Neue Töne

Unterstützt vom Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder soll eine kostbare Orgel des Orgelbaumeisters Friedrich August Moschütz restauriert werden

Seit vielen Jahren fehlt der größten heute noch erhaltenen Orgel des Orgelbaumeisters Friedrich August Moschütz (um 1805 – nach 1869) im brandenburgischen Schlenzer der Atem. Ihr Orgelgebläse ist nicht mehr vorhanden, die Windanlage, gewissermaßen die Lunge der Orgel, ist schadhaft und bedarf dringender Pflege. „Die Stillschweigende“, eine 1866 speziell für den Kirchenraum der Dorfkirche in Schlenzer erbaute Orgel, soll ihre Stimme nun im Rahmen einer umfassenden Restaurierung wiedererlangen. Darüber hinaus müssen weitere Schäden wie ein gebrochenes Pedal, Holzwurmbefall und defekte Pfeifen behoben werden.

 

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Nun soll der fragilen Tonkünstlerin mit besonderem Expertenwissen geholfen werden, immerhin ist sie eine lokale Berühmtheit, denn nur noch fünf der von Friedrich August Moschütz geschaffenen Orgeln haben sich bis heute erhalten. Von diesen gleicht kein Instrument dem Exemplar in Schlenzer: Mit 11 Registern und zwei Manualen ist es die größte der erhaltenen Orgeln des Herzberger Baumeisters. Bis in die 1970er-Jahre in Benutzung, muss sie die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert einst mit einem vollen Klang ausgefüllt haben. So stieß die Idee, der Orgel wieder eine neue Stimme zu geben, schnell auf gute Resonanz: Die Kirchgemeinde und die 196 Bewohner Schlenzers setzten sich mit Spenden für die zukünftigen Orgelpfeifen engagiert für ein baldiges Wiedererklingen im bereits 2015 restaurierten Kirchenraum ein. Ihnen und den Schülern des kirchenmusikalischen Ausbildungszentrums im nahen Jüterbog, die die Orgel nach ihrer Restaurierung intensiv nutzen wollen, steht nun absehbar eine große Freude bevor. Nach dem großen Engagement für die Finanzierung, an der sich auch der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder maßgeblich beteiligt, ist die Restaurierung beschlossene Sache.

 

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Einzelne Bestandteile wurden kürzlich in die Werkstatt des Orgelbaumeisters überbracht, der sich den verschiedenen Leiden fachkundig widmen wird. Ton- und Registertraktur bedürfen ebenso einer umfassenden Wiederherstellung wie die Windladen und das Holz- und Metallpfeifenwerk, das zwar von guter Grundqualität ist, jedoch sichtbare Altersspuren trägt. Fehlstellen sollen nach originalen Unterlagen ergänzt werden, die nicht mehr erhaltenen Prospektpfeifen aus Zinn – sie wurden im Ersten Weltkrieg ausgebaut und später durch Pfeifen aus Zink ersetzt – sollen behutsam originalgetreu rekonstruiert werden. Nicht zuletzt wird auch das Äußere des empfindlichen Instruments, bestehend aus Orgelgehäuse und Spielschrank, gepflegt werden, um das hölzerne Erscheinungsbild langfristig zu bewahren.

Spätestens Ende 2021 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Mit wiedererstarkter Stimmkraft wird die Moschütz-Orgel dann wieder für den Gottesdienst, aber auch für regelmäßige Orgelmatineen genutzt werden können. Ein gemeinsamer Besuch des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder in Schlenzer gehört nach Abschluss der Restaurierung in jedem Fall zum guten Ton.

Wir werden das engagierte Sanierungsprojekt medial begleiten und möchten Ihnen an dieser Stelle in regelmäßigen Abständen Neuigkeiten aus der laufenden Restaurierung vorstellen.