Chinesische und japanische Schriftkunst der Sammlung Heinz Götze

8,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Museum für Ostasiatische Kunst der Stadt Köln
Universitätsstraße 100
50674 Köln

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 125 (1997).
Kategorie:
Jahr: 1997
Gattung: Handschriften/Inkunabeln
Land: Nordrhein-Westfalen

Beschreibung

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Der eigentümliche Reiz ostasiatischer Kalligraphie erschließt sich dem westlichen Betrachter weniger unmittelbar als die Schönheit der Malerei oder der Porzellankunst, die seit Jahrhunderten sichtbare Spuren in der westlichen Kunst hinterlassen hat. In China und Japan von jeher höher geachtet als Malerei und Architektur, war die Kalligraphie über fast drei Jahrtausende Beschäftigung der gebildeten Führungsschicht des chinesischen Reiches. Sie gilt als Spiegel des Individuums.Aus der Bedeutung der Schrift für die Entwicklung der Persönlichkeit und aus ihrer identitätsstiftenden Wirkung für die ostasiatische Kultur als Ganze erklärt sich ihr unvergleichlicher Rang. Wie keine andere Kunst macht sie die Eigenart, Tradition und Dynamik Ostasiens sinnlich erfahrbar. Sie spielt eine maßgebliche Rolle bei der Entwicklung einer Kunsttheorie der Malerei, die mit den gleichen Mitteln wie die Schriftkunst, Pinsel und Tusche, ausgeführt wird.In Europa sind Schriftkunstwerke Ostasiens bisher nur vereinzelt zu sehen. In Deutschland wurde der ostasiatischen Kunst durch das Dritte Reich ein Schlag versetzt, von dem sie sich bis heute nicht erholt hat. Es ist symptomatisch, daß zahlreiche Privatsammlungen, die in der Vorkriegszeit vor allem von kosmopolitischen Persönlichkeiten errichtet wurden, heute in Museen der USA zu besichtigen sind, da die Sammler größtenteils zur Emigration gezwungen wurden. Eine der ganz wenigen Privatsammlungen von internationalem Rang in Deutschland ist die Sammlung des Archäologen Heinz Götze, deren Anfänge, der Zeit voraus, bis in die 60er Jahre zurückreichen. Die Sammlung bietet einen hervorragenden Überblick über die wichtigsten Phasen der historischen und stilistischen Entwicklung dieser für Ostasien zentralen Kunstform anhand von chinesischen und japanischen Beispielen.Als das wichtigste unter den chinesischen Werken muß Gedicht und Antwortgedicht von Mi Fu (1051-1107), eines der herausragendsten chinesischen Kalligraphen überhaupt, gelten. Mi Fu verkörpert auch als Maler, Kunsttheoretiker und Sammler den Archetypus des Literaturkünstlers. Bei dem Werk handelt es sich um einen programmatischen Text in Gedichtform, in dem Mi Fu die künstlerische Freiheit mit der politischen Freiheit in Parallele setzt.Zu den bedeutenden japanischen Werken gehört die illustrierte Querrolle Mara versucht Buddha aus dem 13. Jahrhundert. Sie ist ein Ausschnitt aus einer berühmten Gruppe von Sutren, die das Leben Buddhas in Schrift und Bild illustrieren. Als Beispiel buddhistischer Illustrationskunst genießt das Stück besonderen historischen Wert.Die Erwerbung der Sammlung Götze für das Ostasiatische Museum Köln ergänzt den Bestand des Museums in sinnvoller Weise. Dem führenden Museum Deutschlands auf dem Gebiet der ostasiatischen Kunst wurde damit neben nur wenigen anderen europäischen Sammlungen die Möglichkeit eröffnet, in seiner Ausstellung der Kalligraphie den Stellenwert einzuräumen, der ihr gebührt.