Freundeskreis

Von Grafen, Gruften und großartigen Schlössern

Die Schlösser-Reise des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder führte vom 8. bis zum 10. September 2017 ins spätsommerliche Franken

von Juliane Kummer

Zwischen Landschaftsparks verborgene Gemäuer, prunkvolle Repräsentationsbauten und private Einblicke abseits der touristischen Routen: Ganze fünf Schlösser, drei Kirchen und ein Stadtpalast standen auf dem Programm der diesjährigen Schlösser-Reise nach Franken.

Ihren eindrucksvollen Auftakt nahm die Reise am Freitag im Residenzschloss Ansbach. Zur ausgezeichnet erhaltenen Innenausstattung der Residenz zählt neben der kunstvollen Ausgestaltung der Räume durch den Architekten Leopoldo Retti die Sammlung von Fayencen und Porzellan aus der ehemaligen Ansbacher Manufaktur. Eine kunsthistorische Führung erlaubte den Freundeskreismitgliedern interessante Einblicke in die erste Station der Reise.

Als Spezialist für die spätbarocke Formensprache war Architekt Leopoldo Retti nicht nur am Ausbau des Ansbacher Residenzschlosses beteiligt, sondern schuf mit dem sogenannten Retti-Palais einen einstmals prächtigen Stadtpalast. Ursprünglich als Rettis privates Wohnhaus entworfen,  zog der Hofbaumeister jedoch nie ein, sondern überließ das von Rokokoformen eingefasste Palais der Stadt Ansbach zur Nutzung. Kurator Dr. Christian Schoen, der sich als Vorsitzender des Fördervereins Retti e.V. engagiert, ermöglichte den Reisenden einen individuellen Rundgang durch die Räumlichkeiten.

Die Reisegruppe in Schloss Weißenstein

Nach einem kurzen Spaziergang durch die spätsommerliche Residenzstadt Ansbach erreichten die Freundeskreismitglieder im Anschluss die zentral gelegene Kirche St. Gumbertus. Malerisch überragen ihre Kirchtürme die kleinen Häuser der engen Gassen. Bei einer Führung durch das viele Baustile verbindende Gebäude lernte die Reisegruppe nicht nur Besonderheiten der museal genutzten Schwanenritterkapelle aus dem 16. Jahrhundert kennen, sondern besichtigte darüber hinaus die Gruft der Markgrafen. Als vorerst letzte Ruhestätte für alle 25 in Ansbach beigesetzten Hohenzollern vereinigt die Fürstengruft die erst kürzlich restaurierten Särge aus unterschiedlichen Kirchen.

Beim gemeinsamen Abendessen auf der Hohenzollernburg Colmberg ließen die Reisenden den Tag mit weit über die umliegenden Wälder schweifendem Blick bei fränkischen Spezialitäten ausklingen.

Der zweite Tag begann mit der Besichtigung des Schlosses Weißenstein in Pommersfelden, das, umgeben von einem weitläufigen Schlosspark, ein charakteristisches Glanzstück des fränkischen und deutschen Barocks darstellt. Während sie Treppenhaus, Repräsentationsräume, Schlosskapelle und Sattelkammer des Marstalls besichtigten, erfreuten sich die Freundeskreismitglieder an der detailreichen Innenausstattung. Nahezu unangetastet vom Wandel der Zeit beeindruckt die barocke Formensprache und die spektakuläre Gemäldesammlung seine Betrachter seit fast 300 Jahren. Auch die Schlossbibliothek, die die Reisenden ebenfalls besuchten, ist seit ihrer Errichtung fast vollständig erhalten. In den Sommermonaten dient das Schloss noch immer als Wohnsitz der Familie Schönborn.

Nach einer Mittagspause im Hotel Schloss Reichmannsdorf empfing Graf Schönborn die Besucher in der Kreuzkapelle, der Familiengrablege bei Schloss Wiesentheid. Die Grafen von Schönborn bewohnen Teile des von einem großzügigen Park umgebenen Schlosskomplexes noch heute.

Deckenfresko von Giovanni Francesco Marchini in St. Mauritius

Danach lernten die Reisenden zwei Kirchen kennen: Aufwändig restauriert erstrahlt die Pfarrkirche St. Mauritius in Wiesentheid mit ihren farbintensiven üppigen Fresken von Giovanni Francesco Marchini in ihrer ursprünglichen Pracht. Die Kirche St. Johannes in Castell dagegen besticht durch eine klassizistische Innengestaltung mit klarer Formensprache.

Auf den Spuren der gräflichen Familie Castell folgten die Freundeskreismitglieder anschließend Jesko Graf zu Dohna, einem Kenner der fränkischen Landesgeschichte, ins Fürstlich Castell’sche Archiv, dem Herzstück der Geschichte einer der ältesten bayerischen Adelsfamilien. Neben Nachlässen, Urkunden und Verträgen lagern hier Dokumente über Forstwirtschaft und Bankwesen, einigen der wirtschaftlichen Säulen der Familie. Ein weiteres Betätigungsfeld der Familie Castell, nämlich den Weinbau, konnten die Reisenden danach am eigenen Leib erfahren: Nach einem Aperitif im historischen Schlosskeller von 1691 fand sich die Gruppe in geselliger Runde zu Weinprobe und Abendessen im Restaurant Weinstall in Castell zusammen, um den Tag in stimmungsvollem Ambiente zu beenden.

Führung von Jesko Graf zu Dohna im Fürstlich Castell’schen Archiv

Sonntag, der letzte Reisetag, begann am Morgen mit einer Führung durch Schloss Rügland, eines der wenigen Wasserschlösser Mittelfrankens. Rüglands 700-jährige Baugeschichte vereint vom ehemaligen mittelalterlichen Wohnturm über das Fachwerkobergeschoss des „Alten Schlosses“ bis zu landwirtschaftlichen Anbauten aus dem vorigen Jahrhundert ganz unterschiedliche Bauweisen. Während Teile des Schlosses noch immer bewohnt werden, beherbergen die Räume des 1. Obergeschosses das sogenannte „Familienmuseum“ mit wertvollen Inventarstücken aus der wechselvollen Geschichte des Bauwerks.

Schloss Rügland

Anschließend brachte der Reisebus die interessierte Gruppe zum letzten Schloss der Reise. Rainer Graf von Seckendorff öffnete in Obernzenn Tür und Tor des Blauen Schlosses und gewährte private Einblicke in das 1696 durch die Familie von Seckendorff-Aberdar errichtete Gebäude. Im Schloss, das nach seiner intensiven blauen Farbgebung benannt wurde, besichtigten die Reisenden neben den reich mit Stuckaturen dekorierten Repräsentationsräumen den Bildersaal mit Familienporträts aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Ein Mittagsimbiss im Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim beendete die ereignisreiche Reise in fröhlicher Atmosphäre bei fränkischer Hausmannskost. Dank der wunderbaren Reiseplanung von Nora Landsberg, kenntnisreicher Führerinnen und Führer vor Ort, der ausgezeichneten fränkischen Verköstigung und der guten Laune der Reisenden gelang ein unvergesslicher Ausflug zu herrlichen Schlössern in beispielloser Naturkulisse.

 

Juliane Kummer

ist Kunsthistorikerin in Berlin und u. a. als ehrenamtliche Redakteurin für die Kulturstiftung der Länder und ihren Freundeskreis tätig.