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Liebe Leserin, lieber Leser !

Isabel Pfeiffer-Poensgen, Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder

»Aus dem feuchten Keller in das sichere Archiv.« So und ähnlich lauteten die deutschlandweiten Schlagzeilen, als vor wenigen Wochen der private Nachlass Heinrich Bölls dem Kölner Stadtarchiv übergeben wurde. Die Kulturstiftung der Länder hatte entscheidenden Anteil am Zustandekommen und auch an der Finanzierung dieses Ankaufs, mit welchem Köln seine bedeutenden Bestände an Manuskripten des Nobelpreisträgers zu einem nahezu kompletten Heinrich-Böll-Archiv vollendet hatte. Und dann der 3. März! Das »sichere Archiv«, ein Trümmerhaufen.

Es dauerte Tage, bis der deutschen Öffentlichkeit bewusst werden sollte, dass nicht nur der schreckliche Verlust von Menschenleben hier zu beklagen war, sondern auch noch etwas anderes unter dem Schutt begraben war: das kulturelle Gedächtnis einer ganzen Kulturregion, die zu den ältesten und reichsten in ganz Deutschland zählt – nicht nur der Nachlass Heinrich Bölls, sondern Hunderttausende Zeugnisse, Urkunden, Briefe und Manuskripte. Das Gebäude mag unscheinbar gewesen sein, aber seine Zerstörung ist ein Desaster wie der Brand in Weimars Anna-Amalia-Bibliothek!

Der Vorstand der Kulturstiftung der Länder hat der Stadt Köln noch am Abend des Einsturzes 50.000,– Euro Soforthilfe zur schnellen Sicherung des unwiederbringlichen Archivbestandes angeboten. Angesichts der nationalen Dimension des Unglücks schien uns schnelles, effizientes und länderübergreifendes Handeln oberstes Gebot und überdies ein Zeichen auch der Solidarität. Aber noch ist es zu früh zu sagen, was aus Schutt und Dauerregen gerettet werden kann. Die Restaurierungsarbeiten werden, wenn denn überhaupt noch möglich, Jahrzehnte dauern. Auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, können helfen. Spenden Sie auf das Konto der Stadt Köln, Kontonummer: 22 22 22 10 bei der Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98, unter dem Stichwort »Historisches Archiv«.

Das Drama von Köln zeigt einmal mehr, wie wichtig die Sicherung nationaler Kunstschätze auch in heutigen Tagen ist! Nicht nur die einmalige Erwerbung, sondern eben auch die langfristige Verwahrung muss viel mehr in den Fokus rücken, genauso wie die Digitalisierung oder Sicherheitsverfilmung, wenngleich auch ein Original durch nichts mehr zu ersetzen ist.

Sie, liebe Leser, unterstützen uns seit Jahren bei der Restaurierung wichtiger Zeugnisse unseres kulturellen Erbes. Und auch in dieser Ausgabe von arsprototo wollen wir Sie wieder um Hilfe bitten: So möchte die Stadt Bautzen, deren eindrucksvolles Museum vor der Wiedereröffnung steht, Gemälde der Spätexpressionisten Carl Lohse und Pol Cassel restaurieren, und im Museum der bayerischen Gemeinde Polling warten mehrere Kunstwerke des Barockzeitalters auf ihre Sicherung für die Zukunft.

Aber auch Erfolge möchten wir Ihnen heute vermelden: So ist es der Kulturstiftung der Länder gelungen, den Nachlass Wilhelm Lehmbrucks für die Stadt Duisburg zu sichern. Eine über viele Jahre vorbereitete Erwerbung hat damit ihren glücklichen Abschluss gefunden, und wir freuen uns, dass damit auch die Forschung zu diesem bedeutenden Bildhauer nun auf neue Erkenntnisse hoffen darf. In arsprototo bezieht Ursel Berger, Direktorin des Berliner Georg-Kolbe-Museums und eine der besten Kennerinnen auf dem Gebiet der Bildhauerei, Stellung zu der auch im Falle Lehmbrucks gestellten Frage nach der Einordnung der posthumen Güsse, eine Frage, die bei der Bewertung manch eines Bildhauernachlasses eine wichtige Rolle spielt.
In dieser Ausgabe von arsprototo wenden wir uns besonders Sachsen zu, und mit Bernhard Schulz haben wir einen versierten deutschen Kulturjournalisten gebeten, Sie und uns auf eine Reise durch das Land zwischen Leipzig und Görlitz mitzunehmen.

Frohe Ostertage und einen schönen Frühlingsanfang wünscht Ihnen Ihre
Isabel Pfeiffer-Poensgen