Restaurierungsförderung

Apollo, Krebs und Hirtin

Im Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen werden derzeit mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder 300 französische Handzeichnungen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert restauriert

Nicolas Poussin, Gaspard Dughet, Claude Lorrain, Antoine Watteau, François Boucher und Jacques Louis David – rund 1.500 Handzeichnungen dieser und weiterer französischer Künstler lagern im Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen. Der Großteil ist bislang unerforscht, wurde nie publiziert oder ausgestellt. Grund dafür ist der Zustand der Zeichnungen: Falten, Knicke, Risse. Die vergangenen Jahrhunderte haben den Handzeichnungen zugesetzt. Mithilfe der Kulturstiftung der Länder werden nun 300 Objekte aus dem Bestand französischer Handzeichnungen restauriert und neu montiert, darunter Pinselzeichnungen aus dem 15. Jahrhundert, Zeichnungen berühmter französischer Meister, aber auch anonyme Blätter des 16. Jahrhunderts. Über Jahrhunderte wurde in Frankreich dem Zeichnen ein hoher Stellenwert beigemessen, von allen europäischen Kunstlandschaften zählt die französische Zeichenschule somit zu den schöpferischsten und produktivsten. Der Bremer Bestand an französischen Handzeichnungen ist international von großer Bedeutung, mit der Restaurierung sollen die Werke nun sichtbar gemacht werden.

Ziel des Restaurierungsprojektes ist es, die 300 französischen Zeichnungen aus der Zeit des 15. bis 18. Jahrhunderts so aufzubereiten, dass sie anschließend digitalisiert und öffentlich ausgestellt werden können. Die Zeichnungen sind auch Teil des laufenden DFG-Projekts zur Digitalisierung und Erschließung der französischen und japanischen Graphik im Kupferstichkabinett der Kunsthalle Bremen. Die fragilen französischen Zeichnungen sollen nach ihrer Restaurierung in Ausstellungen präsentiert werden und dank ihrer Digitalisierung der Forschung und Wissenschaft jederzeit zugänglich sein. Die Kunsthalle Bremen hofft so, das Bild der Zeichnungskunst zu erweitern und den Zugang für die Zeichnungsforschung zu erleichtern.

Der Grundstein für die Sammlung französischer Zeichnungen der Kunsthalle Bremen wurde im 19. Jahrhundert durch Schenkungen privater Sammler gelegt und dann von den zwischen 1899 und 1984 amtierenden Direktoren Gustav Pauli, Emil Waldmann und Günter Busch mit besonderer Fachkenntnis und in engem Austausch mit einer Vielzahl von Sammlern ausgebaut. Das Vermächtnis Johann Friedrich Lahmanns (1937) und der Ankauf der Sammlung Gustav Schwarting (1981), die beide in den Besitz der Kunsthalle übergingen, führten zu einer beachtlichen Erweiterung der Bestände. Eine restauratorische und konservatorische Aufarbeitung der Werke ist während des musealen Regelbetriebs kaum zu leisten. Im Dezember 2020 startete daher mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder ein Restaurierungsprojekt in der Werkstatt der Kunsthalle Bremen.

Die französischen Zeichnungen waren größtenteils auf säurehaltigen Pappen angebracht, oftmals stand das Papier unter zu großer Spannung. In der Folge warf es Falten, wies immer mehr Knicke und Risse auf. Zu nasse Montierungen führten zu starken Deformierungen und Wellungen der Pappen, die sich auch auf die Zeichnungen übertrugen. Um Zeichnungen beim Aufeinanderliegen zu schützen, bringt man sie auf Pappen mit schützenden Passepartout-Vertiefungen an. Bei den französischen Zeichnungen war dies bislang nicht immer der Fall, sodass manche direkt aufeinanderlagen und so weitere Schäden davontrugen. Zudem waren einige der Pappen zu groß für die vorhandenen Kassetten und deshalb stark verwellt, die Zeichnungen wurden so anfälliger für Beschädigungen. Da die meisten Zeichnungen ganzflächig auf Pappen montiert waren, konnten die Rückseiten bislang nicht untersucht werden. Dabei sind besonders die Angaben auf den Rückseiten zumeist wichtige Quellen für die wissenschaftliche Bearbeitung. Ebenso konnten Wasserzeichen bislang nicht untersucht und dokumentiert werden.

Vor der Restaurierung wurden die Zeichnungen mithilfe von Auflicht- und Detailaufnahmen sowie Aufnahmen im Durchlicht fotografisch erfasst, wenn diese weitere Informationen zum Beispiel zu Schäden, Hinterklebungen, Wasserzeichen und Papierstruktur geben konnten. Anschließend löste die Papier­restauratorin Jutta Keddies die Zeichnungen von den Pappen. Alte Montierungen und schädigende Klebstoffreste wurden entfernt und die Zeichnungen in neue maßgefertigte Passepartouts aus Museumskarton umgebettet. Bei einigen besonders gut erhaltenen Zeichnungen stabilisierte die Restauratorin lediglich die Montierung auf den Pappen oder professionalisierte die früher angewandten Methoden. 57 Zeichnungen bedurften neben der Entfernung von Klebstoffen weiterer restauratorischer Maßnahmen. Die Restauratorin schloss Risse, ergänzte Fehlstellen und nahm wo erforderlich kleine Retuschen vor. 200 Zeichnungen konnten mittlerweile bereits restauriert werden, sie befinden sich nun in einem konservatorisch einwandfreien Zustand und sind somit sowohl der interessierten Öffentlichkeit als auch der Forschung zugänglich. Mit der Restaurierung ist es nun zudem möglich, die Rückseiten der Werke zu untersuchen und so weitere wichtige Hinweise auf ihre Entstehung zu entdecken. Bis Ende des Jahres soll die restauratorisch-konservatorische Behandlung der übrigen 100 Zeichnungen fertiggestellt werden. Hochauflösende Aufnahmen der Zeichnungen stehen zukünftig in der Online-Datenbank der Kunsthalle Bremen zur Verfügung.