Erwerbungsförderung

Mediale Wanderung

Das ZKM – Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe erwirbt Wolf Vostells Bildobjekt „Transmigración II“ von 1958. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Stumm flimmert ein Fernsehbild, lediglich sichtbar durch einen unscheinbaren Riss in der Leinwand – die dreiteilige Werkgruppe „Transmigración“ markiert nichts Geringeres als die Geburtsstunde der Medienkunst: Denn Wolf Vostell kombinierte in diesen Arbeiten erstmals das traditionelle, statische Medium der Malerei mit einem TV-Gerät und läutete damit das Zeitalter der Intermedia-Experimente ein. Mit dem 1958 entstandenen Bildobjekt „Transmigración II“ konnte nun das ZKM – Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe einen kunsthistorischen Meilenstein mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder für seine Sammlung erwerben.

Wolf Vostell, Transmigración II, 1958, 91 x 102 x 40 cm; ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe © VG Bild-Kunst, Bonn 2014/Foto: Wolf Vostell/The Wolf Vostell Estate
Wolf Vostell, Transmigración II, 1958, 91 x 102 x 40 cm; ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe © VG Bild-Kunst, Bonn 2014/Foto: Wolf Vostell/The Wolf Vostell Estate

Maler, Bildhauer, Videokünstler, Happening-Aktivist und führender Kopf der europäischen Fluxus-Bewegung – Wolf Vostell (1932–1998) gilt als künstlerischer Grenzgänger, der innovativ, geistreich und vielschichtig in allen Gattungen operierte. Der umtriebige Künstler kommentierte dabei in seinen Arbeiten gleich einem Seismographen die politischen Erschütterungen und das Zeitgeschehen. Insbesondere Fernsehapparaten, die zu den bedeutendsten industriellen Konsumartikeln der Nachkriegszeit zählen, schenkte er seine Aufmerksamkeit und lotete multiperspektivisch das künstlerische Potenzial des noch jungen Massenmediums aus: So produzierte Vostell neben Nam June Paik (1932–2006) erste Beispiele der Videokunst, veranstaltete am 11. September 1964 im ZDF das TV-Live-Happening „Weißer als weiß“, inszenierte raumgreifende TV-Installationen mit technisch manipulierten Bildröhren und goss die Empfangsgeräte gar in Beton.

Mit dem vom ZKM direkt aus dem Nachlass erworbenen Werk „Transmigración II“ schuf Vostell jedoch eine seiner ersten medialen Arbeiten. Beschwingt fügte er pastose Farbe zu einem Ölbild mit kraftvoller, die Figuration nur noch andeutender, dunkel glühender Malerei, schnitt und riss danach eine Öffnung in die Leinwand, durch welche die Bilder eines geschickt dahinter installierten Fernsehgerätes aufleuchten: Somit entstand ein avantgardistisches Kunstobjekt, das sich durch die wechselnden TV-Programme seit einem halben Jahrhundert stets im Wandel befindet. Die für nachfolgende Künstlergenerationen einflussreiche Arbeit gesellt sich im Museum für Neue Kunst des ZKM zu Werken aus verschiedenen Epochen von Vostells Schaffen. Mit dem Hybrid aus Gemälde und elektronischem Apparat ergänzt das Karlsruher Haus seine der Entwicklung der Medientechnologie und Kunst gewidmeten Sammlung um ein Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts.