Das Archiv des Regisseurs Frank Beyer

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Anschrift der geförderten Einrichtung:
Filmmuseum Potsdam
Marstall
14467 Potsdam

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 272 (2004).
Kategorie:
Jahr: 2004
Künstler: Beyer; Frank
Land: Brandenburg
Gattung: Film

Beschreibung

Frank Beyer (geb. 1932) gehört zu den bedeutendsten deutschen Filmemachern der Nachkriegszeit. Seine realistisch inszenierten, bildstarken Filme haben das künstlerische Niveau und internationale Ansehen der DEFA-Filmfabrik in Babelsberg wesentlich mitbestimmt. In über 30 Filmen widmete sich Beyer vornehmlich drei Themenkreisen: der Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit, vor allem des Dritten Reiches, der kritischen Darstellung des Alltags in der DDR sowie nach 1989 der deutsch-deutschen Gegenwart. Seine antifaschistischen Filme Königskinder (1962) und Nackt unter Wölfen (1963) erreichten internationalen Standard; seine Adaption des Jurek-Becker-Romanes Jakob der Lügner (1974) wurde wegen seiner inhaltlichen Stringenz und formalen Brillanz für den Oscar nominiert – die einzige Oscar-Nominierung, die jemals ein ostdeutscher Film erhielt. Trotz seiner nationalen wie internationalen Meriten war Frank Beyer immer wieder in Konflikt mit der DDR-Kulturpolitik geraten. Sein berühmtester Film, Spur der Steine (1966) mit Manfred Krug, wurde wenige Tage nach der Uraufführung aufgrund seiner gegenwartskritischen Töne verboten. Weil Beyer stets nach existentiellen Stoffen und Themen strebte, konnte er als einer von wenigen DEFA-Regisseuren nach dem Fall der Mauer an seine früheren Erfolge anknüpfen. So brachte er 1990 , 1992 Das große Fest und 1995 Nikolaikirche heraus.Über Jahrzehnte hat Frank Beyer ein Archiv seiner Arbeiten zusammengetragen, das in Umfang und Vollständigkeit seinesgleichen sucht. Zu originalen Arbeits- und Drehbüchern gesellen sich Produktionsunterlagen, Jahreskalender, Pressematerial, Plakate, Photographien, Verträge, Veröffentlichungen, wichtige Korrespondenzen, unbekanntes Material aus Beyers Prager Studienzeit und schließlich auch das Manuskript seiner 2001 erschienenen Autobiographie Wenn der Wind sich dreht – alles in allem eine Fundgrube höchst aussagekräftigen Quellenmaterials, das für künftige filmhistorische Forschungen von außerordentlicher Bedeutung ist. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Landes Brandenburg konnte das Archiv Frank Beyers vom Filmmuseum Potsdam erworben werden, wo es wissenschaftlich erschlossen und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden wird.