Freundeskreis

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Frank Druffner im Gespräch mit Georg Fahrenschon, dem Vorstandsvorsitzenden des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder

von Prof. Dr. Frank Druffner

Georg Fahrenschon, Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder
Georg Fahrenschon, Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder

Herr Fahrenschon, Sie sind im November 2014 zum Vorstand des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder gewählt worden. Anfang Februar fand die erste Vorstandssitzung des Freundeskreises unter Ihrem Vorsitz statt. Wie würden Sie die Aufgabe und das Selbstverständnis des Freundeskreises definieren?

Der Freundeskreis unterstützt die Kulturstiftung der Länder bei der Realisierung ihrer Ziele und möchte ihre Bedeutung weiter und vor allem nachhaltig in das breite Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Darüber hinaus bildet er ein bundesweites Netzwerk von kulturbegeisterten Unterstützern, das stetig wächst. Wir begreifen uns als Partner und Unterstützer öffentlicher Einrichtungen, der Kultur als ein konstitutives Element der Gesellschaft versteht und sich ihrer Förderung verpflichtet fühlt. Aus diesem Grund wirbt der Freundeskreis dafür, dass die Bewahrung des nationalen Kulturerbes nicht ausschließlich die Aufgabe der öffentlichen Hand sein kann und hebt die Bedeutung der privaten und unternehmerischen gesellschaftlichen Verantwortung für Kunst und Kultur hervor. Und als Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes kann ich in diesem Zusammenhang sagen, dass Kultur nur von unternehmerischer Förderung profitieren kann. Die Sparkassen-Finanzgruppe ist der größte Kulturförderer Deutschlands nach der öffentlichen Hand und hat viele Initiativen unterstützt, die ohne ihr Engagement nicht realisierbar gewesen wären.
Neben dem bürgerlichen Engagement bildet das ehrliche Interesse, unser Kulturgut zu bewahren, das Fundament des Selbstverständnisses des Freundeskreises. Aus diesem Grund stellt die Restaurierung von Kunstwerken aller Epochen auch einen wesentlichen Schwerpunkt der Förderarbeit dar. Die finanzielle Unterstützung steht dabei nicht allein im Vordergrund. Der Wert für den Empfänger, das Museum oder Archiv, ist von weit größerer Bedeutung. In einer Vielzahl von Fällen ist es ihnen aus eigener Kraft und mit eigenen Mitteln kaum möglich, Restaurierungen und Erwerbungen zu tätigen, die dringend zum Erhalt oder zur Vervollständigung der jeweiligen Sammlung erwünscht und notwendig sind. Als privatrechtlicher Verein kann der Freundeskreis dort zu Hilfe kommen, wo die Notwendigkeit am größten ist. Sich bei kulturpolitischen Debatten zu Wort zu melden, auf Defizite hinzuweisen und Vorbildliches hervorzuheben, rundet unser Selbstverständnis ab.

Die Fördermittel des Freundeskreises wurden bislang gezielt für Restaurierungsprojekte an sammelnden Einrichtungen in den östlichen Bundesländern verwendet. Soll dies auch 25 Jahre nach der deutschen Vereinigung so bleiben oder haben Sie für die Zukunft andere Pläne?

Seit der Gründung des Freundeskreises der Kulturstiftung der Länder im Jahr 1999 richtete sich der Blick bewusst auf die sogenannten Neuen Bundesländer. Die Nöte und Bedürfnisse der fünf Länder, die aus der DDR hervorgegangen sind, waren der breiten Öffentlichkeit von Anbeginn präsent. Dabei wurde der Fokus jedoch verstärkt auf die großen Projekte gesetzt, kleinere Museen, Archive oder Bibliotheken hatten oftmals das Nachsehen. Genau hier wollte der Freundeskreis Abhilfe schaffen und mit privatem Engagement und Eigeninitiative vor allem kleine und große Restaurierungsprojekte in Ost- und Mitteldeutschland unterstützen. Damit wurde gewährleistet, dass kleine, aber unverzichtbare und wichtige Kulturinstitutionen auch im vereinten Deutschland nicht erneut in der Peripherie verschwinden und von den Förderungen ausgegrenzt werden. Nach 25 Jahren deutscher Einheit ist es nun unser Anliegen, den geografischen Förderschwerpunkt des Freundeskreises auf die gesamte Bundesrepublik auszuweiten und eine inhaltliche Fokussierung zu entwickeln. Als Vorstand sind wir uns auch einig, dass der Freundeskreis weiterhin an dem Anspruch der Bündnisinitiative „Kunst auf Lager“, Restaurierung von Stücken im Depot, damit sie in die Schausammlung integriert werden können, festhalten sollte.

Sehen Sie die Sparkassen aufgrund ihrer regional tätigen Stiftungen als einen natürlichen Bündnispartner der Kulturstiftung der Länder, die ja ebenfalls ganz explizit einem dezentralen, nämlich dem föderalistischen Prinzip verpflichtet ist?

Das kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Und zwar genau auf Grund des von Ihnen angesprochenen Aspekts der dezentralen und föderalistischen Struktur, die ebenfalls typisch ist für die Organisation der Sparkassen-Finanzgruppe. Wie bei der Kulturstiftung der Länder bilden auch bei der Sparkassen-Finanzgruppe viele Institute, Verbundunternehmen, Versicherer und Stiftungen das große Ganze. Damit ist es uns möglich, eine nahezu flächendeckende Kulturförderung zu gewährleisten – ob im Kleinen durch die Sparkassen vor Ort oder im Großen, wie etwa auf Landesebene durch Landesbanken oder unsere Regionalverbände und deren Kulturstiftungen bzw. auf Bundesebene durch den Sparkassen-Kulturfonds des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Die 739 Stiftungen der Sparkassen-Finanzgruppe, von denen sich rund 180 alleine für Projekte im Bereich Kunst und Kultur engagieren, nehmen in diesem Kontext eine besondere Rolle ein. Als selbstständige, gemeinnützige Stiftungen privaten Rechts manifestieren sie die gesellschaftliche Verantwortung der Sparkassen nachhaltig und öffentlich und garantieren die dauerhafte Förderung gesellschaftlicher Belange. Wie die Kulturstiftung der Länder schaffen die Sparkassen mit ihren Stiftungen Substanz, von der die gesamte Allgemeinheit profitiert. Können Sie sich einen besseren Bündnispartner vorstellen?

Als Vorstand eines Freundeskreises ist man, salopp gesagt, immer auch eine Art gehobener Bittsteller: Man versucht, im eigenen Umfeld und darüber hinaus für seinen Verein und dessen Anliegen zu werben – und das heißt in erster Linie, Netzwerke zu erweitern und Spenden zu akquirieren. Würden Sie sagen, dass diese Aufgaben, zumal das so genannte „Fundraising“, Chefsache sein müssen?

Ich bin mir nicht sicher, ob ich Ihre Frage mit einem Ja beantworten kann, das alle anderen Möglichkeiten ausschließt. Die Praxis zeigt aber deutlich, dass beispielsweise Museen zum Teil nicht umfassend genug über Fördermöglichkeiten informiert sind. Aus diesem Grund verstehe ich die Akquisition von Fördermitteln und den Ausbau von Netzwerken nicht als Bürde meiner Funktion als Vorstandsmitglied, sondern als eine weitere Chance, Kultureinrichtungen im Sinne des Gemeinwohls zu unterstützen. Kommunikation und regelmäßiger Austausch sind dabei der Anfang von allem und schaffen eine wichtige Basis zwischen allen Beteiligten. Und gewiss, manchmal setzen Maßnahmen wie das Akquirieren von finanziellen Mitteln auch einfach eine bestimmte Augenhöhe der Partner voraus, um ans Ziel zu kommen.

Welche Projekte stehen als Nächstes auf der Tagesordnung?

Im Oktober dieses Jahres findet die Jahresversammlung des Freundeskreises in Brandenburg an der Havel statt. Momentan befindet sich das Rahmenprogramm in der Ausarbeitung. Fest steht allerdings, dass den Mitgliedern wieder ein umfassender Einblick in die Förderprojekte gegeben wird. In Brandenburg selbst haben wir sogar die Möglichkeit, ganz konkret an Objekte herangeführt zu werden, deren Restaurierung von uns gefördert wird. Darüber hinaus plant der Freundeskreis im Sommer einen Tagesausflug für die Mitglieder nach Berlin, bei dem das neue Schloss besichtigt werden soll. Als Großprojekt, das in beträchtlichem Umfang von bürgerschaftlichem Engagement angestoßen worden ist, interessiert es uns ebenso wie als Beispiel für den Umgang mit historischen Fragmenten und als zukünftiger Sitz einer breit gefächerten Kultureinrichtung, des Humboldtforums. Daneben wollen wir versuchen, eine der prominentesten Erwerbungen der Staatsbibliothek, die Reisetagebücher Alexander von Humboldts, mitgefördert von der Kulturstiftung der Länder, präsentiert zu bekommen. Im Jahr 2016 soll es dann die nächste Mitgliederreise geben.

Herr Fahrenschon, vielen Dank für das Gespräch!

Prof. Dr. Frank Druffner

ist Stellvertretender Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder.