Freundeskreis

Kunstlobby aus Leidenschaft

Der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder feiert sein 10-jähriges Jubiläum.

von Bernhard Schulz

Das Schreiben kam vom Bürgermeister. Das Oberhaupt der 750-jährigen „Töpferstadt“ Waldenburg in Sachsen bedankt sich darin „für den gewährten Zuschuss zum Einbau einer Brandmeldeanlage in unserem Heimatmuseum und Naturalienkabinett“. Gerichtet war der Brief an den Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder. Für den Verein Routine, für den Empfänger der Unterstützung ein besonderes Ereignis. Aber eben nicht nur für diesen: Denn was sich hinter dem Wort „Naturalienkabinett“ verbirgt, ist ein ganz herausragender Schatz: wissenschaftliche Instrumente, tier- und pflanzenkundliche Präparate und sogar ein ägyptischer Mumiensarg. Wie in einem Vergrößerungsglas zeigt diese Sammlung das wissenschaftliche Interesse, das besonders im 17. und frühen 18. Jahrhundert im Bürgertum lebendig war. Aus dieser Zeit stammt die Sammlung der Apothekerfamilie Linck, die den größeren Teil des Waldenburger Kabinetts ausmacht. Dessen originale Präsentation in Vitrinen und Wandschränken hat sich durch die Zeitläufte erhalten, so dass sich dem heutigen Besucher das „Museum eines Museums“ darbietet.

Bei näherem Hinsehen erweist sich die Hilfe des Freundeskreises immer wieder als derart bedeutsam. Bedeutsam nicht des schieren finanziellen Umfangs nach – das auch -, sondern bedeutsam für die Empfänger: Museen und Archive, denen es an den Mitteln mangelt, aus eigener Kraft Restaurierungen und Erwerbungen zu tätigen, die doch dringend zum Erhalt oder zur Vervollständigung der jeweiligen Sammlung erwünscht sind, oder eben auch scheinbar beiläufige Maßnahmen wie die Installation einer Brandschutzanlage in Waldenburg.

Der Freundeskreis der Kulturstiftung der Länder gründete sich vor nunmehr zehn Jahren. Der Ort des Gründungsaktes darf als programmatisch gewertet werden: die Neuen Kammern in Schloss Sanssouci in der brandenburgischen Hauptstadt Potsdam. Der Ministerpräsident des Landes Brandenburg hatte seinerzeit turnusmäßig den Vorsitz des Stiftungsrates der Kulturstiftung der Länder inne, so dass sich mit Sanssouci der wohl repräsentativste Ort Brandenburgs anbot; doch der Blick war damit bewusst auf die sogenannten Neuen Länder gerichtet. Die Nöte der fünf – mit Berlin fünfeinhalb – Länder, die aus der DDR hervorgegangen sind, waren der Öffentlichkeit von Anbeginn präsent. Doch konzentrierte sich die Aufmerksamkeit naturgemäß auf die ganz großen „Baustellen“, auf Städte wie Dresden, Weimar oder Stralsund. Die kleineren Museen, gar Bibliotheken oder erst recht Kirchen mit dezimierten Gemeinden hatten und haben das Nachsehen. Waren sie schon während der DDR-Zeit vernachlässigt worden, so gerieten sie im vereinten Deutschland erneut ans Ende der Prioritätenliste.

Unter diesen misslichen Voraussetzungen gezielt Abhilfe zu leisten, ist eine, wenn nicht überhaupt die Leitlinie des Freundeskreises. Denn die regelgerechte Verteilung öffentlicher Mittel an nachgeordnete Einrichtungen sowie Zuwendungsempfänger hinterlässt unvermeidlicherweise Lücken. Im politalltäglichen Kampf um knappe Gelder lässt sich schwer entscheiden, ob das eine Museum Geld für den Ankauf eines Objektes erhalten soll, während ein benachbartes Haus leer ausgeht. Der als privatrechtlicher Verein verfasste Freundeskreis kann über solche Erwägungen hinweggehen – und dort zu Hilfe kommen, wo nicht unbedingt die Not am größten ist, wohl aber die Notwendigkeit. Das kann im Einzelfall eine Brandschutzanlage sein, gewöhnlich ein Vorgang für die Routine der kommunalen Bauunterhaltung, aber höchst dringlich, wenn weiteres Zuwarten mit dem Risiko unwiederbringlichen Verlustes verbunden wäre.

Dr. Dietrich H. Hoppenstedt (rechts), seit Gründung Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises, mit dem Künstler Emil Cimiotti vor dessen Skulptur „Große Düne“ von 1992, der Jubiläumsgabe des Freundeskreises an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Mark
Dr. Dietrich H. Hoppenstedt (rechts), seit Gründung Vorstandsvorsitzender des Freundeskreises, mit dem Künstler Emil Cimiotti vor dessen Skulptur „Große Düne“ von 1992, der Jubiläumsgabe des Freundeskreises an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Foto: Oliver Mark

In der Arbeit der Kulturstiftung der Länder hat das erste der drei Leitmotive „Sichern, Bewahren, Vermitteln“ ein Übergewicht. Das liegt in der Natur der Sache, war es doch bereits ein wesentlicher Impuls ihrer Gründung, von Abwanderung und quasi Verlust bedrohtes Kulturgut durch Erwerb in öffentlichem Eigentum zu behalten respektive in solches zu überführen. Das „Bewahren“, wo es über diese Kernaufgabe hinausgeht, wie im Fall der geschilderten Brandmeldeanlage, steht nicht gleichermaßen im Fokus. Der Freundeskreis hingegen kann mit den von ihm aufgebrachten Mitteln helfen, wo Hilfe geboten erscheint. Dementsprechend vielfältig liest sich die Liste der bislang gewährten Unterstützungen. Geographisch jedoch richtet der Freundeskreis seinen Blick Richtung Osten. Das betrifft insbesondere die Restaurierungsmaßnahmen, die immer stärker in den Vordergrund getreten sind. Vorhaben in Altenburg, Arnstadt, Bautzen, in Cottbus, Gera und Eisenach, in Sondershausen, Weimar und Zeitz – um nur einen Teil der, geographisch gesehen mitteldeutschen Orte zu nennen – konnten unterstützt werden. Dietrich Hoppenstedt, von Anbeginn Vereinsvorsitzender, erklärte denn auch schon vor längerer Zeit, der Verein sei damit „eine wichtige Anlaufstelle für die Restaurierungsförderung bei ostdeutschen Museen geworden“. Es ist noch nicht lange her, dass ein Förderantrag von dem Satz begleitet wurde, man sei erst „vor kurzem auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht“ worden, die „Übernahme von Restaurierungskosten zu beantragen“. Ein wichtiger Impuls ging dabei von der Gründung von „KUR“ aus, dem gemeinsam mit der Kulturstiftung des Bundes angestoßenen „Programm zur Konservierung und Restaurierung von mobilem Kulturgut“. Der Anspruch, der mit diesem Programm verbunden ist, misst sich an der Bedeutung, die die Denkmalpflege seit dem europäischen Denkmalschutzjahr 1975 erlangt hat. „Hier muss ein Umdenken auch in der Politik bewirkt werden, sich für die Bewahrung und Erhaltung des kulturellen Erbes verantwortlich zu zeigen“, wie es Dietrich Hoppenstedt formulierte.

Dabei steht der Verein der Politik beileibe nicht fern. Die alljährlichen Mitgliederversammlungen finden nun schon traditionell auf Einladung des jeweils den Kulturstiftungsratsvorsitz innehabenden Ministerpräsidenten in der Hauptstadt des jeweiligen Bundeslandes statt, so dass nach Potsdam Bremen, Schwerin, Saarbrücken, Hamburg, München, Berlin, Düsseldorf und Wiesbaden an der Reihe waren, bevor in diesem Herbst die Jubiläums-Versammlung in Dresden vonstatten geht. Ohnehin ist der Verein „ein bundesweites Netzwerk von Menschen, denen die Aufgaben und Ziele der Kulturstiftung der Länder, die Bewahrung unseres kulturellen Erbes, wirklich am Herzen liegen“, wie Dietrich Hoppenstedt, ehemaliger Präsident des seinerseits kulturell höchst engagierten Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, gern betont.

Das tausendjährige Bautzen, in der sächsischen Oberlausitz gelegen, steht beispielhaft für das Restaurierungsprogramm. Die im Zweiten Weltkrieg ausgelagerten Skulpturen des Stadtmuseums erlitten schwere Schäden, die noch immer nicht vollständig behoben sind. Zur Wiedereröffnung des Museums im Mai 2009 sollte die vollständig geborgene Kanzel aus der ehemaligen Nikolaikirche im nahen Löbau gezeigt werden. Ein Förderantrag ging im Oktober 2007 beim Freundeskreis ein, zwei Monate später bereits erfolgte die Bewilligung: Gut 15.000 Euro flossen sodann nach Bautzen, und pünktlich zur Museumseröffnung konnte das Ensemble aus Kanzel, Altar, Taufbecken und Emporenbildern präsentiert werden.

Eine weitere Fördermaßnahme betraf die Restaurierung eines ganzen Konvoluts von Werken Carl Lohses. Mit Otto Pankok eng befreundet, mit dem er vor dem Ersten Weltkrieg in Weimar studiert hatte, rechnet er der zweiten Generation des Expressionismus zu, der „verschollenen Generation“, wie sie zuweilen ihrer mangelnden Repräsentanz in den Museen wegen genannt wird. Lohse geriet Zeit seines Lebens in kunstpolitische Auseinandersetzungen. Nach beiden Weltkriegen von enormem Schaffensdrang beflügelt, drückten ihn mangelnde Resonanz beim Publikum und im Alter der Formalismusvorwurf der SED-Ideologen nieder. Im nahe Bautzen gelegenen Bischofswerda verbrachte Lohse in den zwanziger Jahren seine produktivsten Jahre. Mit dem Ankauf von allein 17 Gemälden – unterstützt durch die Kulturstiftung der Länder und der anschließenden Restaurierung der Werke mit Hilfe des Freundeskreises – entstand in Bautzen ein Zentrum der Kunst Lohses, dessen Wiederentdeckung ihn gleichrangig neben Künstler wie Conrad Felixmüller oder Heinrich Ehmsen rückt.

Im Westen Deutschlands ist Bautzen seinem Namen nach als Ort des berüchtigten DDR-Zuchthauses geläufig. Viele Regimegegner oder auch nur als kritisch aufgefallene Intellektuelle waren hier inhaftiert. So auch der Bildhauer Wieland Förster, dessen Bronzeskulptur des antiken Marsyas als Museumsbestand den Kornmarkt Bautzens ziert – eine Erwerbung, die mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder getätigt werden konnte. Die Zuwendung des Freundeskreises flankiert manchmal auf glückliche Weise die der Länderstiftung, und gerade im Falle Bautzens konnte so nicht nur ein regional bedeutsames Museum, sondern die Stadt selbst kulturell nach vorne gebracht werden.

Wie weit die Unterstützung von Restaurierungen ausgreifen kann, belegt das Beispiel der Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien zu Berlin. Die Gemeinde, die Kunstschätze mehrerer historisch bedeutender, durch den Gang der Geschichte jedoch aufgelöster Gemeinden und ihrer zerstörten Kirchen bewahrt, machte auf zwei Epitaphgemälde des spätbarocken Berliner Malers Christian Bernhard Rode aufmerksam, die seit Kriegsende in verschiedenen Notdepots mehr Unterschlupf denn Schutz fanden. Die 1756 geschaffenen Gemälde befanden sich zuletzt ungesichert in einer Friedhofskapelle. Dabei waren sie einst in St. Marien an bevorzugter Stelle angebracht gewesen, um an die verstorbenen Eltern des Künstlers zu erinnern. In ihrer Verbindung von christlicher Heilsbotschaft und klassizierenden Allegorien geben die Gemälde Zeugnis vom Geist der Berliner Aufklärung. Kein Museumsgut – und doch wertvoll für die Geschichte der Kunst im friderizianischen Berlin.

Im Dezember 2007 bezog das Leipziger Grassi- Museum für Kunsthandwerk seine von Grund auf renovierten Räume im jahrzehntelang vernachlässigten eigenen Haus. Ein Blickfang unter vielen ist die mit Chinoiserien bemalte, imposante 13 Meter breite Leinwandtapete, die um die Zeit von 1740 zu datieren ist. Als Beispiel für die Chinamode, die sich seit 1700 in ganz Europa verbreitete, steht diese Tapete ganz hervorragend da, lassen sich doch motivische Übereinstimmungen mit Dekorationen des berühmten François Cuvillés für das Münchner Gartenschlösschen Amalienburg im Park Nymphenburg nachweisen. Hier konnte der Freundeskreis die Finanzierungslücke für die Restaurierung schließen.

In Rahmen der Weimarer Ausstellungen zum 90. Gründungsjubiläum des Bauhauses fanden im zurückliegenden Frühjahr auch die Leinwandtafeln Beachtung, die Goethe ab 1789 zur Demonstration seiner Farbenlehre benutzt hatte. Diese Farbschirme mit aufgeklebten farbigen Papieren bedurften dringend der Restaurierung. Dass sie ihrer bedurften, obgleich sie doch zum Bestand des Goethe-Nationalmuseums zählen und somit in den Augen der Öffentlichkeit vorrangige Beachtung genießen, belegt einmal mehr, wie umfangreich die noch zu bewältigenden Aufgaben im Bereich der Objekterhaltung in den östlichen Bundesländern und dort eben auch bei den herausragenden Institutionen sind.

Das Schlossmuseum Gotha in Schloss Friedenstein zählt zu den bedeutendsten „unbekannten“ Museen Mitteldeutschlands – und steht seit der Wiedervereinigung vor zwanzig Jahren im Fokus von Fördermaßnahmen verschiedener Art. Doch die Schätze des Museums sind so reich, dass immer wieder Hilfe benötigt wird. So auch im Falle eines Brüsseler Gobelins, der 1690 als Auftragsarbeit für Herzog Friedrich I. von Sachsen-Gotha-Altenburg entstand. Fast 16 Quadratmeter Woll-Seidengewebe galt es zu restaurieren. Nach 250 Jahren an einer Schlosswand war das Gewebe stark verschmutzt und durch die Last des Eigengewichts vielfach gebrochen. Die sachgerechte Reinigung in einer belgischen Spezialwerkstatt und die Restaurierung bei den Staatlichen Museen Berlin schlugen mit gut 25.000 Euro zu Buche, die der Freundeskreis aufbrachte.

Dr. Britta Kaiser-Schuster, ehemalige Geschäftsführerin des Freundeskreises, im Goethe Museum Weimar mit den Farbschirmen Johann Wolfgang Goethes, um 1789, Foto: Oliver Mark
Dr. Britta Kaiser-Schuster, ehemalige Geschäftsführerin des Freundeskreises, im Goethe Museum Weimar mit den Farbschirmen Johann Wolfgang Goethes, um 1789, Foto: Oliver Mark

Die Besuchsreisen, die der Freundeskreis unternimmt, münden oft in Hilfszusagen, die vor Beginn der Reise noch gar nicht zu erahnen waren. Was konkret vonnöten ist, erschließt sich dem kritischen Augenschein deutlicher als durch die Lektüre von Antragsschreiben. Die enge Verzahnung mit der Kulturstiftung der Länder bewirkt ein Übriges. Sie ist in der Person von Britta Kaiser-Schuster stets gegenwärtig, die als Dezernentin der Kulturstiftung von Anbeginn an die Aktivitäten des Freundeskreises als dessen Geschäftsführerin begleitet. Was für ein schwaches Wort in Anbetracht der zu bewältigenden Mitgliederversammlungen, Vorstandssitzungen, Präsentationen und eben nicht zuletzt der Organisation der Reisen! Zu leicht gerät aus dem Blick, dass es parallel zum mäzenatischen Engagement der Freunde und Förderer der professionellen Umsetzung bedarf, damit aus dem guten Vorsatz tatsächlich die gute Tat erwachsen kann.

So in Halle an der Saale. Wie nahe bei weithin ausstrahlenden Einrichtungen und doch unerkannt kulturelle Schätze liegen können, beweist das Beispiel der dortigen Marienbibliothek. Erst durch einen persönlichen Besuch erschloss sich die Bedeutung dieser bereits in der Reformationszeit angelegten Bibliothek, die auf die unmittelbare Anregung Martin Luthers zurückgeht. Sie enthält Bücher einer Familienbibliothek, deren Begründerin in persönlichem Kontakt zu Luther stand und bereits wenige Jahrzehnte nach dessen Tod in öffentlichen Bestand überging. Einige der wertvollsten Bände mussten restauriert werden; „damit kann“, wie es im Bericht des Freundeskreises heißt, „ein einzigartiges Zeugnis der Reformation in situ erhalten werden“. Wie viele solcher verborgenen Schätze, die nicht allein durch einzelne Objekte, sondern mehr noch durch ihren über die Zeiten hinweg bewahrten Zusammenhang eine Vorstellung vom kulturellen Erbe vermitteln, mögen gerade in den Städten östlich der Elbe noch zu finden sein?

Und selbst in Berlin. Das Naturkundemuseum, dem erst Jahre nach den Kunstmuseen der Stadt eine umfassende Restaurierung zugestanden wurde, birgt nicht nur eine der weltgrößten naturkundlichen Sammlungen, sondern auch eine Bibliothek von hohem Rang. So befindet sich dort das vollständige „Journal für Ornithologie“, das seit 1853 erscheint und so die älteste noch existierende Zeitschrift dieses Fachgebietes darstellt. „Buchbinderische Instandsetzung“, das ist Alltag einer historisch gewachsenen Bibliothek; dass sie mit vergleichsweise bescheidenen, in der Summe dann doch wieder drückenden 75 Euro pro Band zu beziffern ist, belegt die Notwendigkeit von Hilfsmaßnahmen jenseits der gewöhnlichen Betriebshaushalte. So sprang der Freundeskreis auch beim Naturkundemuseum ein, um etwa das achtbändige Werk eines Zeitgenossen von Darwin, John Goulds „Die Vögel Australiens“, wieder nutzbar zu machen.

Angesichts von soviel Geschichte ist es mehr als angemessen, auf einen mit Hilfe des Freundeskreises bewerkstelligten Ankauf im Bereich der zeitgenössischen Kunst hinzuweisen. Die Kunstsammlungen Chemnitz, die unter der Leitung von Ingrid Mössinger in die erste Reihe der deutschen Kunstmuseen gelangt sind, konnten eine Serie von großformatigen Radierungen erwerben, die der amerikanische Bildhauer Richard Serra 1991 im Zusammenhang mit einem Skulpturenprojekt in Island geschaffen hat. Serras Papierarbeiten mit ihrem kompromisslosen Kontrast von tiefem Schwarz und weiß belassenem Papier fordern dem Betrachter die Konzentration auf die reine Form ab – eine Sehweise, die in den ostdeutschen Museen lange vernachlässigt wurde oder besser gesagt werden musste. Auch hier war der Freundeskreis Teilhaber der, wie so oft, auf mehrere Schultern verteilten Erwerbungsanstrengung.

„Sich bei kulturpolitischen Debatten zu Wort zu melden, auf Fehlentwicklungen oder Defizite hinzuweisen, aber auch Vorbildliches herauszuheben, auch das wird vom Selbstverständnis des Freundeskreises umfasst“, betont Dietrich Hoppenstedt zum 10-jährigen Bestehen des Vereins. Man muss das Zu-Wort-Melden vielleicht gar nicht wörtlich nehmen. Denn die Wortmeldung der „Freunde“ besteht in der praktischen Hilfeleistung, die auf die Notlagen und Desiderata der geförderten Institutionen aufmerksam macht, „vor allem in der ostdeutschen Kulturlandschaft“, wie der Vorsitzende nochmals dargetan hat. Und um das „Vorbildliche herauszuheben“, bedarf es des Eigenlobes nicht: Die gesicherten, geretteten und neu erworbenen Kulturschätze loben ihre Mäzene. Und Mäzen zu werden, ist nach deutscher Tradition eine ganz einfache Angelegenheit: Es genügt, einem Verein beizutreten – diesem Verein.

Bernhard Schulz

ist Kulturredakteur des Berliner Tagesspiegel.

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