Erwerbungsförderung

Solinger Tranchierkunst

Das Deutsche Klingenmuseum Solingen erwirbt mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder ein Fuggersches Vorschneidebesteck und einen Bidenhänder.

Fuggersches Jagdbesteck, um 1540
Fuggersches Jagdbesteck, um 1540

Dem Deutschen Klingenmuseum Solingen gelingt der Ankauf eines seltenen und vollständigen Jagdbestecks, um 1540, aus früherem Fuggerschen Besitz und eines mittelalterlichen Bidenhänders, eines beidhändig geführten Vortrageschwerts der Schutztruppe des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel, um 1580. Ermöglicht wurde der Ankauf mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Freunde des Deutschen Klingenmuseums Solingen e.V. und der NRW-Stiftung, Düsseldorf.

Das fünfteilige Vorschneidebesteck im originalen Lederköcher stammt wohl aus dem Umkreis der Münchner Werkstatt Melchior Dieffenstetters und besteht aus zwei fast gleichförmigen verzierten Vorlegemessern mit trapezoiden Blättern und zwei Messern sowie einer Gabel in gleicher Ausstattung. Das Tranchierbesteck dokumentiert jetzt im Solinger Klingenmuseum in einmaliger Weise das gesamte Repertoire der Tranchierkunst am fürstlichen Hof, die sich im 15. Jahrhundert als Ehrenamt eines mit den kaiserlichen bzw. königlichen Privilegien ausgestatteten Adligen entwickelte, um den Herrscher an der fürstlichen Tafel zu bedienen. Eines der beiden großen Messer ist mit dem Fuggerschen Lilienwappen gekennzeichnet und belegt damit den Besitz der Fürsten Fugger-Babenhausen. Nur wenige höfische Vorlegebestecke haben sich vollständig und in dieser qualitätvollen Ausführung beispielsweise im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg oder dem Mainfränkischen Museum Würzburg erhalten. Das Deutsche Klingenmuseum kann mit dem Fuggerschen Vorlegebesteck nun auch eine empfindliche Lücke in seiner Sammlung schließen.

Der außergewöhnlich gut erhaltene Bidenhänder mit gesicherter Herkunft aus der Rüstkammer des Herzogs von Braunschweig-Wolfenbüttel, signiert vom bekannten Solinger Klingenschmied Johann Allich, zeigt eine aufwendige Dekoration und Vergoldung. Diese mächtigen, mit zwei Händen zu führenden Schwerter dienten seit dem Hohen Mittelalter dazu, eine Bresche in die gegnerische Reihe der Lanzenträger zu schlagen, später entwickelten sich die Bidenhänder zu Zier- und Paradewaffen für Leibgardisten und wurden zu Symbolträgern von Status und Macht. Der erworbene Bidenhänder war mit seiner homogenen Gesamtkomposition und der auffällig großen Signatur des Solinger Klingenschmieds Allich für das Braunschweiger Zeughaus bestimmt. Damit gelangt ein authentisches Solinger Objekt von vielfältiger kulturgeschichtlicher Dimension in die Solinger Sammlung.