Ausstellungsförderung

Von Dürer bis Dada

Der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder hat auf seiner Sitzung am 4. Dezember 2015 im Bremer Rathaus 1,422 Millionen Euro für Ausstellungsförderungen bewilligt.

Unter der Leitung seines Vorsitzenden, Bremens Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, hat der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder auf seiner Sitzung am 4. Dezember 2015 im Bremer Rathaus u. a. beschlossen, 14 bedeutende kunst- und kulturhistorische Ausstellungsvorhaben in Deutschland mit insgesamt 1,422 Millionen Euro zu unterstützen. Die 16 Länder stellen seit 2009 jährlich Mittel bereit, um über die Kulturstiftung der Länder wichtige Ausstellungsprojekte von überregionaler Ausstrahlung zu unterstützen. Kriterien für eine Förderung sind darüber hinaus: Die Ausstellungen sollen aus der eigenen Sammlung entwickelt und interdisziplinär erarbeitet sein sowie besucherorientiert präsentiert und vermittelt werden; wissenschaftliche Ergebnisse sollen dauerhaft wirksam bleiben. Bei den erwähnten Ausstellungstiteln handelt es sich teilweise noch um Arbeitstitel.

Eine Auswahl der beschlossenen Ausstellungsförderungen

Mit einer kulturhistorischen Landesausstellung unter dem Titel „Die Ernestiner. Eine Dynastie prägt Europa“ würdigen die Klassik Stiftung Weimar und die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha das protestantische Fürstenhaus der Ernestiner, das Mitteldeutschland und Europa zwischen Reformation und Revolution über fünf Jahrhunderte nachhaltig beeinflusste. In den beiden ehemaligen Residenzstädten Weimar und Gotha, die selbst Zeugnisse dieser Dynastie sind, wird vom 24.4. bis 28.8.2016 das höfische und kulturelle Leben vorgestellt. Vom Spätmittelalter bis weit über den Barock hinaus entfaltete sich die Pracht der Ernestiner und wirkte in der Blüte der Kultur und Forschung im 18. und 19. Jahrhundert unter den Häusern Sachsen-Weimar-Eisenach, Sachsen-Gotha-Altenburg und Sachsen-Coburg und Gotha sowie weiterer Linien nach. Im Neuen Museum und im Residenzschloss in Weimar sowie im Herzoglichen Museum und auf Schloss Friedenstein in Gotha geben hochkarätige Exponate Einblicke in mehr als vierhundert Jahre thüringische und europäische Kulturgeschichte. In Weimar widmet sich die Thüringische Landesausstellung den Themenbereichen „Reich und Nation“, „Glaube“ und „Wissenschaft“, während in Gotha das ernestinische Wirken im Zusammenhang mit „Familie“, „Land“ und „Künste“ aufbereitet wird.

Der tatkräftige Kirchenreformer und freigiebige Renaissancefürst Julius Echter verantwortete während seiner langen Regentschaft (1573–1617) eine grundlegende Umgestaltung der Stadt Würzburg und des von ihm regierten Territoriums: Der Kirchfürst verfolgte von Anfang an eine planmäßige Kulturpolitik, die sich auf Urbanistik und Architektur sowie auf Malerei, Skulptur, das Sammeln von Kunstwerken und Büchern und das Bildungswesen auswirkte. Das Martin von Wagner Museum der Universität Würzburg zeigt anlässlich des 400. Todestags von Julius Echter eine Ausstellung, die sich seiner einflussreichen Herrschaft widmet. Der ästhetischen Kanonbildung und Vereinheitlichung des Geschmacks verschrieben, blieb der Ausgangspunkt für Julius Echters Wirken die religiöse Motivation. Dieses Oszillieren zwischen höfischem Anspruch und gegenreformatorischem Eifer verleiht dem Fürstbischof ein einzigartiges kulturelles Profil, das in Würzburg vom 26.6. bis 24.9.2017 unter dem Titel „Julius Echter – Patron der Künste“ beleuchtet werden soll. Thematisiert werden unter anderem die gesammelten Eindrücke des jungen Julius Echter auf seinen Reisen nach Italien und in die Niederlande, die Selbstdarstellung des Fürstbischofs im Porträt und die von ihm betriebene Remodellierung des Stadtkörpers sowie die Lebenswelt und Ansprüche der von Echter beschäftigten Künstler.

Dass der Name Otto Freundlich auch diejenigen, denen der Künstler Freundlich vertraut ist, sofort an den Katalogumschlag der Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ 1937 in München denken lässt, gehört zu den tragischen Nachwirkungen des nationalsozialistischen Regimes. Als Künstler mit jüdischen Vorfahren sollte ihm das NS-Regime aber weitaus Schlimmeres antun: Auf der Flucht wurde er 1943 im Süden Frankreichs verhaftet und im Vernichtungslager Sobibòr ermordet. Das Museum Ludwig Köln würdigt nun in einer als Retrospektive angelegten Ausstellung das Werk des an den Rand gedrängten, verfolgten, verfemten und schließlich ermordeten Künstlers. Die Arbeits- und Lebenswege Otto Freundlichs abschreitend, vergegenwärtigt die Schau vom 18.2. bis 21.5.2017 unter dem Titel „Otto Freundlich. Kosmischer Kommunismus“ die Entwicklung seines künstlerischen und philosophischen Denkens. Durch persönliche Bekanntschaften gut vernetzt und hoch interessiert an den unterschiedlichen Strömungen der Kunst der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, finden sich in seinem Œuvre unter anderem Einflüsse des Expressionismus, Fauvismus, Kubismus, Dadaismus und Suprematismus. Doch Freundlichs Gemälde und Skulpturen sowie seine Glasmalereien und Mosaike, auf die besonderes Augenmerk gerichtet ist, erzählen von einem ganz eigenen Stil, dem im Zuge der Ausstellung die verdiente Aufmerksamkeit zuteilwerden soll.

Das Rheinland ist eine der kulturhistorisch bedeutendsten Pilgerregionen Deutschlands und Köln seit dem Mittelalter eines der Pilgerzentren: Im Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln findet vom 7.10.2016 bis zum 9.4.2017 unter dem Titel „Pilgern – Sehnsucht nach Glück?“ eine Ausstellung statt, die sowohl regional als auch global das Thema des religiösen Pilgerns beleuchtet. Weltweit brechen jedes Jahr Millionen Menschen zu oft Jahrtausende alten Pilgerstätten auf – mit steigender Tendenz. Über die prominenten Pilgerorte wie Köln, Rom, Jerusalem, Mekka oder Lourdes hinaus thematisiert die Ausstellung auch weniger bekannte Stätten, die als Wallfahrtsziele für nicht-abrahamitische Religionen dienen. Anhand ausgewählter herausragender Exponate der eigenen Sammlung sowie Meisterwerke international renommierter Museen soll eine Vielzahl faszinierender Pilgerorte aller Kontinente vorgestellt werden. Leihgeber sind unter anderem die Vatikanischen Museen, das British Museum und das Victoria and Albert Museum in London. Dem Phänomen nähert sich die Ausstellung über spirituelle, gesellschaftliche, wirtschaftliche, politische und ökologische Aspekte und zeichnet so ein spannendes Bild der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vielfältigen Pilgerpraktiken.

Bereits zu Lebzeiten wurde er als „Picasso“ der Skulptur gefeiert: Henry Moore, einflussreicher Bezugspunkt für Generationen von Bildhauern, gilt als Inbegriff des modernen Künstlers. Sein Werk steht im Mittelpunkt der großen Sonderausstellung „Henry Moore – Neuer europäischer Impuls“ des LWL-Museum für Kunst und Kultur, Münster (5.11.2016 – 5.3.2017). Das zentrale Motiv der etwa 150 Skulpturen, Gemälde und Zeichnungen aus internationalen Privatsammlungen und Museen ist die menschliche Figur. Als liegender Akt – eine Form, die dem Künstler räumlich und kompositionell die größte Freiheit bot – in figürlich-abstrakter Manier gefertigt, avancierte sie zu Moores unverkennbarem Markenzeichen. Um den großen Einfluss Henry Moores auf die europäische Kunstszene zu veranschaulichen, stellt die Ausstellung den Arbeiten des britischen Bildhauers Werke von Künstlern wie Pablo Picasso, Jean Arp, Aristide Maillol oder Joseph Beuys gegenüber. Neben der üblichen Präsentation in den Wechselausstellungsräumen werden zudem einige von Moores Arbeiten im Außenbereich installiert, wo sie ihre Wirkung auf den öffentlichen Raum entfalten können.

Wir Menschen sind Sprachwesen. Unausweichlich formt Sprache unser Bewusstsein. Wir sind in ihr, mit ihr und durch sie – ein menschliches, kommunikatives Miteinander ist ohne sie nahezu undenkbar. Wie lässt sich das immaterielle Kulturgut Sprache anschaulich präsentieren? Die Stiftung Deutsches Hygiene-Museum in Dresden und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung Darmstadt nehmen sich gemeinsam der Herausforderung an: Ziel ist es, die Besucherinnen und Besucher der Themenausstellung für die Macht der Sprache zu sensibilisieren, das Verständnis des eigenen Sprechhandelns zu fördern und die Begeisterung für den kulturellen Reichtum der Sprache zu wecken. Als Bezugspunkt für die Ausstellung „Sprache“ (24.9.2016 – 13.8.2017) dient dann auch die tatsächliche Sprachpraxis der Besucherinnen und Besucher: An ihnen orientieren sich die Bereiche, in denen die poetischen, rhetorischen und kommunikativen Dimensionen von Sprache ausgelotet und Fragen von Identität und Fremdheit, Norm und Abweichung, Konvention und Kreativität, Freiheit und Zensur verhandelt werden. Im Wechselspiel aus Wissensvermittlung, Erfahrung und performativer Aufführung soll die enge Verbindung von Sprache mit Denken, Fühlen und Handeln erfahrbar gemacht werden. Hierbei kulturell geprägte Missverständnisse und Vorurteile zu überwinden und ein tolerantes, offenes Weltverständnis zu fördern ist der übergeordnete Anspruch.

Weitere von der Kulturstiftung der Länder geförderte Ausstellungen

Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Das Paradies auf Erden. Flämische Landschaftsmalerei von Bruegel bis Rubens
1.10.2016 – 15.1.2017

Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Remagen
Dada-Genese. 100 Jahre Dada. Zürich 1916 – Arp Museum Bahnhof Rolandseck 2016
14.2. – 10.7.2016

Stiftung Brandenburger Tor im Max-Liebermann-Haus, Berlin, mit dem Deutschen Literaturarchiv Marburg
Julius Meier-Graefe (1867–1935) – Grenzgänger der Künste
Mitte 2017

Herzog Anton Ulrich-Museum, Braunschweig
Meisterzeichnungen – von Dürer bis heute
September 2016 – Januar 2017

Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie, Frankfurt am Main
Der Altenberger Altar
15.6. – 25.9.2016

Museum Angewandte Kunst, Frankfurt am Main, mit dem Gutenberg-Museum Mainz
Typografie und Grafikdesign in Frankfurt und Rhein Main seit 1910
2016

Universitätsbibliothek Leipzig
Textkünste
ab Oktober 2016

Braunschweigisches Landesmuseum
In diesen geschwinden Zeiten. Die Welfen und die Reformation
7.5. – 19.11.2017