Erwerbungsförderung

Meisterhafte Maria

Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert – als ein Glanzstück der spektakulären Erwerbung von Werken aus der Sammlung der Fürsten zu Fürstenberg durch das Land Baden-Württemberg – den Wildensteiner Altar des Meisters von Meßkirch, 1536. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar im geöffneten Zustand, 1536, Mitteltafel 64 x 60 cm, Drehflügel je 68 x 28 cm
Meister von Meßkirch, Wildensteiner Altar im geöffneten Zustand, 1536, Mitteltafel 64 x 60 cm, Drehflügel je 68 x 28 cm

Die Reformation erfasste im 16. Jahrhundert bereits weite Teile Württembergs, während der fromme Graf Gottfried Werner von Zimmern eisern dem alten Glauben treu blieb: Emsig tätigte der Katholik Stiftungen für sein Seelenheil, engagierte einen Altarmaler und überhäufte ihn mit Aufträgen. Malerisches Glanzstück des – heute nur als Meister von Meßkirch bekannten – Künstlers ist der hervorragend erhaltene Wildensteiner Altar von 1536. Die Staatsgalerie Stuttgart präsentiert nun dieses kostbare Klappretabel, nachdem 2013 dem Land Baden-Württemberg mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung die spektakuläre Erwerbung eines Konvoluts aus der Donaueschinger Sammlung der Fürsten zu Fürstenberg gelang.

Der lediglich 68 cm hohe Altar schmückte zur Privatandacht die Kapelle des Schlosses Meßkirch, dem Stammsitz der Familie von Zimmern. Im geöffneten Zustand läutet die Mitteltafel das traditionelle Bildprogramm ein: Maria schwebt als Königin des Himmels auf einer Mondsichel, um sie scharen sich 14 Nothelfer. Lebhafte Details bereichern das zentrale Motiv: So krallt sich die Hand des Kindes ängstlich in den Lockenbart von Christophorus, während zwei Engel Maria unter Kraftanstrengung krönen. Dieser heiligen Szene wohnen der Stifter Gottfried Werner von Zimmern und seine Gemahlin Gräfin Appollonia zu Henneberg auf den Innenseiten der Drehflügel bei. Der Graf in Ritterrüstung mit gelüftetem Visier, die Gräfin in schwarzer Kleidung – kniend verziehen die Frommen keine Miene. Die prunkvolle Architektur im Hintergrund überrascht durch ihre renaissancehafte Gestalt: ein modern anmutender Kontrast zur konservativ spätgotischen Symbolik. Im geschlossenen Zustand offenbart der Altar die Rührung und Dramatik der Passionsgeschichte. Unter Tränen verabschiedet Maria auf der linken Tafel ihren Sohn, gebrochen vom Seelenschmerz. Auf den mittleren Drehflügeln reißt Christus seine Arme zum letzten Gebet nach oben, bevor er auf der rechten Tafel von seinen Peinigern gefesselt und davongezerrt wird.

Über den Meister von Meßkirch ist bis heute nichts Biographisches bekannt. Seine Altartafeln jedoch gelten als letzte, überaus kunstvolle Zeugnisse einer verschwindenden katholischen Bildtradition. Die Erwerbung des Wildensteiner Altars ermöglicht den Besuchern nun, sich dauerhaft von diesem nicht nur regionalgeschichtlich hochbedeutenden Meisterwerk altdeutscher Malerei faszinieren zu lassen.