Erwerbungsförderung

Des Malers Skizzen

Verschollene Skizzenbücher des Erfurter Malers Friedrich Nerly sind nach Erfurt zurückgekehrt. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte die Rückführung.

Das Erfurter Angermuseum, das den künstlerischen Nachlass des wichtigsten Erfurter Künstlers des 19. Jahrhunderts, Christian Friedrich Nehrlich (genannt Nerly) bewahrt, freut sich über die Rückkehr dreier wertvoller Skizzenbücher Nerlys. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gelang dem Angermuseum jetzt die Rückführung aus amerikanischem Privatbesitz, wo die seit der ersten Nachkriegs­inventur 1967 im Museum vermissten Skizzenbücher im Jahr 2006 wieder aufgetaucht waren.

Nerly (1807 Erfurt­ – 1878 Venedig) zählte zu den wichtigsten Künstler­per­sön­lich­keiten des 19. Jahrhunderts. Besonders der deutsche Hochadel, aber auch ameri­ka­nische, englische und sogar indische Sammler gehörten zu seinen Auftrag­gebern. Mit etwa 50 Gemälden, ebenso vielen Ölstudien und Hunderten von Zeichnungen, Aquarellen und Skizzenbüchern bewahrt das Erfurter Angermuseum die weltgrößte Sammlung von Werken Friedrich Nerlys. Die Nerly-Schenkung (1883) des Sohnes Friedrich Paul Nerly, in der die Skizzenbücher verzeichnet sind, führte 1886 zur Gründung des Städtischen Museums am Anger (heute Anger­museum).

Von ursprünglich 22 im Bestand vorhandenen Skizzenbüchern Nerlys befanden sich bisher noch 15 im Angermuseum. Aufgrund der Inventar­nummern konnten die jetzt zurückgekehrten drei Bücher als ursprünglich Erfurter Eigentum identi­fiziert werden. Von Landschafts- über Tier- und Figurenstudien, Skizzen von Architekturdetails in Venedig bis zu Panaroma­ansichten der Lagune reicht das Spektrum der Skizzen. Im Skizzenbuch Inv.-Nr. 3292 (ca. 1837) finden sich neben Skizzen aus Civitella, Mailand und vom Gardasee auch die wahrscheinlich ersten Studien Nerlys aus Venedig. Bildmäßig ausgeführte Aquarelle, Kompo­sitionen in Bleistift und Tusche vermitteln einen Eindruck von Nerlys venezia­nischem Schaffen. Im Skizzenbuch Inv.-Nr. 3111 (1837/38) finden sich viele Studien des Künstlers von Schiffen, Gondeln, Fischern und Pferden. Das dritte Buch (Inv.-Nr. 3901) lässt sich als letztes Skizzenbuch Nerlys aus dem Sterbejahr 1878 identifizieren und ist deshalb von hohem biographischen Interesse. Zum künstlerisch Wichtigsten gehören lose Teile eines vierten Skizzenbuches (Inv.-Nr. 3113) aus der römischen Zeit des Künstlers um 1829/30 mit aquarellierten Studien und Tierstudien in Tinte und Bleistift. Manche seiner Entwürfe lassen sich später ausgeführten Werken Nerlys zuordnen und sind deshalb von hohem Wert für die kunsthistorische Forschung. Das Angermuseum kann so eine empfindliche Lücke in seinem einzigartigen Nerly-Bestand schließen.