Erwerbungsförderung

Spuren im Sand

Mit dem Erwerb von Günther Ueckers „Sandspirale“ – eine kinetische Bodenarbeit aus dem Jahr 1970 – erweitert das Staatliche Museum Schwerin seine Sammlung, die das größte Werkensemble des Künstlers beherbergt. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Mehrere Zentner Sand, viele Bindfäden, ein viermeterlanges Stück Holz und ein Elektromotor: Diese merkwürdige Anlieferung erreichte unlängst die Galerie Alte & Neue Meister am Schweriner See. Am 1. Juli 2016 eröffnet dort der Neubau mit der Neupräsentation der Moderne, kurz zuvor kümmert sich der 86-jährige Künstler Günther Uecker, in Arbeitslatzhose und mit überbreitem Rechen bewaffnet, noch persönlich um die außergewöhnliche Lieferung: Er ließ im Neubau eines seiner Hauptwerke, die Bodenarbeit „Sandspirale“ von 1970, wieder neu entstehen. Am knapp über dem Boden schwebenden viermeterlangen Holzstück arrangiert Uecker Bindfäden, die mit ihren kleinen Knoten deutliche Spuren in den Sand zeichnen. Ständig rotierend, inszeniert Uecker mit bewusst einfachen Materialien das Drama der Vergänglichkeit: Unentwegt verwischen die herabhängenden Fäden die eben erst entstandenen spiralförmigen Muster im Sand, ein selbstzerstörerisches Kunstwerk entsteht. Doch gleichzeitig versiegen die Spuren nie im immerwährenden Kreislauf der Fäden – Ewigkeit und Vergänglichkeit liegen in Ueckers künstlerischer Interpretation nah beieinander. Sein von ihm als „kinetisches Memento Mori“ bezeichnetes Werk spielt eine Hauptrolle bei der Neupräsentation der Moderne der Schweriner Galerie. Nachdem das Kunstwerk seit seiner Entstehung deutschlandweit von Museum zu Museum gereist ist, findet die „Sandspirale“ in Schwerin nun eine dauerhafte Präsentation. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Vereins der Freunde des Staatlichen Museums Schwerin gelang der Ankauf des Kunstwerkes.

Formbar und natürlich kontrastiert der Sand als Material zu Ueckers weltbekannten Nagelreliefs, die auch in der Schweriner Ausstellung – in Form eines Nageltisches – vertreten sind. Seine unverwechselbare Arbeitsweise entwickelte der Objektkünstler vor allem mit der Künstlergruppe ZERO. Ihr künstlerisches Manifest deklarierte 1963 die „Stunde Null“ der Kunst. Für Günther Uecker, Heinz Mack und Otto Piene ging alles auf Anfang: Mit ihrer Forderung nach puristischen Ausdrucksformen attackierte das Trio die abstrakte Kunst der Nachkriegszeit. ZERO kombinierte verschiedenste Materialen geschickt mit Licht, Raum und Bewegung. Ob Malerei, Objektkunst oder Installation – die Künstlergruppe bahnte mit ihrer vielseitigen Kunstauffassung u. a. den Weg für die Kinetik und die Op Art. In den letzten Jahren feierte die ZERO-Kunst ihr Comeback in Museen und auf dem Kunstmarkt. Weltweit, in großen Ausstellungen in New York, Berlin und Amsterdam, erstand der Kosmos von ZERO wieder neu und zog Besucherströme an.

Ueckers „Sandspirale“ von 1970 schlägt die Brücke zwischen älteren und neueren Werken Günther Ueckers in der Schweriner Galerie Alte & Neue Meister, die die deutschlandweit größte Kollektion an Werken des 1930 im mecklenburgischen Wendorf geborenen Künstlers beherbergt. Im Rahmen der feierlichen Neupräsentation der Moderne ist die „Sandspirale“ ab dem 1. Juli 2016 dauerhaft in der Ausstellung zu sehen.

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Günther Ueckers Sandspirale in der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin; Foto: Bröcker/Staatliches Museum Schwerin

Günther Ueckers Sandspirale in der Galerie Alte & Neue Meister Schwerin; Foto: Bröcker/Staatliches Museum Schwerin

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