Erwerbungsförderung

Bad Münder erwirbt historische Glassammlung

Der Forum Glas e.V. in Bad Münder erwirbt 70 historische Gläser aus der Gebrauchs-Glassammlung Albert Schwiezer. Die Gebrauchsgläser stammen aus Glashütten der Weserbergland-Region. Bad Münder, gelegen am nördlichen Rand des Weserberglandes, hat eine vierhundertjährige Tradition der Glasherstellung. Mit dem Ankauf können die historischen Gläser künftig in der Region ihrer Herstellung dauerhaft ausgestellt werden. Die Kulturstiftung der Länder fördert den Ankauf mit 61.670 Euro.

Dazu Björn Thümler, niedersächsischer Minister für Wissenschaft und Kultur: „Dank des großen Engagements zahlreicher ehrenamtlich Engagierter wird die fast vergessene historische Glasproduktion im Süntel nach den erfolgreichen Ausgrabungen in Klein-Süntel jetzt sichtbar. Historische Gebrauchsgläser hielten sich selten bis in die heutige Zeit. Sie wurden viel genutzt, bis sie zerbrachen. Damit unterscheiden sie sich deutlich von den oft gut erhaltenen Kunstgläsern, deren hoher Wert schon die ersten Eigentümer zum schonenden Umgang brachte. Mit der nun für die Öffentlichkeit erworbenen Sammlung historischer Gebrauchsgläser kann das Museum Bad Münder diese wichtigen Zeugnisse aus den vergangenen Jahrhunderten in seine zukünftige Ausstellungs- und Vermittlungsarbeit integrieren. Die Gebrauchsgläser der Region Süntel waren zu ihrer Zeit ein wichtiges Industriegut. Nun sind sie ein bedeutendes Zeichen unserer Landesgeschichte – und ich bin sehr glücklich über die großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, damit die historischen Gläser gezeigt werden können.“

Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder: „Die Weser-Region hat eine über 1.000-jährige Geschichte und Bad Münder eine 400-jährige Tradition der Glasherstellung, die bis in die Gegenwart reicht. Die Weise, in der der Verein Forum Glas diese Geschichte buchstäblich ausgräbt, erforscht und vermittelt, künftig unter anderem mit digitalen Formaten, halte ich für beispielhaft. Und dass all´ das von einem Team leidenschaftlicher, sich ehrenamtlich engagierender Menschen initiiert wurde und getragen wird, ist wahrlich aller Ehren wert. Es freut mich sehr, dass die Kulturstiftung der Länder an diesem Projekt der Erforschung und Vermittlung regionaler Identität des Weserberglandes mit der Förderung der Glassammlung Schwiezer einen Anteil hat.“

Die erworbenen Gebrauchsgläser sollen künftig als Dauerausstellung im „Museum Bad Münder im Wettbergschen Adelshof“ präsentiert werden. Die rund 200 Jahre alten Objekte haben einen hohen Seltenheitswert, da derart fragile und wenig dekorative Alltagsgegenstände nur sehr selten vollständig erhalten sind. Bestandteil der Sammlung Schwiezer sind zudem die einzig bekannten, erhaltenen Stücke aus den regionalen Glasmanufakturen und besonders der „Glashütte am kleinen Süntel“.

Bad Münder ist Teil der Glasregion des Weserberglandes. Aufgrund des reichhaltigen Quarzsandvorkommens begann die Glasfertigung bereits sehr früh in der Region – die Anfänge reichen zurück bis ins 9. Jahrhundert. Noch heute produzieren acht Glashütten in der Region Behälter- und Flachglas. Der ehrenamtliche Verein „Forum Glas Bad Münder“ engagiert sich seit 2006 für die Erforschung und Vermittlung der noch heute für die Region wichtigen Glasproduktion.

2010 veranstaltete der Verein in Kooperation mit dem nun verstorbenen Sammler Albert Schwiezer die Ausstellung „Prunk- und Gebrauchsglas des 18. Jahrhunderts aus Manufakturen der Welfen“ in Bad Münder. Das Forum Glas erwirbt die Sammlung aus dem Besitz der Tochter Schwiezers mit der Absicht, die Gläser unter dem Namen „Albert-Schwiezer-Gebrauchsglas-Sammlung“ dauerhaft in der Region zu erhalten und damit auch seine Lebensleistung zu würdigen.

Weitere Förderer dieser Erwerbung: Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur, Nachlass der Erbin des Sammlers Albert Schwiezer, Bürgerstiftung Weserbergland der Sparkasse Hameln-Weserbergland

Hannoversche Bouteille mit MIW Siegel für einen Weinhändler, 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Höhe: 16,5 cm, Bodendurchmesser: 9 cm; © Foto: Forum Glas e.V.

Hannoversche Bouteille mit MIW Siegel für einen Weinhändler, 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts, Höhe: 16,5 cm, Bodendurchmesser: 9 cm; © Foto: Forum Glas e.V.

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Schlegel-Flasche mit Siegel und Händlermarke, Siegel „JHH“ umrandet mit einer Perlenschnur, spätes 18./Anfang 19. Jahrhundert, Höhe: 24 cm, Bodendurchmesser: 13 cm; © Foto: Forum Glas e.V.

Schlegel-Flasche mit Siegel und Händlermarke, Siegel „JHH“ umrandet mit einer Perlenschnur, spätes 18./Anfang 19. Jahrhundert, Höhe: 24 cm, Bodendurchmesser: 13 cm; © Foto: Forum Glas e.V.

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Hannoversche Bouteille mit Siegel, Klein Süntel, ab 1819 – um 1850, Siegel mit springendem Pferd, dem Schriftzeichen

Hannoversche Bouteille mit Siegel, Klein Süntel, ab 1819 – um 1850, Siegel mit springendem Pferd, dem Schriftzeichen "H" (steht für Hentig) und der Maßangabe ¾ Quart, Höhe: 23,3 cm, Bodendurchmesser: 10,3 cm; © Foto: Forum Glas e.V.

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