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Auf geflügelten Rädern balancierend, mit würdevollem Ausdruck und in neuer Frische: Zwei Cherubim-Skulpturen aus dem 13. Jahrhundert konnten mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder auf ihr ursprüngliches Erscheinungsbild untersucht und restauriert werden.

Nach mittelalterlicher Vorstellung gebührt ihnen der höchste Platz in der Engelshierarchie mit besonderer Nähe zum Thron Gottes, im Alten Testament wachen sie über die Bundeslade und in hochmittelalterlichen Buchmalereien stehen sie in enger Verbindung zum Allerheiligsten. Zwei vermutlich aus Köln stammende Engelsfiguren dieses Typus gehören zu den Hauptwerken der frühgotischen Holzskulpturen in der Sammlung des Museums Schnütgen. Trotz des Mangels an weiteren überlieferten skulpturalen Cherubim-Darstellungen stellt die Allansichtigkeit der Eichenholz-Figuren eine Seltenheit dar. Die besondere Form der Gesichter, einzelne Merkmale des Faltenwurfs sowie die Übernahme bestimmter Motive von Skulpturen an den Portalgewänden französischer Kathedralen lehnen sich an die Skulptur der Ile de France um 1200, während Körperhaltung und Gestik auf eine Altar- oder Tabernakelinszenierung deuten.

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Aufgrund der schnitzerischen Form können beide Skulpturen nicht selbstständig stehen und bekamen daher eine neue, nicht ins Material eingreifende und substanzschonende Halterung. Außerdem hinterließen historische Freilegungsmaßnahmen zur Bestandsuntersuchung der Farbfassung wachshaltige und dunkel pigmentierte Überzugsspuren auf der Oberfläche der Figuren, was die Sichtbarkeit der einstigen Farbigkeit (beispielsweise des roten Innenfutters, der rosafarbenen Inkarnate oder der weißen Beffchen) erheblich beeinträchtigte. Um das ursprüngliche Erscheinungsbild der Cherubim wiederherzustellen, entfernten Restauratoren den durch Vermischung von Resten der Erst- und Zweitfassung mit älteren und neueren Wachskittungen entstandenen Überzug und reinigten die Oberfläche, sodass die Strahlkraft der Farben wieder zu Tage kam.

Im Rahmen der Ausstellung „Unter der Lupe“ nimmt das Museum Schnütgen Besuchende mit auf Spurensuche an ausgewählten mittelalterlichen Skulpturen wie den Cherubim-Figuren, Textilien und Werken der Schatzkunst. Modernste Verfahren wie 3D-Animationen, mikroskopische Untersuchungen oder Röntgenbilder ermöglichen einen Blick unter die Oberfläche der Kunstwerke.

Förderer der Restaurierung: Kulturstiftung der Länder

Unter der Lupe
13. November 2018 bis 30. Juni 2019
Museum Schnütgen
Cäcilienstraße 29–33, 50667 Köln
Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr, Do 10–20 Uhr

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