Erwerbungsförderung

Wiener Möbelkunst

Das Museum für Angewandte Kunst Köln erwirbt einen kostbaren Lyra-Sekretär, um 1810. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Lyra-Sekretär, um 1810
Lyra-Sekretär, um 1810

In seinem ornamentalen und figürlichen Schmuck wirkt er wie ein Monument einer untergegangenen Wohn- und Schreibkultur: der Kölner Lyra-Sekretär, majestätisch ruhend auf Löwentatzen. Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden, besticht das kostbare Schreibmöbel als Sonderform der Wiener Möbelkunst mit seiner raffinierten und exquisiten Ausstattung – vergoldete Applikationen, feingeschnitzte florale Verzierungen, Götterfiguren auf hellgelbem Zitronenholz im Inneren des Sekretärs (Höhe 145 cm, Breite 103 cm, Tiefe 47 cm). Die Experten rätseln noch über die Identität seines Schöpfers – auf jeden Fall zeugt schon die aufwendige Verarbeitung des Sekretärs mit den geschweiften Korpusseiten vom hohen Materialwissen und der Kunstfertigkeit seines Erbauers. Über die gesamten Flächen bildet Mahagoni das Furnier, es sorgt für die bestechende Eleganz des Möbels, das wie aus einem Guss wirkt. Von Dekor umrankt, sitzen am Fuße des Möbels raubtierartige Wesen wie Beschützer Wache  – Mischgestalten von nachdrücklicher Präsenz, halb Löwe, halb Raubvogel. Im Inneren offenbart das Möbel seine verborgenen Schätze: Geheimfächer hinter den Schubläden, Spiegel mit neogotischen Maßwerkpaneelen; oberhalb des Sockels flankieren zwei Pilaster den Eingang des auf Tiefenwirkung setzenden Mittelfachs, links und rechts bekrönt eine Sphinx das edle Interieur des Schreibmöbels: wahrhaft der perfekte Ort, um beispielsweise wichtige Korrespondenz zu erledigen oder ein kleines Gedicht zu verfassen.

Ursprung und Auftraggeber des Lyra-Sekretärs liegen noch im Dunkeln und werden Gegenstand zukünftiger Forschungen sein. Lyra-Sekretäre waren zu ihrer Zeit das anspruchsvollste Meisterstück, das ein Wiener Kabinettmacher als Vorzeigeobjekt für seine Fertigkeiten wählen konnte. Die auffällige Form mit den geschwungenen Seitenteilen erinnert an das bekannte Instrument der Antike, die Lyra. Der Künstler illustrierte Vorstellungen der damaligen Antikenbegeisterung, die so auch dieses spektakuläre Schreibmöbel entstehen ließ.

Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Stadt Köln und der Overstolzengesellschaft erwarb das Museum für Angewandte Kunst Köln den Lyra-Sekretär, der um 1810 entstanden ist. Pünktlich zu seinem 125-jährigen Jubiläum kann das Museum mit dem kostbaren, seltenen Stück seine hochwertige Möbelsammlung des 19. Jahrhunderts aufs Schönste ergänzen.