30 Abbildungen von Tulpen. Die Tulpe war in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts von den Europäern gerade erst entdeckt worden, hatte sie doch ihren Ursprung im osmanischen Reich. Historisch und kunsthistorisch betrachtet füllt das Camerarius-Florilegium die Lücke zwischen den Pflanzenzeichnungen des Nürnberger Apothekers Georg Öllinger (1487-1557) und denen des Hortus Eystettensis (1613) des Nürnberger Apothekers Basilius Besler (1561-1629), die schon lange in Erlangen aufbewahrt sind. Es zeigt, wie sich der Blick für das Wesentliche bei der Pflanzenzeichnung von den Anfängen in der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts weiterentwickelt hat und bringt neue Kenntnisse über die Verbreitung außereuropäischer Pflanzen in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts.Angekauft wurde das Werk zusammen mit dem Bundesministerium des Innern und dem Freistaat Bayern bei einer Auktion in London. Damit kehrte ein ursprünglich in Nürnberger Besitz gewesenes Buch wieder nach Franken zurück.