Gut gepolstert

Sechs Stühle nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels konnten mit der Unterstützung des Freundeskreises erfolgreich restauriert werden

Bekannt als Architekt des modularen Bauens, prägte Karl Friedrich Schinkel (1781 – 1841) das Berliner Stadtbild maßgeblich. Weniger bekannt als seine steinernen Erfolge sind seine gestalterischen Impulse im Einrichtungsbereich. Sechs Stühle, die sich in der Sammlung der Stiftung Stadtmuseum befinden, konnten durch die Unterstützung des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder restauriert werden und zeigen nun in neuer Frische die einträgliche Innovation: Unterhalb eines hölzernen Schulterbretts bietet die offene Rückenlehne Spielraum für ein Ornament, das nach dem Baukastenprinzip aus einem Fundus aus antikisierenden Formen und Motiven zusammengesetzt wurde. Aus soliden Möbeln konnten so mit geringem Aufwand individuell angepasste Stücke geschaffen werden.

Stuhl mit Allianzwappen in der Rückenlehne nach Entwurf von Karl Friedrich Schinkel 1833 (aus einem Satz von sechs Stühlen) © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Dorin Ionita
Stuhl mit Allianzwappen in der Rückenlehne nach Entwurf von Karl Friedrich Schinkel 1833 (aus einem Satz von sechs Stühlen) © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Dorin Ionita

Entstanden anlässlich der Hochzeit des Arztes Hermann Quincke mit der Tochter Marie des Seidenfabrikanten Georg Abraham Gabain 1833, greifen die sechs Stühle das Berufsfeld des Bräutigams bildlich auf: Das Allianzwappen, bestehend aus einem geflügelten Merkur- oder Äskulapstab mit Schlangen, den Symbolen für Medizin bzw. Handel, prägt die Gestaltung. Die Stühle nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels wurden schnell zu Vorbildern der beliebten Salonstühle der bürgerlichen Einrichtung, zu wahren Klassikern der Biedermeierzeit.

Gestell Mahagoni, massiv und furniert,Ornament in der Rückenlehne: Linde, geschnitzt, schwarz/grün gefasst, zum Teil bronziert, vergoldet © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Dorin Ionita
Gestell Mahagoni, massiv und furniert,Ornament in der Rückenlehne: Linde, geschnitzt, schwarz/grün gefasst, zum Teil bronziert, vergoldet © Stiftung Stadtmuseum Berlin, Foto: Dorin Ionita

Erst der Fund eines rötlichen Wollfadens vom originalen Bezugsstoff unter einem Polsternagel gab den entscheidenden Hinweis auf die ursprüngliche Farbe und Art des Bezugs. So konnte das Restauratorenteam die Sitzmöbel nicht nur neu aufpolstern, sondern auch die originale Farbigkeit wiederherstellen. Das Museum Knoblauchhaus zeigt die Stühle im einstigem Wohnhaus der Unternehmerfamilie Knoblauch und macht damit ebenso kostbare wie innovative Originale der Berliner Kulturgeschichte erfahrbar. Ein Stuhl wird solitär im neu konzipierten „Schinkel-Kabinett“ ausgestellt werden, die weiteren fünf Stühle sollen im Salon zu einem Ensemble zusammenfinden.