Ausstellungsförderung

Was wir bei Ausstellungen nicht sehen

Versicherung oder Landeshaftung?

von Martin Hoernes

Die Kulturstiftung der Länder unterstützt kunst- und kulturhistorische Ausstellungen. Gefördert werden Präsentationen von herausragender Bedeutung, die aus den eigenen Beständen der Museen und mit derem eigenen wissenschaftlichen Personal entwickelt wurden. Was der Besucher nicht weiß: Bis zu zwei Drittel der entstehenden Ausgaben sind heute für eine überregional oder international relevante Schau nötig und fließen in Transporte, Versicherungen, aber auch Marketing – unabdingbar für eine gelungene Ausstellung. Die Versicherungsprämien nehmen wegen der immer höheren Bewertungen der oft einzigartigen und immens wertvollen Exponate einen großen Posten des Budgets ein. Landesmuseen können einen Teil durch die sogenannte Landeshaftung einsparen. Sie benötigen nur in Sonderfällen einen Versicherer gegen Verlust und Beschädigung der ausgeliehenen Exponate. Die von den Vereinigten Domstiftern veranstaltete großartige Schau „Der Naumburger Meister“ kam 2011 nicht in den Genuss einer Landeshaftung, und bei einem Gesamtversicherungswert von 102 Millionen Euro für die Meisterwerke frühgotischer Skulptur war eine Prämie von 113.000 Euro fällig. Wünschenswert wäre es, das Instrument der Landeshaftung künftig auch auf singuläre, international bedeutende Ausstellungen anderer Träger auszuweiten oder zumindest durch kluge Förderentscheidungen diesen Nachteil auszugleichen.

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Martin Hoernes

ist Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung. In den Jahren 2007 bis 2014 war er stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.