Titelthema Materialität des Schriftlichen

Der Handschrift auf der Spur

Mit Ulrich von Bülow durchs Deutsche Literatur Archiv Marbach, dem Rohstoffspeicher unserer Literatur- und Zeitgeschichte

von Antonia Kölbl

„Der Begriff Handschrift“, erklärt Ulrich von Bülow, „ist immer schwierig, denn nicht jede Handschrift ist tatsächlich von Hand geschrieben. Denken Sie zum Beispiel an Typoskripte oder gar Dateien.“ An einem ungewöhnlich warmen Herbsttag führt der Leiter des Archivs durch die 18 Grad kühle Handschriftensammlung. Sämtliche schriftlichen Unikate in den Beständen des Deutschen Literaturarchivs Marbach lagern hier in grünen Archivboxen, Regalmeter an Regalmeter. Ob in Zeiten der Aufklärung verfasst oder in der Gegenwart geschrieben: Alle Dokumente, auf denen deutschsprachige Literatur- und Ideengeschichte entwickelt wurde, warten hier darauf, in den hellen Lesesaal geholt zu werden. Die Rohstoffe unserer Geschichten, unserer Geschichte – wie sehen sie aus? Dass Handschriften so einmalig und eigenwillig wie ihre Verfasser sind, wird mit jedem Dokument – ob in Schönschrift verfasst oder getippt und handschriftlich ergänzt – augenscheinlicher. Anhand zahlreicher, mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erworbenen Autographen zeigt Ulrich von Bülow, wie Handschriften entstehen und schildert ihre Wege ins Mar­bacher Archiv, wo sie dann von Forscherinnen und Forschern benutzt werden.

Grüne Archivkästen im Deutschen Literaturarchiv Marbach, © Deutschen Literaturarchiv Marbach
Grüne Archivkästen im Deutschen Literaturarchiv Marbach, © Deutschen Literaturarchiv Marbach

Formvollendet und jeder Leserin, jedem Leser ein Genuss ist die Schrift Rainer Maria Rilkes. So bestechend schön, dass sie seine Korrespondenzpartnerinnen Katharina Kippenberg und Inga Junghans in jedem Antwortschreiben noch ein bisschen mehr kopierten, wie Ulrich von Bülow herausgefunden hat. Auch die Schrift von Lou Andreas-Salomé gleicht der Rilkes (1875 –1926) ungemein. Genaues Studium ließ den Archivleiter jedoch feststellen: „Er hat seine Handschrift an ihre angepasst.“ Durch die Schriftstellerin entdeckte der Lyriker auch die Lebensreformbewegung und den Vegetarismus für sich. Selbst seinen Namen änderte er: Auf ihr Anraten wurde René Karl Wilhelm Johann Josef Maria zu Rainer Maria. „Den eigenen Namen und die persönliche Handschrift, zwei essen­tielle Identitätsmerkmale Rilkes, hat Andreas-Salomé verändert“, fasst von Bülow zusammen, „das ist einschneidend.“

Ganze Textpassagen aus anderer Quelle übernimmt der drei Jahre jüngere Alfred Döblin (1878 –1957) für seinen Großstadtroman „Berlin Alexanderplatz“ (1929). „Um die Großstadt des angehenden 20. Jahrhunderts zu beschreiben, reichten die Mittel des klassischen Realismus aus dem 19. Jahrhundert nicht mehr aus. Er fügte also Zeitungsberichte über die städtischen Elek­trizitätswerke, Wetterberichte, Statistiken und vieles weitere ein, um das neue Phänomen zu fassen“, so von Bülow. Die Informationsflut der Großstadt reproduzierte Döblin in seinem Roman. Auf den unpaginierten Blättern seines Manuskripts sind die Zitate eingeklebt – der gedruckte Text verschleiert die diversen Quellen jedoch.

Alfred Döblin, Manuskript des Romans „ Berlin Alexanderplatz“, Version 1, erschienen 1929, 16,5 × 21,2 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Alle Rechte vorbehalten S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Alfred Döblin, Manuskript des Romans „ Berlin Alexanderplatz“, Version 1, erschienen 1929, 16,5 × 21,2 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Alle Rechte vorbehalten S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Unzählige Briefe und Postkarten zeichnen Alfred Döblins Lebensweg nach, lassen das intellektuelle Netzwerk, in dem er sich bewegte, hervortreten. 1913 erreicht ihn in der Blücherstraße Berlin-West ein Postkarten-Gruß von Guillaume Apollinaire und Herwarth Walden: „War sehr gut, Ihr Artikel, ich gratuliere. Es lebe der Döblinismus.“ Genau 20 Jahre später in Paris: „Eben erfahre ich durch Herrn Brecht Ihre Adresse. Ich würde mich freuen, wenn ich mal gelegentlich zu Ihnen heraufkommen könnte. Mit der besten Empfehlung“, schreibt Günther Anders 1933. „Nur mit guten Verbindungen konnte man im Exil überleben. Diese herzustellen war aber gar nicht so einfach, weil sich die Aufenthaltsorte ständig änderten“, sagt von Bülow. „Das hat zur Folge, dass Exilbestände oft nicht besonders umfangreich sind. Beim ständigen Um- und Weiterziehen konnte nicht viel mitgenommen werden. Unsere Philosophiebestände machen das besonders deutlich: Das Archiv von Karl Löwith, einem Schüler Martin Heideg­gers, ist verhältnismäßig schmal, auf seinem Weg über Italien, Japan bis in die USA nahm er nicht viel mit. Ganz anders bei Heidegger selbst: Der klebte ja praktisch an seiner Scholle und hat die alemannische Heimat selten verlassen.“

Martin Heidegger, Manuskript zu „Beiträge zur Philosophie“, verfasst 1936/37, erschienen 1989, 14,9 × 21,1 cm; Literaturarchiv Marbach; © Mit freundlicher Genehmigung des Nachlassverwalters und des Vittorio Klostermann Verlags / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Martin Heidegger, Manuskript zu „Beiträge zur Philosophie“, verfasst 1936/37, erschienen 1989, 14,9 × 21,1 cm; Literaturarchiv Marbach; © Mit freundlicher Genehmigung des Nachlassverwalters und des Vittorio Klostermann Verlags / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

„Für Dorothea“ lautet seine fein säuberlich notierte Widmung, unterzeichnet „Weihnachten 37, Martin“. Was folgt, ist das 1.000 Seiten starke Manuskript der „Beiträge zur Philosophie“ (1989), akkurat mit schwarzer Tinte aufs Papier gebracht. Obenauf noch eine weitere Notiz: „Diese Beiträge der Philosophie sind in fünf Schreibmaschinen-Abschriften vervielfältigt und die Abschriften mit der Urschrift verglichen. 3. Juni 1939.“ Was sachlich erscheint, verrät viel über Heideg­gers (1889 –1976) ambivalentes Verhältnis zur Schrift und seine Eigenwilligkeit in Bezug auf sein zweites großes Hauptwerk. Erst posthum sollten die Beiträge erscheinen. Um sie jedoch sicher durch den Krieg zu bekommen, verschickte der in Freiburg lehrende Philosoph die vom Bruder getippten Abschriften an fünf verschiedene Empfänger. „Heidegger mochte die Schreibmaschinen nicht, er empfand sie als Entfremdung. Schreiben war für ihn Hand-Werk. Und obwohl sein Nachlass zeigt, wie wesentlich der Akt des Schreibens für sein Denken war, sah er sich gerne in der Tradition griechischer Philosophen und betonte, das mündliche Wort sei das Eigentliche.“

Vom Wert des Schriftlichen überzeugt war jedoch Ernst Jünger (1895 –1998), der „ein Verhältnis zum Papier und selbst großes Interesse an Handschriften hatte“, berichtet UIrich von Bülow, während er in den Archivkisten sucht. Hier verbergen sich Jüngers Tage­bücher, umfangreiche Korrespondenzen, die bereits seine Sekretäre abgelegt hatten, aber auch die Manuskripte für sein Werk „Annäherungen. Drogen und Rausch“ (1970). Der Titel ist wörtlich zu verstehen: Gemeinsam mit dem LSD-Erfinder Albert Hoffmann und dem Verleger Ernst Klett traf er sich, um die Droge einzunehmen. Auf die vielen, eng beschriebenen Seiten seiner anschließenden Ausführungen klebte er Pflanzen und Blumen. Deren Platzierung, die er teils vor dem Schreiben, teils danach fixierte, ist dabei keineswegs zufällig, wie die Forschung heute weiß.

Ernst Jünger, Manuskript des Essays „Annäherungen. Drogen und Rausch“, verfasst 1967, erschienen 1970, 20,9 × 27,8 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Klett-Cotta – J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Ernst Jünger, Manuskript des Essays „Annäherungen. Drogen und Rausch“, verfasst 1967, erschienen 1970, 20,9 × 27,8 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Klett-Cotta – J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger GmbH, Stuttgart / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Das ständige Arbeiten am Text und Überarbeiten scheinbar abgeschlossener Werke offenbart das Archiv Ernst Jüngers ebenfalls. Angefangen mit seinen Tage­büchern aus dem Ersten Weltkrieg, die im kleinen Format in die Tasche seiner Uniform passten. Was er im Schützengraben notierte, publizierte er schließlich als sein erstes Buch „In Stahlgewittern“ (1920).

„Anfangs war Jünger noch wahnsinnig kriegsbe­geistert. Doch die Wirklichkeit dieses Kriegs, die er in seinem immer wieder überarbeiteten Bericht schildert, hat ihn desillusioniert.“ Dennoch gibt es auch während des Zweiten Weltkriegs Tagebücher, die das Leben an der Ostfront schildern. Nachlässe und Archivmaterialien überwinden die Ambivalenzen ihrer Bestandsbildner nicht, doch sie ermöglichen es, diese genau auszuloten.

Und manchmal halten sie unglaubliche Überraschungen bereit: In den schriftlichen Hinterlassenschaften von Siegfried Lenz (1926 –2014) fand sich ein unpubliziertes Romanmanuskript. 2014 entdeckten es Forscher im Archiv, zwei Jahre später erschien das Buch „Der Überläufer“ (2016). „Und wurde zum Bestseller, das ist wirklich unglaublich!“ Ulrich von Bülow beugt sich über das Buch, indem Lenz „sehr schön, sehr leserlich“ den Text niederschrieb. „Diesen Roman hat der Schriftsteller nach dem Krieg geschrieben, bevor er seine berühmten Werke verfasste. Alle Verlage, denen er die Geschichte anbot, lehnten ab. Dann hat er sie halt liegengelassen.“ Mit Blick auf die Handschrift stellt der Leiter des Archivs fest: „Es wirkt disziplinierend, wenn man in ein Buch schreibt. Da kann man nicht mehr so einfach eine Seite wegwerfen.“ Gleichförmig überzieht das Schriftbild die linierten Buchseiten. Die regelmäßig auf jeder Seite blasser werdende blaue Tinte lässt vermuten, dass Lenz mit einer Feder schrieb. Zwei Fassungen des Romantexts liegen in Marbach vor, publiziert wurde die zuletzt verfasste.

Siegfried Lenz, Manuskript für den Roman „Der Überläufer“, verfasst 1951, erschienen 2016, 21 × 29,7 cm (im geschlossenen Zustand); Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Siegfried Lenz Erben 2016 / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Siegfried Lenz, Manuskript für den Roman „Der Überläufer“, verfasst 1951, erschienen 2016, 21 × 29,7 cm (im geschlossenen Zustand); Deutsches Literaturarchiv Marbach; © Siegfried Lenz Erben 2016 / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

Nicht in leere Bücher, sondern in Hefte des Schreib­warenherstellers Brunnen schrieb Robert Gernhardt. 24 Archivkisten füllen sie. Mit blauem Kugelschreiber notierte und skizzierte er auf den DIN-A5-formatigen weißen Blättern. Begegnungen erinnert der in Estland geborene Gernhardt (1937–2006) durch Por­träts und durch kleine Schilderungen: „Frau Kienzel leitet ein Dorf für Bosnien-Flüchtlinge“, liest Ulrich von Bülow aus einem Heft von 1994 vor. „Es steht am Stadtrand von Backnang am Wald etwas abseits des Ortes. Es wurde während der Errichtung beschädigt, Brandstiftung. Als ich sie im Mai letzten Jahres sah, sprach sie davon, ihre erste Aufgabe werde es sein, die Deutschen zu…“, das nächste Wort ist schwer zu entziffern, „blamieren? Nein, zu kalmieren“, liest von Bülow und fügt erklärend hinzu: „zu beruhigen.“ Im gleichen Heft, einige Seiten weiter, hält Gernhardt fest: „Ich habe es, liebe Mutter, gut getroffen, ich bin wie gewünscht im Bristol abgestiegen.“ Hat der erfolgreiche Dichter und Verfasser von Otto Waalkes-Drehbüchern Briefe an die eigene Mutter vorformuliert? Man könne sich bei Gernhardt nie ganz sicher sein. Manchmal, so weiß Ulrich von Bülow, ist er schon mitten in einem Werk.

Ganz klar strukturiert und hoch diszipliniert trieb W. G. Sebald (1944 –2001) seine Schreibarbeit voran. „Er ist ja auch ein großer Sprachkünstler. Jeden Satz probierte Sebald erstmal aus, ganz ohne textlichen Zusammenhang. Zum Beispiel den ersten Satz der ‚Ringe des Saturn‘ (1995), der lautet: ‚Im August 1992, als die Hundstage ihrem Ende zugingen, machte ich mich, in der Hoffnung, der nach dem Abschluss einer größeren Arbeit in mir sich ausbreitenden Leere entkommen zu können, auf eine Fußreise durch die Ost-Englische Grafschaft Suffolk.‘ Für diesen Satz gibt es viele Entwürfe. So hat er an jedem Satz herumgefeilt und erst am Schluss alle zusammengefügt. Das Wort ,Handschrift‘ reserviert er für den ersten Gesamttext.“

Von Rainer Maria Rilke und der Lebensreformbewegung bis zur in Robert Gernhardts Brunnen-Heft geschilderten Fremdenfeindlichkeit gegenüber Geflüchteten, vom Exil-Brief bis zum Roman-Manuskript: Die Nach- und Vorlässe, die Ulrich von Bülow auf dem dreistündigen Archivrundgang zeigt, bilden unsere Zeitgeschichte ebenso ab wie das Schaffen und Leben der Protagonisten unserer Literaturgeschichte. Bevor das Deutsche Literaturarchiv die Schriftstücke jedoch erwirbt und der Forschung zur Verfügung stellt, prüft es zunächst, ob die Objekte ihren Kriterien entsprechen: Sind die Verfasser relevant? Wieviel haben sie in welchen Verlagen publiziert? In welchem Umfang ist Sekundärliteratur zu ihrem Werk vorhanden? Wie steht es um den Marktwert? Dann begutachten von Bülow und seine Kollegen die angebotenen Materialien. „Keine Erwerbung ohne Autopsie“, lautet das Credo.

Nachlässe sind keine Sammlungen, deren Inhalt sich aus festgeschriebenen Bestandteilen zusammensetzt. „Nachlass ist ein diffuser Begriff. Man muss vor Ort und immer im Einzelfall bestimmen, was eigentlich dazu gehört, sprich was wirklich wichtig für die Literaturwissenschaft ist“, erklärt der Archivleiter. Bei Vor­lässen ist diese Bestimmung noch diffiziler. Daher tritt Ulrich von Bülow am liebsten erst dann in Verhandlung, wenn der Urheber sein Lebenswerk (vermutlich) schon abgeschlossen hat. Da jedoch die Schriftsteller und Wissenschaftler oder deren Erben selbst entscheiden, was sie wann an wen abgeben, gilt es immer wieder, Kompromisse zu finden, „aber bisher konnten wir uns immer einigen“. Was schließlich im Archiv über den Neckarauen eintrifft, wird zunächst restauratorisch eingeschätzt, gegebenenfalls behandelt und dann „immer weiter geordnet, peu à peu, zunächst grob, dann immer feiner“, berichtet Ulrich von Bülow. Umzugskisten voller Ordner und Papierstöße, sortierte Stapel und schließlich die grauen Mappen in grünen Archivkästen – die einzelnen Stationen der Aufbereitung für die Benutzung sind in den Kellerräumen überall zu sehen. Von dem Zustand, in dem die Manuskripte, Briefsammlungen und Typoskripte eintreffen – „Herr Mosebach pflegt seine Sachen hier in Ikea-Taschen abzugeben. Seine Papiere zu ordnen, bedeutet tatsächlich eine ganze Menge Arbeit“ – bekommen die Nutzerinnen und Nutzer des Archivs nichts mehr mit.

Winfried Georg Sebald, Materialsammlung für den 2001 erschienenen Roman „Austerlitz“, 24,4 × 37,2 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © 2015 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach
Winfried Georg Sebald, Materialsammlung für den 2001 erschienenen Roman „Austerlitz“, 24,4 × 37,2 cm; Deutsches Literaturarchiv Marbach; © 2015 Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG, München / Foto: Deutsches Literaturarchiv Marbach

„Erstmal wurden mir Kopien aus dem Übersetzungsmanuskript von W. G. Sebalds ‚Die Ringe des Saturn‘ ans Bard College geschickt“, erinnert sich Kaitlynn Buchbaum, die am Liberal Arts College in New York State und an der Humboldt-Universität zu Berlin Deutsche Literatur studierte. Die Übersetzung von Sebalds Roman ins Englische untersuchte sie in ihrer Abschlussarbeit. In Marbach erhielt sie nicht nur Einblick in die Korrekturen und Änderungen, die der Autor im Text des Übersetzers vornahm, viel mehr noch: „Die Dokumente im Archiv – Fotografien, Notizen, Ephemera – machten seinen Schreibprozess für mich erfahrbar. Öffnet man die Boxen, in denen er seine Recherchematerialien sammelte, tut sich die Karte seines Gehirns auf.“ Vor allem aber, erinnert sich Buchbaum, war sie berührt von „den Spuren seiner Anwesenheit, wie der Ring einer auf dem Papier abgestellten Kaffeetasse. Auch haben seine Autographe eine hap­tische Qualität: Sebald drückte beim Schreiben so fest auf, dass ich seine Handschrift unter den Fingern spüren konnte“.

Förderer der Erwerbungen:
Rainer Maria Rilke, Briefe an Lou Andreas-Salomé: Kulturstiftung der Länder;
Alfred Döblin, Nachlass: Kulturstiftung der Länder, Bundesminis­terium des Innern, Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg;
Martin Heidegger, Teilnachlass (Sammlung Buchner): Kulturstiftung der Länder, Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg, Deutsche Forschungsgemeinschaft, private Spenden;
Ernst Jünger, Nachlass und Bibliothek: Kulturstiftung der Länder, Bundesministerium des Innern, Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg;
Siegfried Lenz, Vorlass: Kulturstiftung der Länder, Deutsche Forschungsgemeinschaft;
Robert Gernhardt, Nachlass, Archiv: Kulturstiftung der Länder, S. Fischer Stiftung;
W. G. Sebald, Nachlass und Bibliothek: Kulturstiftung der Länder, Deutsche For­schungsgemeinschaft

Antonia Kölbl; © Johannes Fellmann

Antonia Kölbl

ist Kunsthistorikerin in Berlin und Arsprototo-Autorin.