Kunst auf Lager

Die Meissener „Elementvasen“

Im Auftrag von König August III. fertigte Johann Joachim Kaendler 1741/42 die sogenannten Elementvasen, einen fünfteiligen Vasensatz, bei dem er die technischen Möglichkeiten des neuartigen Werkstoffes Porzellan ausreizte. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder gelang es den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“, die kostbaren Stücke pünktlich zur Wiederöffnung des Porzellankabinetts im Turm und der rekonstruierten Paraderäume des Residenzschlosses zu restaurieren.

Anlässlich der Wiedereröffnung der rekonstruierten Paraderäume und des rekonstruierten Porzellankabinetts im Dresdener Residenzschloss produzierten die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden 10 Videos. Hier finden Sie die Filme, die der Kulturstiftung der Länder von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. In diesen  Filmen sehen Sie die gesamte Geschichte der Eröffnung der Paraderäume, der Vermählung von Friedrich August II. und der Bedeutung der Elementvasen in dem repräsentativen Ensemble.

Paraderäume und Porzellankabinett im Residenzschloss Dresden

Mit Unterstützung der Kulturstiftung gelang es den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einen fünfteiligen Vasensatz – die sogenannten Elementvasen – im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“ zu restaurieren.

Die Festetage im Residenzschloss Dresden

Im Westflügel des Residenzschlosses Dresden befindet sich im zweiten Stock die Festetage. Dort wurden im 18. Jahrhundert barocke Paraderäume eingerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Bombenangriffe große Teile des Schlosses zerstört, in den 80er Jahren begann der Wiederaufbau. Ab Anfang der 2000er Jahre wurde die Rekonstruktion der Innenräume geplant. In den letzten vier Jahren konnten schließlich sechs Räume der Festetage wiederaufgebaut und im September 2019 eröffnet werden.

Das Porzellankabinett

Im Hausmannsturm im Dresdner Residenzschloss wurde das Porzellankabinett originalgetreu rekonstruiert. Während einige Vasen und Konsolen den Zweiten Weltkrieg dank Auslagerungen unbeschadet überstanden haben, wurde das Turmzimmer komplett zerstört. Anhand einer Beschreibung aus dem 18. Jahrhunderts konnte die Farbe des Zimmers festgestellt werden, sodass die Wandfarbe im Turmzimmer heute originalgetreu nachempfunden ist. Beim Wiederaufbau geborgene Teile des Fußbodens gaben zudem Auskunft über den verwendeten Stein.

Die Dragonervasen in der Porzellansammlung Dresden

Kurfürst August der Starke wollte in seiner Porzellansammlung herausragende Stücke zeigen. Bei einem Besuch beim preußischen König entdeckte er große, blau-weiße chinesische Vasen und wollte sie ebenfalls besitzen. Er schenkte daher dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. ein 600 Mann starkes Dragonerregiment und erhielt im Gegenzug 151 chinesische Porzellane. Seither werden in Dresden u.a. 18 monumentale chinesische Deckelvasen mit Blumen und Drachenmuster aufbewahrt. Ihren Namen – Dragonervasen – verdanken sie der Schenkung des Kurfürsten an den preußischen König.

Die Porzellanfertigung in Meißen

Die Elementvasen wurden im 18. Jahrhundert in Meißen gefertigt. Kurfürst August von Sachsen benötigte die Hilfe des französischen Königs Ludwig XV. und wollte ihm daher ein besonderes Geschenk machen. Im Auftrag des Königs fertigte Johann Joachim Kaendler einen fünfteiligen Vasensatz mit Allegorien zu den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde. Die Mittelvase zeigt das Porträt des französischen Königs.

Die Restaurierung

300 Jahre nach ihrer Herstellung wurden die Elementvasen in der Werkstatt der Dresdner Porzellansammlung restauriert. Mit Dampfstrahl wurden sie gereinigt und abgebrochene Teile, die aufbewahrt worden, wieder angeklebt. Fehlende Elemente wurden mit Silikon nachgeformt und aus lichthärtendem Kunststoff nachgebildet. Größere Fehlstellen wurden digital rekonstruiert, die Stücke in einem 3D-Drucker reproduziert und an die Kannen angesetzt.

Die Restaurierung in der Porzellanmanufaktur Meissen

Manchen Vasen fehlten nicht nur kleine Stücke sondern ganze Füße oder Deckel. Diese Objekte wurden in Meißen neu gefertigt – zunächst aus Ton. Mit einem Nylonfaden wurden die Tonmodelle zerteilt und aus den Einzelteilen Gipsformen hergestellt. In sie eingefüllt wurde die Porzellanmasse, die anschließend nachbearbeitet, wieder zusammengefügt und zweimal gebrannt wurde.

Der Vorraum der Paraderäume

Im Turmzimmer ließ August der Starke ab 1719 den Silberschatz des Kurfürstentums präsentieren. Sein Sohn und Nachfolger August III. präsentierte im Turmzimmer statt Silber Porzellan. Zu dieser Zeit war Meißen der einzige Hersteller des europäischen Hartporzellans und die sächsischen Kurfürsten konnten mit ihrer Sammlung die Zeitgenossen entsprechend beeindrucken.

Die Auslagerung 1941

Bis 1941 war das Turmzimmer vollbestückt mit Objekten. Die Museumsleitung befürchtete jedoch eine Bombardierung Dresdens und ordnete die Auslagerung der Kunstschätze an. Schlösser ringsum Dresden wurden angemietet, die Objekte aus dem Turmzimmer wurden so nach Schloss Schleinitz, 13 Kilometer westlich von Meißen, gebracht. Dort überstanden sie den Krieg unbeschadet. In den Nachkriegsjahren wurden einige Vasen allerdings für die Aufbewahrung von Marmeladen und anderen Lebensmitteln genutzt. 1947 wurden die Kulturgüter nach Dresden zurückgeholt, doch nahezu dreiviertel des Porzellans war nicht mehr erhalten.

Die Vermählung des Kurprinzen Friedrich August II und Maria Josepha 1719

Der Sohn August des Starken, Friedrich August II. heiratete 1719 Prinzessin Maria Josepha, die älteste Tochter des habsburgischen Kaisers Joseph I. August der Starke hoffte sogar, dass sein Sohn eines Tages Kaiser des Heiligen Römischen Reiches werden könnte. Nach der Trauung in Wien kam das Brautpaar nach Dresden, eine kilometerlange Parade führte sie bis ins Schloss. Vier Wochen mit Banketten und Festen folgten, sie gehörten zu den größten und schönsten Feierlichkeiten des 18. Jahrhunderts.

Unter Hochdruck modellierte Johann Joachim Kaendler (1706-1775), unterstützt von Johann Friedrich Eberlein, in der „Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur“ auf der Albrechtsburg bei Meißen den Vasensatz. Der überbordende figürliche Schmuck der Vasen vom Flachrelief der Vasenkörper bis zu den vollplastischen Applikationen von Blüten, Tieren bis hin zu mythologischen Figuren verwandelt die Gefäßkörper in Skulpturen mit filigraner, scheinbar bewegter Silhouette. Inspiriert nicht zuletzt von französischen Vorlagen – etwa den Stichen nach Juste-Aurèle Meissonier (1695-1750) – übersetze Kaendler die Formensprache des hochmodischen Rokoko in das neue Medium Porzellan und schuf mit den „Elementvasen“ einzigartige Beispiele einer neuen europäischen Porzellankunst. Die aufwändig gearbeiteten Vasen und Kannen zeigen die vier Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde sowie eine große Mittelvase mit dem Porträtrelief Ludwig XV. Sie waren ursprünglich als diplomatisches Geschenk für den französischen König bestimmt.

1/4

Der dringliche Auftrag des Königs an Kaendler war unmittelbar verbunden mit der politischen Großwetterlage im Zeichen des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740-1748). Während Sachsen versuchte, im Spiel der wechselnden Allianzen gegenüber Österreich, Preußen und Frankreich seine Interessen durchzusetzen, erschien August III. (1696-1763) ein opulentes diplomatisches Geschenk an Ludwig XV. (1710-1774) opportun – eine Geste, die jedoch im Moment der Fertigstellung der Vasen im Sommer 1742 bereits politisch obsolet war. Der sächsische Versuch, sich mit Hilfe Frankreichs eine dauerhafte geographische Verbindung zwischen seinen beiden Territorien, Sachsen und Polen, zu sichern, war gescheitert. Allerdings hatte man auf Grund des mit der Produktion verbundenen hohen Aufwands und Risikos mehrere Sätze der „Elementvasen“ angefertigt. Bei einer zusätzlichen Ausfertigung trat das Porträt Augusts III. an die Stelle des Bildnisses von Ludwig XV. So stand im Depot der Manufaktur eine große Anzahl von plötzlich funktionslos gewordenen, monumentalen Porzellanskulpturen zur Verfügung. Das ehemalige Herrschergeschenk wurde zunächst in das Japanische Palais überführt. Als zentrale Prunkstücke wurden die Vasen anschließend im nach 1743 eingerichteten Porzellankabinett im Turmzimmer des Dresdener Residenzschlosses gezeigt.

1708 war das europäische Porzellan in Dresden erfunden worden. Zwei Jahre darauf wurde die Manufaktur in Meissen gegründet. Zumindest acht Jahre lang gelang es Sachsen, der erste und einzige Hersteller von Porzellan in Europa zu bleiben. Die Abwanderung eines der Mitarbeiter nach Wien führte zur Gründung der ersten Konkurrenzmanufaktur im Jahr 1718. Im Meissener Porzellan gehen fürstliches Prestige, Politik, Merkantilismus, die sächsische Bergbautradition, Handwerk und Ästhetik eine unauflösliche Verbindung ein.

Detail des Bildnisses Ludwig XV.
Prunkvase: Reliefbildnis Ludwig XV. (mit Deckel und Fuß, Detail), Modelleur: Kaendler, Johann Joachim Meissen, um 1741/42 ©Porzellansammlung, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Adrian Sauer

26 Ausformungen der „Elementvasen“ blieben erhalten, die nach der Auslagerung im Zweiten Weltkrieg auf Grund von Beschädigungen nicht mehr ausgestellt werden konnten. Nun gelang es mit einer Mischung traditioneller und fortschrittlicher Restaurierungstechniken, 20 der kostbaren Stücke für die Aufstellung im rekonstruierten Porzellankabinett wiederherzustellen. Neben der Reinigung der Oberflächen ging es vor allem um die Ergänzung von Applikationen sowie ganzen Füßen und Deckeln der Vasen. Einen wichtigen Beitrag leistete zum einen die heutige staatliche Porzellan-Manufaktur mit Rückgriff auf ihr historisches Formenarchiv. Um große Ausbrüche zu schließen, beispielsweise an den Ausgüssen der Kannen, wurde in Dresden erstmals die 3D-Technologie eingesetzt. Bei der Retusche ließ man die Ansatzstellen bewusst sichtbar stehen, um den Übergang zwischen überliefertem Originalzustand und der Restaurierung transparent zu machen. Darüber hinaus wurden einzelne fehlende Deckel und Füße in der Staatlichen Porzellan-Manufaktur Meissen nach historischem Vorbild ganz neu ausgeformt. Die Kulturstiftung der Länder hat die Restaurierung im Rahmen der Initiative „Kunst auf Lager“ mit 50.000 Euro unterstützt.