Erwerbungsförderung

Schinkels Möbel zurück in Glienicke

Im Roten Salon im Obergeschoss von Schloss Glienicke: die vergoldete Möbelgarnitur von Karl Friedrich Schinkel, um 1826/27
Im Roten Salon im Obergeschoss von Schloss Glienicke: die vergoldete Möbelgarnitur von Karl Friedrich Schinkel, um 1826/27

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist keine so umfangreiche Gruppe von Sitzmöbeln von Karl Friedrich Schinkel mehr auf dem Kunstmarkt aufgetaucht: Mit der spektakulären Entdeckung der Möbelgarnitur bei einem Händler in Italien durch einen Hamburger Kunsthändler begann die Rückkehr der Sitzmöbel, die wohl einst für das Berliner Schloss Glienicke im Auftrag des Prinzen Carl von Preußen (1801–1883) um 1820/25 von Karl Friedrich Schinkel entworfen wurden. Eine kleine Entwurfsskizze Schinkels, die sich im Kupferstichkabinett erhalten hat, und weitere Indizien untermauern die Vermutung, dass es sich um Sitzmöbel der ursprünglichen Ausstattung des Schlosses handeln muss. Die Sitzgruppe – eine Sitzbank, drei Armlehnstühle und drei Stühle (entstanden etwa um 1826/27) – konnte nun von der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Stiftung „pro Sanssouci“ und weiterer privater Spender sowie mithilfe einer Spende der Rudolf-August-Oetker-Stiftung über die Freunde der Preußischen Schlösser und Gärten e.V. erworben werden.

In prunkvoller Ausstattung mit fast vollständig erhaltener originaler Vergoldung, filigraner Schnitzarbeit und vollendeter Ausführung der Konstruktion zeigen sich die Möbel als herausragendes Zeugnis der höfischen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Die aufgelegten Blätter der Beine und die seitlichen Rosetten der Garnitur bestehen aus der in Schinkels Schaffen häufig anzutreffenden rötlichen Masse, der sogenannten Holzbronze. Schinkel vermerkte auf seiner Entwurfsskizze „Gold purpur, Großes Zimmer“, was Experten auf das große Zimmer („Roter Saal“) im Obergeschoss von Schloss Glienicke bezogen. Prinz Carl hatte sich von Schinkel um 1825 das Landschlösschen vor Berlin nach seinen persönlichen Vorstellungen erbauen lassen. Über den Enkel des Prinzen Carl, Prinz Friedrich Leopold von Preußen, gelangten die Möbel vermutlich in dessen Villa Favorita im schweizerischen Lugano, die mit Kunstgegenständen und Mobiliar auch aus Schloss Glienicke ausgestattet war.

Seit der Wiedervereinigung kümmerte sich die SPSG intensiv zunächst um die Erhaltung der Bausubstanz und die Wiederherstellung der Parkanlagen des Schlosses. Leider hatte sich keine originale Möblierung des Schlosses erhalten, so dass sich jetzt die einmalige Gelegenheit ergibt, mit der Schinkel-Sitzgruppe zumindest den Hauptraum des Obergeschosses seinem ursprünglichen Erscheinungsbild sehr nahe bringen zu können.