INITIATIVEN

Interview Rudomino Bibliothek – Deutsch-Russischer Bibliotheksdialog

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte die Rote Armee zahlreiche Kulturgüter aus Deutschland in die Sowjetunion abtransportiert. Unter den Gütern waren auch umfangreiche Buchbestände, die noch heute in vielen Bibliotheken Russlands verstreut aufbewahrt werden. Seit 15 Jahren fördert die Kulturstiftung der Länder die Erforschung dieser Buchbestände. In Kooperation mit der Allrussischen Staatlichen M.-I.-Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur in Moskau entstanden so bereits drei Kataloge über die Sammlungsbestände dreier Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Die Projektverantwortliche auf russischer Seite und Leiterin des Zentrums für rare Bücher und Sammlungen an der Rudomino-Bibliothek, Karina Dmitrieva, spricht im Podcast über die Projekte und deren Herausforderungen im Rahmen des Deutsch-Russischen Museumsdialogs. Der Podcast wurde im September 2019 in Moskau aufgezeichnet.

1922 wurde die Allrussische Staatliche M.-I.-Rudomino-Bibliothek für ausländische Literatur von Margarita Ivanovna Rudomino in Moskau gegründet. Die Bibliothek verwahrt, bewahrt und verbreitet heute jene Büchersammlungen, die nach 1945 aus Deutschland nach Russland und insbesondere in die Bibliothek ausländischer Literatur gekommen sind. Karina Dmitrieva war in den vergangenen Jahre an deutsch-russischen Forschungsprojekten beteiligt. Diese mündeten in der Veröffentlichung von Katalogen zu den Bibliotheken dreier Widerstandskämpfer, die am Widerstand gegen Adolf Hitler beteiligt waren: die Bibliotheken von Friedrich Werner Graf von der Schulenburg, von Graf Yorck von Wartenburg und jüngst von Prinz Karl August von Hardenberg. In der Kulturstiftung der Länder habe die Bibliothek dafür einen zuverlässigen Partner gefunden. Für die Leiterin des Zentrums für rare Bücher und Sammlungen an der Rudomino-Bibliothek geht es dabei vor allem „um die Entdeckung neuer Namen, neuer und sehr persönlicher Geschichten. Diese tiefgründigen Geschichten ermöglichen es uns, tief in das historische Material einzutauchen und die Bindungen zwischen Russland und Deutschland und zwischen den Familien zu verstehen.“ Auch in Zukunft sollen weitere Bibliotheken erforscht werden. Ein mögliches Forschungsprojekt sei, so Dmitirieva, die prachtvollen Sammlungen zweier sehr bekannter, deutscher Sprachwissenschaftler – Vater und Sohn Gabelentz – in der Rudomino Bibliothek.