Publikationen

Ein Klosterdorf voller Kunst

Vom Mittelaltar bis zur Säkularisation war es ein Sitz der Augustinerchorherren, barocke Architektur prägt das Stadtbild, Thomas Manns Doktor Faustus spielt hier, von Leonard Bernstein über Gidon Kremer bis zur New Yorker Avantgarde sind Künstler hier immer wieder gerne zu Gast: Das oberbayerische Polling blickt auf 1.000 Jahre bewegte Geschichte zurück und präsentiert selbstbewusst seine Kunstschätze. Bitte unterstützen Sie das Museum der Gemeinde bei der Rettung wertvoller Kulturgüter!  / Marieanne von König

Ansicht von Kloster Polling, Kupferstich von Michael Wening, 1701

Ein großes Fest für eine kleine Gemeinde: Im Jahr 2010 wird das oberbayerische Polling sein tausendjähriges Jubiläum begehen. Kaiser Heinrich II. gründete dort im Jahr 1010 das Kloster Polling – drei Jahrhunderte lang davor soll es aber bereits ein kleineres Kloster gegeben haben.

Der Hochaltar der Stiftskirche St. Salvator und Heilig Kreuz mit dem monumentalen, mit bemaltem Pergament überzogenen Holztafelkreuz, um 1200

Seit dem 12. Jahrhundert bis ins Jahr 1803 in Zeiten der Säkularisation war Polling ein Augustinerchorherrenstift. Die Augustinerchorherren von Polling waren von Anfang an Mönche, die mitten im öffentlichen Leben standen: Sie waren in der Seelsorge der umliegenden Pfarreien tätig, im Schulwesen, waren Universitätsprofessoren und Wissenschaftler.

Seine Blütezeit erlebte Kloster Polling im 18. Jahrhundert, vor allem unter der Regentschaft von Probst Töpsl in der Zeit von 1744 bis 1796. Er machte das Kloster nicht nur zu einem regionalen, sondern auch zu einem europäischen Zentrum von Kultur, Bildung und Wissenschaft. Er baute eine Bibliothek mit 80.000 Bänden auf, die bis zur Säkularisation zu den größten des Landes zählte. Er förderte die Wissenschaften und hatte Anteil an der Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

Er und seine Chorherren standen im Austausch mit Akademien in ganz Europa, so mit Bologna und Paris. Zeitweise war Probst Töpsl auch für das gesamte bayerische Schulwesen und die Universität Ingolstadt verantwortlich. Zusammen mit seinem Chorherren Eusebius Amort wurde er zum Motor der katholischen Aufklärung in Bayern.

Töpsl beschäftigte an seinem Kloster große barocke Baumeister, Stuckateure und Maler seines Jahrhunderts – unter ihnen Johann Michael Fischer, Johann Baptist Straub, Johann Baptist Baader, Thassilo Zöpf und Matthäus Günther. Ihre Werke sind das, was heute die kleine Gemeinde Polling zu etwas ganz Besonderem macht: zu einem »Klosterdorf« mit einer der schönsten barockisierten gotischen Hallenkirchen Bayerns, einem barocken Bibliothekssaal, in dem heute Gidon Kremer genauso Konzerte gibt wie vor ihm Leonard Bernstein oder Maurizio Pollini; dem Fischerbau, einem der wenigen Profanbauten von Johann Michael Fischer, der heute Ausstellungsraum ist, dem Regenbogenstadl von Emanuel Seidl, in dem Avantgarde-Kunst und -Musik wie von La Monte Young aus New York zu erleben ist.

Skulptur des heiligen Augustinus, Patron des Augustinerchorherrenordens, entstanden um 1700. Farbabplatzungen und erhebliche Fassungsschäden bedrohen diese Holzskulptur.

Der Anziehungskraft dieser »Infrastruktur« war es wohl auch zu verdanken, dass Polling im 19. Jahrhundert zu einem Malerdorf wurde, in dem Defregger ebenso malte wie Zügel oder die »Duveneck Boys«, amerikanische Maler, die alljährlich bei den Bauern einzogen, um die Pleinair-Malerei zu praktizieren. Auch die Mutter von Thomas Mann lebte lange Zeit in Polling. Sein »Doktor Faustus« spielt im wesentlichen in diesem Ort.

So ist es nicht erstaunlich, dass Polling auch über ein Museum verfügt, ein sogenanntes Heimatmuseum, das aber weit darüber hinaus ein Museum für Kunst und Kultur ist und in seiner Vielseitigkeit an die Wunderkammern – auch die des Klosters – zu Zeiten der Renaissance und des Barocks erinnert.

Aufgrund der Säkularisation von 1803, bei der das Kulturgut des Klosters verstaatlicht, verschleudert oder vernichtet wurde, sind nur wenige Relikte aus dem früheren Kloster im Museum vorhanden. Aber dank der Initiative und Sammelleidenschaft früherer und heutiger Pollinger Bürger konnte das Museum eine stattliche Sammlung aus den Bereichen religiöser Kunst, Volksfrömmigkeit, Malerei und Alltagskultur vergangener Jahrhunderte zusammentragen. Neben Sammlungen von Hinterglasbildern, Weihwasserkesselchen, Rosskämmen und bemaltem bäuerlichen Mobiliar finden sich hier hochrangige Einzelexponate wie z.B. ein bemaltes Walschulterblatt aus dem 17. Jahrhundert aus der früheren Wunderkammer des Klosters oder ein Porträt von Probst Töpsl von Johann Baptist Baader, auch Lechhansl genannt.

In der Gemäldegalerie geben Vertreter der Pollinger und der amerikanischen Malerschulen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts einen Einblick in das ländliche Leben ihrer Zeit. Darüber hinaus verfügt das Museum, ganz in der Tradition der früheren Naturalienkammer des Klosters, über eine Sammlung von Mineralien und Fossilien und eine Tuffausstellung, die eine der besten in Europa sein soll.

Schließlich sind es auch die vielen religiösen Holzskulpturen, die das Bild des Museums prägen. Und an ihnen wird die grundlegende Problematik eines Museums sichtbar, dessen Existenz – wie das gesamte kulturelle Leben Pollings – ganz auf ehrenamtlichem Engagement beruht. Die Skulpturen, teilweise auch künstlerisch beachtenswerte Figuren, weisen leider allesamt erhebliche Schädigungen ihrer Fassung auf. Bei manchen ist die Fassung schon so abgeblättert, dass dieser Prozess nicht mehr aufzuhalten ist. Andere, wie z. B. der heilige Augustinus, sollten so schnell wie möglich Konservierungsmaßnahmen unterzogen werden, um die verbliebene Fassung zu retten. Es könnte sich bei ihm um eine Arbeit von Martin Dirr (1674-1734) aus Weilheim oder seines Umkreises handeln. Schon mit 300,– bis 400,– Euro wäre dies zu leisten.

Dieser barocke Hausaltar aus dem 18. Jahrhundert ist vom fortschreitenden Zerfall bedroht. Seine Fassung muss dringend gefestigt werden. Das Museum in Polling bittet Sie um Ihre Unterstützung!

Bei einem kleinen, sehr qualitätvollen barocken Hausaltar aus dem 18. Jahrhundert beginnt die Fassung herunterzurieseln. Seine Konservierungsmaßnahmen sind auf Grund des Figurenreichtums und der Kleinteiligkeit so aufwändig, dass sie mit 5.000,– bis 6.000,– Euro veranschlagt sind. Das Museum bittet herzlich um Ihre Unterstützung, um diese Objekte vor dem Zerfall bewahren zu können.

Die kleine Gemeinde – die ohne eigenen Kulturetat ihr Bestes versucht, um das reiche kulturelle Erbe zu bewahren – stellt Räume im barocken früheren Seminaristengebäude zur Verfügung, zahlt Heizung und Strom. Der Hauptraum des Museums ist der frühere Refektoriumssaal mit einem fragmentarisch erhaltenen Deckengemälde von Matthäus Günther und Stuck von Tassilo Zöpf. Das Museum wird ehrenamtlich geführt von Mitgliedern des Heimatvereins, dem es gehört. Mit Vorträgen, kleinen Ausstellungen und Angeboten für Kinder wird das Museum mit Leben erfüllt, finanziert aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Was aber fehlt, sind Mittel für die Restaurierung oder wenigstens Konservierung von Gemälden und Skulpturen.

Am dringlichsten ist die Rettung des barocken Hausaltares. Er ist in einem prekären Zustand. Die Fassung ist schon sehr geschädigt, aber noch so intakt, dass das Gesamterscheinungsbild des Altares noch nicht gefährdet ist. Hilfe tut Not, damit auch zukünftige Generationen sich ein Bild von barocker Frömmigkeit und der Qualität künstlerischen Schaffens vergangener Jahrhunderte gerade im bayerischen Pfaffenwinkel machen können.

Bitte unterstützen Sie das Heimatmuseum Polling mit Spenden unter Stichwort »Polling« auf die Konten der Kulturstiftung der Länder. Überweisungsträger finden Sie am Ende dieses Hefts.

Für weitere Informationen:
Museum Polling
Kirchplatz 11, 82398 Polling, Telefon 0881-9279250
Öffnungszeiten: So 10 - 12:30 Uhr
Sonderöffnungszeiten und -führungen auf Anfrage.
Marieanne von König ist Vorstandsvorsitzende des Heimatvereins Polling e. V.