Anna Selbdritt-Triptychon, um 1510

10,00 

Anschrift der geförderten Einrichtung:
Staatliche Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Straße 2-6
76133 Karlsruhe

Artikelnummer: PATRIMONIA NR. 146 (1998).
Kategorie:
Jahr: 1998
Land: Baden-Württemberg
Gattung: Malerei
Künstler: Meister von Frankfurt

Beschreibung

Der Maler des Triptychons – er ist bis heute anonym und unter dem Notnamen Meister von Frankfurt bekannt – führte in Antwerpen zwischen 1480 und 1525 eine umfangreiche Werkstatt. Er steht beispielhaft für die stark auf Export ausgerichtete niederländische Malerei des beginnenden 16.Jahrhunderts. Sein Erfolg und der weitreichende Ruhm seiner Kunst schlugen sich nicht zuletzt in der Tatsache nieder, daß er zweimal mit Aufträgen aus der Stadt Frankfurt betraut wurde (daher der Notname). Das hohe künstlerische Niveau des Anna Selbdritt-Triptychons zeigt, daß es der Meister selbst geschaffen hat, da die Werkstattproduktion bis 1525 zum Teil in ihrer Qualität immer minderwertiger wurde. Basierend auf der altniederländischen Malerei des 15.Jahrhunderts sehen wir in diesen Werken die anhaltende Strahlkraft des Realismus der frühen Niederländer.Im geöffneten Zustand zeigt das Triptychon auf der Mitteltafel die Heilige Anna Selbdritt sitzend auf einer Rasenbank. Hinter der Dreiergruppe breiten zwei Engel ein großes Tuch aus, vor dem die Taube des Heiligen Geistes schwebt. Im Himmel darüber erscheint die Halbfigur Gottvaters, so daß die Trinität in dreierlei Gestalt und in senkrechter Achse übereinander angeordnet ist. Auf den Flügelinnenseiten steht ganzfigurig je eine Märtyrerin, die zusammen mit der Mittelgruppe eine Figuration nach Art einer sacra conversazione ergibt, die unter freiem Himmel in einer Landschaft stattfindet. Auf der linken Flügelseite ist die heilige Katharina mit Schwert und Rad dargestellt. Auf der rechten Seite die heilige Barbara mit dem hohen Turm im Hintergrund. Kennzeichen der Kunst dieses noch nicht identifizierten flämischen Hauptmeisters der Dürerzeit sind: Typus, Thematik und Gesamtanlage des Triptychons, sowie die stille feierliche Stimmung der Versammlung. Die beiden flankierenden Heiligen tragen eine modisch-höfische Tracht mit kostbaren Goldbrokat Kleidern, deren Muster wie Edelsteine funkeln. Diese typischen Erkennungszeichen belegen die Zuschreibung an den Meister von Frankfurt.Die Rückseiten der Flügel zeigen – in nicht weniger delikater Ausführung – die Verkündigung an Maria in illusionistischer Grisailletechnik. Die hell gemalten Skulpturen imitieren Bildhauerwerke auf naturalistischen Sockeln. Die Haare und Inkarnate Mariens und des Erzengels Gabriel sind in natürlicher Farbigkeit wiedergegeben. Auf den bewegten Schriftbändern über ihren Köpfen ist der lateinische Wortlaut des Englischen Grußes und die Antwort Mariens aus der Vulgata zu lesen.Das erst 1990 bekannt gewordene und sehr gut erhaltene Triptychon war, bis zu seiner Versteigerung Anfang des 19.Jahrhunderts, alter Sammlungsbesitz der Markgrafen von Baden-Durlach, auf deren Gemäldeverzeichnis es 1688 erstmals erwähnt wird. Zu den seit alters her in Karlsruhe gesammelten Werken der Malerei zählen die der altniederländischen Schule des 16.Jahrhunderts. Diese Sammlung wird durch das Anna Selbdritt-Triptychon um ein bedeutendes Werk bereichert. Es konnte mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder, dem Bundesministerium des Innern, der Museumsstiftung Baden-Württemberg und der Ernst von Siemens-Stiftung für die Karlsruher Kunsthalle erworben werden.