Erwerbungsförderung

Kunst für Kinder

Der Sammler Friedrich C. Heller übereignet dem Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf seine Kollektion von rund 3.500 künstlerisch wie kulturhistorisch wertvollen Kinderbilderbüchern von 1890 bis 1950. Die Kulturstiftung der Länder unterstützte den Ankauf.

Die ganze Welt im heimischen Kinderzimmer: Bilderbücher prägten über Generationen den visuellen Erfahrungshorizont von Kindern. Dem emeritierten Professor für Musikgeschichte Friedrich C. Heller blieben die Bilderbücher seiner Kindheit stets im Gedächtnis. Mit Passion trug er über vier Jahrzehnte eine Spezialsammlung künstlerisch herausragend illustrierter Kinderbücher  aus der Zeit von 1890 bis 1950 zusammen. In einem Festakt übereignet der Sammler nun offiziell die unikalen und raren Buchschätze dem Troisdorfer Bilderbuchmuseum, in dem die rund 3.500 Kleinodien umfassende – 2010 mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erworbene – Kollektion seit Jahren archiviert und erforscht wird.

Innenseite aus dem Bilderbuch "Der Märchenschrein" von Emmy Zweybrück und Hertha Sladky, 1925; Bilderbuchmuseum Troisdorf © Christian Brandstätter Verlag, Wien
Innenseite aus dem Bilderbuch „Der Märchenschrein“ von Emmy Zweybrück und Hertha Sladky, 1925; Bilderbuchmuseum Troisdorf © Christian Brandstätter Verlag, Wien

Ob Wiener Jugendstil, deutscher Expressionismus, niederländisches De Stijl oder italienischer Futurismo – die Bilderbuchkunst der Heller’schen Sammlung lädt ein zu einer Reise durch die europäische Kunst- und Kulturgeschichte. Einen Schwerpunkt der Kollektion bildet die bunte Welt des Wiener Bilderbuchs der Jahrhundertwende. Die österreichische Hauptstadt war das Zentrum avancierter Buchkunst, in dem junge Illustratoren und Graphiker im Umkreis der Wiener Secession auch exquisite Bücher speziell für Kinder schufen: wie Carl Otto Czeschka (1878–1960) – einen der wichtigsten Gestalter der Wiener Werkstätten –, dessen meisterhafte Illustrationen zur Jugendbuch-ausgabe der Nibelungen den Regisseur Fritz Lang bei seiner Verfilmung des Stoffes inspirierten; oder Emmy Zweybrück (1890–1956), die als Gründerin einer kunstgewerb-lichen Werkstätte mit ihren farbenfrohen Bildern zum Werk „Der Märchenschrein“ eine Generation junger Künstlerinnen beeinflusste. Neben Wiener Künstlern nutzte auch die deutsche Avantgarde das Kinderbilderbuch als Experimentierfeld verschiedener Gestaltungstechniken und Stile: So ist in der Sammlung der Maler Karl Hofer mit seinen aquarellierten Illustrationen zu Paula Dehmels Gedichtband „Rumpumpel“ ebenso vertreten wie Kurt Schwitters, der im Märchenbuch „Die Scheuche“ mit Bildern aus Buchstaben sein dadaistisches Kunstkonzept schärfte.

Mit der Sammlung Heller gelangen nicht nur qualitätsvolle Einzelausgaben, Fibeln und vollständige Kinderbuch-Reihen, sondern auch die Kollektion ergänzende Graphiken, Skizzen und Originalillustrationen in das Bilderbuchmuseum Troisdorf – Deutschlands einzigem Spezialmuseum für Buchillustration. Das Museum erweitert mit der Erwerbung seinen Bestand an Buchkunst der klassischen Moderne um wichtige Zeugnisse der Gattung Kinderbuch, die von Kunstmuseen und der Wissenschaft lange übersehen wurde.