Ausstellungsförderung

Sehenswertes im Museum

Mit insgesamt über einer Million Euro fördert die Kulturstiftung der Länder dreizehn bedeutende kunst- und kulturhistorische Ausstellungen in deutschen Museen.

Unter der Leitung seiner Vorsitzenden, Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht, hat der Stiftungsrat der Kultur­stiftung der Länder auf seiner Sitzung am 30. November 2012 in Erfurt beschlossen, dreizehn bedeu­tende kunst- und kultur­historische Ausstellungs­vorhaben in Deutsch­land mit insgesamt rund einer Million Euro zu unterstützen. Die 16 Länder stellen seit 2009 jährlich Mittel bereit, um über die Kulturstiftung der Län­der wich­tige Aus­stellungs­projekte von überregionaler Ausstrahlung zu unter­stützen. Kriterien für eine Förderung sind darüber hinaus: Die Ausstellungen sollen aus der eigenen Sammlung entwickelt und inter­disziplinär erarbeitet sein so­wie besucher­orientiert präsentiert und vermittelt wer­den; wissen­schaftliche Ergebnisse sollen dauer­haft wirksam bleiben. Bei den erwähnten Ausstellungstiteln handelt es sich teilweise noch um Arbeitstitel.

Mit der Ausstellung „Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen. Von Klimt bis Beckmann“ widmet sich die Berlinische Galerie in Kooperation mit der öster­reichischen Galerie Belvedere in Wien vom 26.10.2013 – 27.1.2014 dem Dialog der beiden Metropolen in der bildenden Kunst Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Protagonisten der Schau sind u. a. der Impressionist Max Liebermann als Berliner Vertreter, für Wien Gustav Klimt als Repräsentant der ornamentalen Form und des Symbolismus. Die Verdrängung Wiens als Kunsthauptstadt durch Berlin ab 1910, anschließend die enge Vernetzung und der ständige Austausch beider Städte, in den 1930er Jahren der Dadaismus in Berlin und der Kinetismus in Wien: Die dialogisch angelegte Ausstellung möchte die gemeinsame und parallele künstlerische Entwick­lung beider Metropolen nachzeichnen. Neben Künstlern wie Gustav Klimt und Max Liebermann werden Max Beckmann, George Grosz, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Otto Dix und Emil Orlik, aber auch weniger bekannte Künstler der beiden Städte mit ihren Werken vertreten sein.

Wie wurde Europa christlich? Mit ihrer Ausstellung „CREDO – Christianisierung Europas im Mittelalter“ gehen die Stadt Paderborn, das Erzbistum Paderborn und der Landschaftsverband Westfalen-Lippe dieser Frage nach und dokumentieren die Ausbreitung des christlichen Glaubens in Europa (26.7. – 3.11.2013). Die Schau ist auf drei Ausstellungsorte verteilt: Sie startet mit der Antike im Diözesanmuseum, gefolgt vom Mittelalter im Museum in der Kaiserpfalz. Die Städtische Galerie am Abdinghof schließt mit der Neuzeit. Mit der Vereinbarung von Mailand im Jahr 313 fing alles an: Der römische Kaiser Konstantin erklärte das Christentum offiziell zur anerkannten Religion, damit begann seine Entwicklung zu einer Weltreligion. Hochkarätige Exponate aus Museen in ganz Europa erwarten die Besucher der Ausstellung: Slawische Idole, skandinavische Stabkirchenportale oder irische Vortragekreuze zeugen vom Wandel des Christentums über die Jahrhunderte.

Irisierende Farben, faszinierende Impressionen vom Grund des Meeres – das Staatliche Museum Schwerin zeigt vom 14.6. – 15.9.2013 seine Ausstellung „Schimmern aus der Tiefe – Muscheln, Perlen, Nautilus“. Neben den wertvollen Edelmetallen Gold und Silber und Materialien wie Ebenholz und Schildpatt waren – nach der Entdeckung der Welt durch die Europäer in der Renaissance – auch Muscheln, Schneckenhäuser, Perlen und Perlmutt an den Höfen überaus beliebt bei der Verzierung von Möbeln, Schmuck und Waffen. Fragile Objekte aus heute eher wenig bekannten Materialien wurden für die Schau restauriert, etliche kunstvolle Preziosen und Kleinodien werden nach langer Zeit in neuem Glanz wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Die mehr als 100 kostbaren Exponate aus dem reichen Fundus des ehemaligen Großherzoglichen Museums werden ergänzt durch Leihgaben aus Kunstmuseen, naturhistorischen Sammlungen und Bibliotheken. Im ausstellungs­begleitenden Katalog werden künstlerische Verarbeitung, Zusammensetzung und Symbolik der unterschiedlichen Materialien thematisiert.

Einen großen Hessen feiert Darmstadt mit der kulturhistorischen Ausstellung „Georg Büchner 1813 – 1837“. Anlässlich von Büchners 200. Geburtstag im Jahr 2013 kann die Schau im Darmstadtium vom 13.10.2013 – 16.2.2014 besucht werden. Die Aus­stellung entsteht in Zusammenarbeit des Instituts Mathildenhöhe Darmstadt mit der Georg Büchner Gesellschaft und der Forschungsstelle Georg Büchner an der Universität Marburg. Obgleich Büchners Werk nicht umfangreich ist, gilt er nicht nur als einer der bedeutendsten Schriftsteller des Vormärz, sondern betätigte sich auch als Naturwissenschaftler und wurde wegen revolutionärer Umtriebe verfolgt. Illustriert wird diese Vielschichtigkeit mit historischen Bildquellen, Kunstwerken und kultur­historischen Objekten, aufgeteilt in zehn Ausstellungskapitel.

Weiterhin gefördert von der Kulturstiftung der Länder wird die Ausstellung „Brueghel“ in der Alten Pinakothek in München (22.3. – 16.6.2013). Die Ausstellung untersucht das künstlerische Schaffen der bedeutenden Antwerpener Künstlerfamilie Brueghel, sowohl in ihrer individuellen künstlerischen Entwicklung als auch in der Zusammenarbeit mit zeitgenössischen flämischen Malern wie Peter Paul Rubens oder Hendrik van Balen. Die Alte Pinakothek besitzt den weltweit größten Bestand von Werken Jan Brueghels d. Ä., sowie Werke seines Vaters Pieter Brueghel d. Ä., seines Bruders Pieter d. J. und seines Sohnes Jan d. J., der nun erstmalig in einer Ausstellung präsentiert wird. Seit Jahrzehnten befanden sich etliche Werke der Malerdynastie im Depot der Alten Pinakothek. Sie waren in den letzten Jahren Gegenstand der Forschung: Die Maltechniken der Familienmitglieder wurden mikros­kopisch untersucht, um u. a. die unterschiedlichen Schaffensphasen der Künstler­familie zu dokumentieren; außerdem wurden einige Werke aus dem Depot aufwendig restauriert, sie werden erstmals seit Jahrzehnten wieder zu bewundern sein. Die wissenschaftlichen Ergebnisse für den Münchner Sammlungsbestand werden im Ausstellungskatalog von internationalen Experten vorgestellt.

Eine weitere von der Kulturstiftung der Länder geförderte Ausstellung präsentieren die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden auf Schloss Hubertusburg: „Die königliche Jagdresidenz Hubertusburg und der Frieden von 1763“ (28.4.2013 – 5.10.2013). Die Festung war im 18. Jahrhundert eine der herausragenden Schloss­anlagen in Deutschland. 1752 fertig gestellt, verfügte das Jagdschloss über eine außer­ordentlich prunkvolle Ausstattung und machte so seinem Beinamen „sächsisches Versailles“ alle Ehre. Entsprechend diente es auch häufig als Kulisse für große Festveranstaltungen. Im Verlauf des Siebenjährigen Krieges plünderten jedoch preußische Truppen das Schloss, bevor dort 1763 Sachsen, Österreich und Preußen schließlich das Ende des Krieges besiegelten. Der sogenannte Hubertusburger Friede jährt sich 2013 zum 250. Mal – Anlass genug, um seinen historischen Schauplatz ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken. Der erste Teil der Ausstellung behandelt die Funktion von Hubertusburg als Jagdschloss: Ausgewählte Waffen und Jagdgeräte veranschaulichen die Entwicklung der Parforcejagd. Im zweiten Teil wird die Regent­schaft August III., der im Friedensjahr 1763 starb, dargestellt: Möbel, Gemälde und Porzellane zeichnen ein eindrucksvolles Bild des prachtvollen höfischen Lebens vor dem Siebenjährigen Krieg.

Ob Gilde, Gaffel, Innung oder Zeche – auch heute findet man sie noch in bestimm­ten Regionen der Schweiz: die Zünfte. Von ihrer Gründung im Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein organisierten und bestimmten sie mit strikten Regularien und einem zeremoniellen Verhaltenscodex das Leben der Handwerker im deutsch­sprachigen Mitteleuropa. Basierend auf den Ergebnissen eines Forschungsprojekts widmet sich nun das Germanische Nationalmuseum Nürnberg mit der Aus­stellung „Zünftig! – Geheimnisvolles Handwerk 1500 – 1800“ (21.3.2013 – 7.7.2013) dem Leben der Handwerker im Mittelalter. Aus dem Germanischen Nationalmuseum und bedeutenden Sammlungen Europas werden zum einen Alltagsgegenstände wie Trinkgefäße oder Wurstbügel zu sehen sein, Lebenswelten einzelner Handwerker werden exemplarisch vorgestellt, ihr Familienleben beleuchtet. Zum anderen geben restaurierte Porträts, Heiligenfiguren und kunstvolle Meisterstücke Aufschluss über Strukturen, Abläufe und den soziologischen Hintergrund des korporierten Handwerks.

Einen der wichtigsten Künstler der deutschen Nachkriegszeit stellt das Kunst­mu­seum Stuttgart vor: den Maler, Bühnenbildner und Typographen Willi Baumeister. Sein Nachlass befindet sich im Archiv des Kunstmuseums Stuttgart und wird nun in der Ausstellung „Willi Baumeister International“ präsentiert (19.10.2013 – 23.2.2014). Mit Gemälden und Zeichnungen, aber auch Ausstellungskatalogen, Presseartikeln aus 100 Jahren sowie Fotografien und Audio-Kassetten mit Interviews beherbergt das Kunstmuseum Stuttgart die weltweit umfangreichste Sammlung von Werken Baumeisters und von Zeugnissen seines Lebens. Die Ausstellung zeigt Baumeisters großen Einfluss auf die Kunstentwicklung in der neu gegründeten Bundesrepublik. Ebenso werden Werke befreundeter Künstler präsentiert, die sich im Besitz des Kunstsammlers Baumeister befanden, darunter Gemälde von Wassily Kandinsky und Fernand Léger.

Mit der Ausstellung „Körper – Bilder – Sensationen“ stellt das Deutsche Hygiene­museum Dresden von November 2014 bis April 2015 ein fast vollständig erhaltenes historisches Panoptikum vor. Bereits 2009 hatte das Museum mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder eine einzigartige Sammlung wächserner Körpermodelle aus finnischem Besitz erworben. Die Figuren liefern Einblicke in den menschlichen Kör­per mit verschiedenen Krankheitszuständen aus allen erdenklichen Perspektiven und dienten so im 19. Jahrhundert u. a. zur Aufklärung der Menschen. Ausgestellt auf Jahrmärkten, weckten sie aber auch Voyeurismus und Sensationslust der Massen. Gleichzeitig erklärten sie wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse: Der Weg der medizinischen Forschung von außen ins Innere des menschlichen Körpers wird in der Schau ebenfalls thematisiert. Zusätzlich werden die Figuren in Zusammenhang gesetzt mit zeitgenössischen künstlerischen Darstellungen des menschlichen Körpers und eröffnen damit neue Perspektiven zur nicht mehr nur wissenschaftlichen, sondern auch ästhetischen Relevanz des Panoptikums.

Einen sensationellen Fund stellt das Landesmuseum Hannover in Kooperation mit dem niedersächsischen Denkmalamt vor: In ihrer Schau „Im Goldenen Schnitt“ (23.8.2013 – 2.3.2014) präsentieren sie den bronzezeitlichen Goldfund von Gessel, etwa aus der Zeit Tut-anch-Amuns. Der Schatz – mit 1,8 Kilogramm Gewicht einer der größten vorgeschichtlichen Goldfunde in Mitteleuropa, vergraben im vorchrist­lichen 14. Jahrhundert – wird mit neuesten wissenschaftlichen Methoden auf diverse Aspekte untersucht. So können in dieser Ausstellung erste Erkenntnisse über die Herkunft und Verarbeitung von Rohstoffen von der Steinzeit bis in die Neuzeit vorgestellt werden. Ausführlich wird die Beschaffung der Werkstoffe Kupfer, Gold und Eisen beleuchtet. Die archäologischen Ausgrabungen gaben zudem Aufschluss über bis dato unbekannte Siedlungs- und Bestattungsräume aus über 12.000 Jahren niedersächsischer Geschichte.

Anlässlich seines 200. Todestages wird der wichtigste Porträtist um 1800 im deutsch­sprachigen Raum gewürdigt: Anton Graff, der laut Aussagen seines Schwiegervaters Johann Georg Sulzer seinen Modellen „in die Seele blickte“. Mit der Ausstellung „Anton Graff – Blick in die Seele“ (25.10.2013 – 23.2.2014) präsentiert die Alte National­galerie Berlin in Kooperation mit dem Museum Oskar Reinhart am Stadtgarten in Winterthur (CH) eine Auswahl an Ölgemälden Graffs. Von Aristo­kraten über Dichter und Schauspielerinnen bis hin zu Selbstbildnissen – Anton Graffs Modell­auswahl war vielfältig, seine Darstellungen stets von Empathie geprägt. Charak­teristisch für seine Arbeit war das Beobachten und Einfangen unterschiedlicher Stimmungen. Nicht der repräsentative Aspekt stand im Vordergrund, sondern die Erfassung des Wesens und der Individualität der Porträtierten. Der Künstler hinterließ ein Œuvre von über 1.800 Bildern – aus vielen deutschen und schweizerischen Museen kommen in der bisher größten Ausstellung zu Anton Graff zahlreiche Werke nach Berlin. Die wissenschaftlichen Beiträge des Katalogs sollen Graffs künstlerisches Schaffen in einen europäischen Kontext stellen.

Das Badische Landesmuseum Karlsruhe lädt zur Ausstellung „Das Konstanzer Konzil. Weltereignis des Mittelalters 1414 – 1418“ im Konzilsgebäude Kostanz (27.4. – 21.9.2014). Vor genau 600 Jahren fand in Konstanz das erste „Gipfel­treffen“ der Kirchenpolitik statt. Delegationen aus ganz Europa kamen zusammen, um über die Situation der Kirchen in Europa und mögliche Reformen zu ver­handeln. Im Anschluss war Konstanz vier Jahre lang Treffpunkt des interkulturellen Austauschs und der innereuropäischen Begegnung. Die bedeutendste Leistung des Konzils war jedoch, die im Streit befindliche katholische Kirche unter einem Papst zu vereinen. Ebenso entwickelten sich hier bereits erste reformatorische Gedanken, die 100 Jahre später zur Reformation führten. Das Jubiläum dieses bedeutsamen Ereignisses ist Anlass genug, am Originalschauplatz in einer großen Ausstellung chronologisch durch die vier Jahre des Konzils zu führen. Neben Malerei und Skulpturen aus dem 15. Jahrhundert wird der Verlauf des Konzils bis zur Krönung des neuen Papstes Martin V. nachgezeichnet. Ein Epilog liefert einen Ausblick auf die Reformation und die Frührenaissance.

Das Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte präsentiert vom 10.5. bis 2.11.2014 mit „Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft“ die erste brandenburgische Landesausstellung im Renaissanceschloss Doberlug. Die jahrhundertelange friedliche Nachbarschaft Preußens und Sachsens, geprägt von kulturellem Austausch und gegenseitigem Respekt, wurde zeitweise auch von wirtschaftlichen und politischen Konflikten gestört, die mitunter bis zur offenen Feindschaft wuchsen. Anlass der Ausstellung ist das 200-jährige Jubiläum des Wiener Kongresses, im Zuge dessen europäische Grenzen neu gezogen und Staaten neu definiert wurden. In der Folge fielen beinahe zwei Drittel des sächsischen Territoriums an Preußen. Die wechselvolle Beziehung der beiden Staaten vom 17. bis zum 19. Jahrhundert wird in dieser Ausstellung anhand von hochkarätigen Kunstwerken und weiteren historischen Zeugnissen beleuchtet.

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