Das Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen präsentiert ab dem 29. November 2025 die weltweit erste Ausstellung zum Thema „Mittelalterliche Kunst in Bewegung“ zwischen 1300 und 1550. Im Zentrum der Schau stehen die vielseitigen konkreten Nutzungen mittelalterlicher Figuren in rituellen Kontexten sowie ihre Wirkungsmacht auf die Menschen. Die Kulturstiftung der Länder fördert die Ausstellung mit 66.000 Euro.
Dazu Dr. Christine Regus, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder: „Die Ausstellung ‚Praymobil‘ eröffnet einen eindrucksvollen Einblick in eine Tradition, deren Wurzeln tief ins Mittelalter reichen. Das Suermondt-Ludwig-Museum hat erstmalig die performative Dimension vieler Objekte aus seiner eigenen Sammlung erforscht. In der Schau zeigt sich, welche Relevanz diese Formen medialer Vermittlung und Emotionalisierung im historischen Kontext hatten und in welcher Weise sie bis in die Gegenwart fortwirken.“
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Von Prozessionsfiguren auf Rädern über Skulpturen mit beweglichen Armen und Beinen bis hin zu weinenden Heiligenstatuen, blutenden Kruzifixen und Figuren, die ihre Augen und Münder auf wundersamerweise öffnen und schließen – „handelnde“ Bildwerke spielte im religiösen Alltag des Mittelalters eine bedeutende Rolle. An verschiedenen Festtagen wurden bei effektvollen Inszenierungen biblischer Geschichten meist hölzerne Skulpturen in rituellen Handlungen in Bewegung gesetzt. Von Menschenhand gelenkt, erweckten diese interaktiven Bildwerke den Eindruck lebendig zu sein und entfalteten dabei eine starke spirituelle, emotionale und performative Wirkung auf die Gläubigen.
Mit über 80 Objekten widmet sich das Suermondt-Ludwig-Museum diesem bisher relativ unbekannten Aspekt der „Kunst in Bewegung“ und zeigt die Skulpturen im Kontext ihrer ursprünglichen Nutzung in Liturgie, Klöstern und im volkstümlichen Brauchtum. Es wird deutlich, dass Skulpturen im Mittelalter lebendiger Teil ritueller Handlungen waren und emotionale Nähe schufen. Zu den bemerkenswertesten Stücken zählen unter anderem eine lebensgroße Christusfigur auf einem Esel, die auf Rädern am Palmsonntag in einer feierlichen Prozession durch die Straßen gezogen wurde, ein Kruzifix mit beweglichen Armen, mit dem sich die zentralen Szenen der Ostergeschichte anschaulich nachstellen ließen, sowie eine Skulptur der schwangeren Maria, in deren Leib das Christuskind hinter einem Bergkristallplättchen sichtbar war und das symbolisch geboren werden konnte. Diese Bildwerke stellten eine Verbindung zwischen christlicher Botschaft und den Gläubigen her. Neben der emotionalen Wirkkraft der Objekte thematisiert die Ausstellung aber auch die Rezeption und die Kritik, die insbesondere im Zuge der Reformation an solchen Inszenierungen als „Götzendienste“ und „mutwillige Täuschungen“ geübt wurde.
Weitere Förderer: Peter und Irene Ludwig Stiftung, Ernst von Siemens Kunststiftung, Kunststiftung NRW, Ministerium für Kultur und Wissenschaft, Landschaftsverband Rheinland, Renate König-Stiftung, Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland, Jugend- und Kulturstiftung der Sparkasse Aachen, Sparkasse Aachen, Museumsverein Aachen e.V.
Praymobil – Mittelalterliche Kunst in Bewegung
29. November 2025 – 15. März 2026
Suermondt-Ludwig-Museum
Wilhelmstraße 18, 52070 Aachen
Öffnungszeiten: Öffnungszeiten: Dienstag – Mittwoch 13–17 Uhr, Donnerstag – Sonntag, 10–17 Uhr