Provenienzforschung

Suche nach NS-Raubkunst

Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung in Berlin bewilligt 20 langfristige Projekte zur Suche nach NS-Raubkunst in deutschen Museen, Bibliotheken sowie Archiven und verabschiedet sich mit einem Rekord.

Am 27. November 2014 kam der Beirat der Arbeitsstelle für Provenienzforschung (AfP) zu seiner letzten Bewilligungssitzung zusammen. Anfang 2015 wird die AfP in das vom Bund, den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden neu geschaffene Deutsche Zentrum Kulturgutverluste übergehen.

Dem Beirat lagen 26 Anträge auf Förderung langfristiger Projekte zur Suche nach NS-Raubgut in deutschen Museen, Bibliotheken und Archiven mit einem Förderbedarf von rund 2,5 Mio. Euro vor. Befürwortet wurden 20 Anträge. Mit Blick auf die Gründung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste hat der Beirat entschieden, alle Förderzusagen auf zunächst 12 Monate zu begrenzen.

Die Arbeitsstelle für Provenienzforschung beendet das Jahr 2014 mit einem neuen Rekord. Insgesamt lagen der AfP 55 langfristige und 19 kurzfristige Anträge mit einem Gesamtförderbedarf von 5.867.704,98 Euro vor. Durch die Verdopplung der von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) zur Verfügung gestellten Fördermittel auf insgesamt 4 Mio. Euro können 2014 insgesamt 40 langfristige und 18 kurzfristige Projekte bewilligt werden.

Seit ihrer Gründung 2008 hat die AfP für 109 langfristige und 61 kurzfristige Projekte Fördergelder in Höhe von rund 12 Mio. Euro ausgereicht. Mit den von der Kulturstiftung der Länder (KSL) für die Geschäftsstelle der AfP bereitgestellten Mitteln in Höhe von 1,7 Mio. Euro und den durch die einzelnen Projektträger ergänzend zur Verfügung gestellten Mitteln in Höhe von 7,7 Mio. Euro flossen dank der AfP-Projekte seit 2008 insgesamt 21,4 Mio. Euro in die dezentrale Suche nach NS-Raubkunst in 89 Museen, 27 Bibliotheken, 5 wissenschaftlichen Instituten und universitären Einrichtungen sowie 5 Archiven.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte: „Das Konzept zur Förderung der dezentralen Suche nach NS-Raubkunst ist ein Erfolgsrezept. Die im Vergleich zum Vorjahr nochmals signifikant gewachsene Nachfrage nach den Fördermitteln des Bundes bestätigt meine Entscheidung, die Mittel für die Provenienzforschung in diesem Jahr auf 4 Millionen Euro zu verdoppeln. Bereits im kommenden Jahr werden die vom Bund für die Provenienzforschung und Restitutionsfragen bereitgestellten Mittel nochmals auf dann 6 Millionen Euro wachsen. Mit der von mir auf den Weg gebrachten Gründung des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste wird es in einem großen Konsens von Bund, Ländern und Kommunen künftig einen zentralen Ansprechpartner für den Umgang mit Raubkunst in Deutschland geben. Die AfP und ihr kleines, sehr engagiertes Team hat seit 2008 hervorragende Arbeit geleistet, und ich freue mich auf eine weitere gute, kreative und engagierte Zusammenarbeit im Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.“

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder und Mitglied des Beirats der AfP, sagte in Berlin: „Die Provenienzforschung ist glücklicherweise vielerorts längst nicht mehr das Stiefkind der deutschen Museen, Bibliotheken und Archive: Die breite Diskussion dieses Jahres über den Umgang mit NS-Raubkunst, die Verantwortung für die eigene Sammlung und damit die Erforschung ihrer Herkunft hat aus meiner Sicht einen grundlegenden Wandel in den Häusern und bei ihren Trägern, den Ländern und Kommunen, bewirkt. Diese neue Sensibilität seitens der Kultureinrichtungen beweisen die zahlreichen ambitionierten Forschungsvorhaben, die uns zur Entscheidung vorlagen.“