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Interview Tretjakow-Galerie – Deutsch-Russischer Museumsdialog

Im Jahr 2020 zeigt die Tretjakow-Galerie in Moskau eine Ausstellung zur deutschen und russischen Romantik. 2021 wird die Ausstellung in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zu sehen sein. Das Projekt der beiden Museen ist ein direktes Ergebnis der deutsch-russischen Kulturkooperationen im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialoges und wurde durch die Kulturstiftung der Länder vermittelt. Im September 2019 haben wir in Moskau mit Zelfira Tregulova, Generaldirektorin der Tretjakow-Galerie, über den größten Museumskomplex russischer Kunst und die Verbindungen zwischen deutscher und russischer Kunst gesprochen.

Unter allen bedeutenden, russischen Museen ist die Tretjakow-Galerie das einzige, das von einer Privatperson gegründet wurde. In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts hatte der Moskauer Kaufmann Pavel Tretjakow (1832–1898) den Grundstein für die Galerie gelegt, indem er Bilder russischer Maler erwarb. Heute beherbergt die Tretjakow-Galerie die größte Sammlung russischer Kunst in der Museumswelt. Für ihre Generaldirektorin Zelfira Tregulova ist die Galerie im Moment das „vielleicht demokratischste aller großen Kunstmuseen in Russland“.

In den 2000er Jahren nahmen die Kontakte zwischen russischen Museen und Deutschland stark ab. Tregulova wollte diese erneuern und trat in Austausch mit der Kulturstiftung der Länder und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Tretjakow-Galerie entwickelte daraufhin mit den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden ein gemeinsames Ausstellungsprojekt, dessen Ziel es sein soll, die Kunst der Romantik mit dem heutigen Blick zu betrachten.

Kunstwerke der deutschen und der russischen Romantik wurden noch niemals zuvor zusammen gezeigt. Dabei hätten, so Tregulova, die deutsche Philosophie und die Philosophie der Romantik einen enormen Einfluss auf die russische Kunst gehabt. Für sie sei es besonders jetzt – in Zeiten, in denen die politischen Beziehungen zwischen den Ländern weniger günstig als vor einigen Jahren seien – wichtig, dass „die Rückkehr zu diesem künstlerischen Dialog und zur Diskussion über Kunst eine außergewöhnliche Nähe und Einigkeit innerer Positionen in der deutschen Kunst und in der russischen Kunst demonstriert.“