Ausstellungsförderung

Reformation und Freiheit. Luther und die Folgen für Preußen und Brandenburg

Wie veränderte Martin Luthers Freiheitsverständnis das Leben der Menschen vor 500 Jahren? Erstmals zeigt das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in einer Zusammenschau, mit welcher Sprengkraft Luthers Reformationsschrift von 1520 bis in die Gegenwart wirkt. Die Ausstellung wird von der Kulturstiftung der Länder gefördert.

Freiheit als Dreh- und Angelpunkt der Reformation: In einer Zeit des Umbruchs am Beginn der Frühen Neuzeit veröffentlichte Luther 1520 als Reaktion auf den päpstlichen Bann sein Traktat „Von der Freiheit eines Christenmenschen“. Es avancierte zum meistgedruckten Buch des 16. Jahrhunderts. Doch welche Ideen elektrisierten Luthers Zeitgenossen so stark, dass sie wie der brandenburgische Fehdeführer Hans Kohlhase sogar den Tod dafür in Kauf nahmen? Revolutionär erwies sich besonders Luthers Verständnis der Bibel als alleinige Autorität über das Gewissen eines jeden einzelnen Christen. Widersprüchlich dazu befürwortete der Reformator dennoch den Gehorsam den weltlichen und geistlichen Obrigkeiten gegenüber. Gerade diese Ambivalenz des Freiheitsthemas greift die Ausstellung auf und zeigt anhand von Preußen – der erste evangelische Staat in Europa und damals Polen zugehörig – und Brandenburg, das Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation war, auf welch unterschiedliche Weise die Reformationsgeschichte in den beiden Territorien ablief.

Neben kostbaren Gemälden und Kunstkammerobjekten präsentiert die Schau auch herausragende Archivalien und Alltagszeugnisse aus Museen, Bibliotheken, Archiven, Privatsammlungen und Kirchen des In- und Auslands. Markantestes Zeugnis für die enge Verbindung Preußens mit der Reformation sind zwei Bände der kostbaren Silberbibliothek von Herzog Albrecht von Preußen. Sie galt nach dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Ein weiteres Highlight ist die einzig überlieferte Handzeichnung von Lukas Cranach d.Ä., die er von Luther 1532 anfertigte und sich heute in schottischem Privatbesitz befindet. Und ein Sensationsfund: Die kürzlich entdeckte lateinische Erstausgabe der Freiheitsschrift mit handschriftlichen Anmerkungen des Reformators veranschaulicht, dass Luther weiter mit den Inhalten rang und Einfluss auf die weiteren Ausgaben ausübte.

Die Zusammenhänge zwischen Reformation und Freiheit, dem Ursprung Preußens und der polnischen Nationalgeschichte erfahren die Besucher und Besucherinnen auf zwei Ausstellungsebenen. Die Sprengkraft von Luthers Freiheitsverständnis reicht auch in die Gegenwart, was die „Freiheitswerkstatt“ interaktiv im Kontext der DDR-Bürgerrechtsbewegung und aktueller Fragen zeigt. Die Schau leistet hervorragend, die anspruchsvolle Thematik mit innovativen Medien für alle Altersgruppen zu vermitteln. So können die jüngeren Besucher und Besucherinnen beispielsweise mit speziellen Lupen Kernzitate und Kurzerläuterungen, die in Gemälden projiziert werden, entdecken und besser begreifen. Ein umfangreiches Rahmenprogramm mit namhaften Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus ganz Europa vertieft die Denkanstöße der Ausstellung.