Ausstellungsförderung

Kunst zum Sehen

Mit insgesamt rund 800.000 Euro fördert die Kulturstiftung der Länder elf bedeutende kunst- und kulturhistorische Ausstellungen in deutschen Museen.

Unter der Leitung seines Vorsitzenden, Brandenburgs Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke, hat der Stiftungsrat der Kulturstiftung der Länder auf seiner Sitzung am 26. November 2014 in der Staatskanzlei des Landes Brandenburg in Potsdam
u. a. beschlossen, elf bedeutende kunst- und kulturhistorische Ausstellungsvorhaben in Deutschland mit insgesamt rund 800.000 Euro zu unterstützen. Die 16 Länder stellen seit 2009 jährlich Mittel bereit, um über die Kulturstiftung der Länder wichtige Ausstellungsprojekte von überregionaler Ausstrahlung zu unterstützen. Kriterien für eine Förderung sind darüber hinaus: Die Ausstellungen sollen aus der eigenen Sammlung entwickelt und interdisziplinär erarbeitet sein sowie besucherorientiert präsentiert und vermittelt werden; wissenschaftliche Ergebnisse sollen dauerhaft wirksam bleiben. Bei den erwähnten Ausstellungstiteln handelt es sich teilweise noch um Arbeitstitel.

Weitere Informationen zu den Förderkriterien und zur Antragstellung für eine Ausstellungsförderung finden Sie auf der Website www.kulturstiftung.de.

Eine Auswahl der beschlossenen Ausstellungsförderungen

Was uns heute privat erscheint, war im Europa der Monarchien stets von politischer Brisanz: Gezielte Heiratspolitik und geschickte Partnerwahl entschieden über den Aufstieg von Adelsgeschlechtern zu bedeutenden Dynastien, die ganze Königreiche regieren sollten. „Frauensache. Wie Brandenburg Preußen wurde“ heißt es vom 22.8. bis 22.11.2015 im Theaterbau von Schloss Charlottenburg der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Aus dem Blickwinkel der Ehefrauen und Töchter der fürstlichen Herrscher schildert die Ausstellung die 500-jährige Entwicklung des Hauses Hohenzollern zur Großmacht in Europa und illustriert das Wirken einflussreicher Frauen, welche die Geschichte Deutschlands maßgeblich beeinflusst haben. Erzählt werden spannende Ereignisse um Persönlichkeiten wie Elisabeth von Dänemark (1485–1555), die im engen Kontakt zu Martin Luther die Entwicklung der protestantischen Kirche in Preußen entscheidend vorantrieb, oder die zum Mythos gewordene Begegnung Napoleons mit der Prinzessin Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776–1810), der Symbolfigur des Wiederaufstiegs Preußens.

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen ehrt den Künstler Günther Uecker anlässlich seines 85. Geburtstages im K20 mit der Einzelausstellung „UECKER“ (7.2. – 10.5.2015). In Düsseldorf, wo der Künstler ab 1955 nach der Übersiedlung aus der DDR studierte und ab 1974 als Professor an der Kunstakademie einflussreich wirkte, werden dann erstmals Exponate aus 60 Jahren Kunstschaffen in seiner „Werkstadt“ präsentiert: von den frühen monochromen Malereien, den kinetischen Lichtobjekten des Mitglieds der Gruppe ZERO über seine genagelten Sinnbilder für Gewalt und Durchdringung bis hin zu den politischen und historischen Fragestellungen des Spätwerks. Umfassend gewürdigt wird anhand exemplarischer Schlüsselwerke und einer multimedialen Installation aus Fotografien, Filmen, Manifesten und Archivdokumenten die künstlerische Haltung Günther Ueckers – sein unerschütterlicher Glaube an die Kraft der Kunst sowie sein künstlerisches Ziel, durch Reinheit, bizarre Schönheit und Stille eine neue Welt vorstellbar zu machen.

Handgeknüpfte textile Pracht aus Samt und Seide, veredelt mit raffinierten Goldstickereien und prunkvollen Besätzen aus Seidenschnüren – der Haute Couture des 16. und 17. Jahrhunderts widmet das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg die große Sonderausstellung „In Mode – Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock“ (5.11.2015 – 7.2.2016). Erstmals präsentiert damit das Haus seine Kollektion kostbarer Kostüme nach der aufwändigen Restaurierung der fragilen und lichtempfindlichen Gewänder und Accessoires. In der Gegenüberstellung der in Europa teils einzigartigen Stücke mit Bildnissen aus internationalen Museen – ergänzt durch kulturhistorische Zeugnisse des Schneiderhandwerks und der Kleiderpflege – nimmt die Schau die symbolische Sprache der Kleidung als gesellschaftliches Phänomen der Repräsentation in den Blick. Denn damals wie heute gilt: Kleider machen Leute.

Mit Malereien wie leuchtende Farbexplosionen prägte Karl Schmidt-Rottluff (1884–1976) ab 1905 maßgeblich den Stil der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“. Von der künstlerischen Kühnheit des Brücke-Mitbegründers zeugt eine von der Kulturstiftung der Länder geförderte Retrospektive in den Kunstsammlungen Chemnitz. Bestückt aus den umfangreichen Beständen des Hauses, zeigt die Ausstellung „Karl Schmidt-Rottluff“ (22.11.2015 – 28.3.2016) – erstmals im Geburtsort des Künstlers – die sechzigjährige Werkentwicklung des Avantgarde-Pioniers: frühe Ölskizzen aus der Chemnitzer Gymnasialzeit, ikonische Brücke-Gemälde voller Schaffenseuphorie, das reife und eigenständige malerische Spätwerk des Professors der Berliner Hochschule für bildende Künste sowie Aquarelle, Holzschnitte und Mappenwerke – quer durch die wechselvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts von 1899 bis in die 1960er Jahre. Neben eigenen Arbeiten präsentiert die Schau zudem auch die Sammlung afrikanischer Plastik des Expressionisten als immerwährende Inspirationsquelle. Ein Begleitkatalog zur Ausstellung wird erstmals die Chemnitzer Bestände wissenschaftlich aufarbeiten.

Unter der Schirmherrschaft der UNESCO widmet sich das Schleswig-Holsteini­sche Landesmuseum Schloss Gottorf mit der Ausstellung „Von Degen, Segeln und Kanonen“ (28.5. – 4.10.2015) dem Unterwasserkulturerbe der Ostsee. Im Mittelpunkt der von der Kulturstiftung der Länder geförderten Ausstellung steht das im Jahr 1715 gesunkene Flaggschiff „Prinzessin Hedvig Sofia“: Einst Stolz der europäischen Großmacht Schweden im Kampf um die Vorherrschaft in der Ostsee, sank das Schiff mit einer 500 Mann starken Besatzung und 80 Kanonen an Bord und ruhte fast 300 Jahre unbemerkt auf dem Grund der Kieler Förde, bevor es 2008 wiederentdeckt und umfangreich untersucht wurde. Mit ausgewählten Exponaten lässt die Ausstellung das Leben an Bord lebendig werden, stellt die Schicksale der Besatzungsmitglieder dem fürstlichen Leben am Hofe gegenüber und liefert ausführliches Hintergrundwissen zu den politischen Interessen der vier europäischen Mächte Schweden, Dänemark-Norwegen, Russland und Sachsen-Polen zur Zeit des Großen Nordischen Krieges (1700–1721).

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